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Hoch hinaus

Der Alpenverein weiht heute seine neue Kletteranlage im Westpark-Center ein. Sie ist in der Region einmalig und sichert den Nachwuchs.

Von Mario Heinke

Das Ratschen der Elektroschrauber legt einen gleichbleibenden Geräuschteppich über die neue Kletterhalle im Westpark-Center. Auf einer Hebebühne stehend steuert Julia Winter sich selbst an den farbigen Lochplatten entlang in die Höhe. Mit geübtem Blick wählt die Deutsche Meisterin im Klettern und Bouldern ein Loch aus, um den nächsten Griff anzuschrauben. Die 28-jährige Dresdnerin ist wegen ihrer Wettkampferfolge im Sportklettern nebenberuflich Routenbauerin geworden. Sie unterstützt Robert Leistner aus Dresden und Scott Kuttner aus Zittau bei der Festlegung und Montage der Kletterrouten an der neuen Wand. Leistner ist hauptberuflich Routenbauer. Er sagt, dass es außer in Liberec bis nach Dresden keine vergleichbare Kletteranlage in der Größe gäbe. Über 3 000 Griffe in verschiedenen Formen und Farben, Umlenker und Sicherungslaschen haben die drei Routenbauer seit Mittwoch bereits montiert. An den 680 Quadratmetern Wandfläche sind schon viele Routen erkennbar, die bis zu zehn Meter in die Höhe führen. Die eine oder andere Route mit besonderem Schwierigkeitsgrad werden die Routenbauer später noch hinzufügen. Die Bauweise der Anlage lässt eine flexible Gestaltung der Routen zu.

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Im Boulderbereich sah es gestern Mittag noch etwas leer aus. Noch reichlich Arbeit bis zum Abend. Unter „Bouldern“ verstehen die Sportler das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt in Absprunghöhe. Weil die Anlage über einen solchen Boulderbereich verfügt, wird sie nicht nur Wintertreffpunkt und sachsenweite Wettkampfstätte der Sportkletterer, sondern auch ein zusätzlicher Anziehungspunkt für Touristen, Freizeitsportler, Physiotherapeuten, Kinder und Jugendliche.

Heute treffen sich um neun Uhr die Sportfreunde der Sektion Klettern des Deutschen Alpenvereins (DAV) Zittau mit zahlreichen offiziellen Vertretern aus Sport, Politik und Wirtschaft im Westpark-Center, um die beeindruckende Kletteranlage feierlich zu übergeben. Die erfolgreiche Finanzierung der 100 000 Euro teuren Anlage hat viele Väter: 20 Prozent der Kosten trägt die Zittauer Sektion des DAV selbst, 30 000 Euro steuerte der DAV bei und ein größerer Betrag kam von einem Einzelspender. Auch Sparkasse, Landkreis, die Stadt Zittau und viele Sponsoren haben sich beteiligt. Eine Investition, die ohne Fördermittel ausgekommen musste, weil die Auflagen der Fördermittelgeber nicht mit den Plänen des Vereins in Übereinstimmung zu bringen waren. Auslöser für den Neubau und den Umzug von der Hauptturnhalle ins Westpark-Center ist die langwierige Diskussion um einen Standort für den Sporthallenneubau als Ersatz für die marode Hauptturnhalle gewesen. Die Ungewissheit, ob die Sportkletterer während der zweijährigen Bauzeit woanders unterkommen, hatte die Vereinsführung veranlasst, nach 20 Jahren in der Hauptturnhalle selbst nach einer zukunftsträchtigen Lösung zu suchen. Die Kletteranlage ist für den Verein existenziell, denn die meisten neuen Vereinsmitglieder aus dem Jugendbereich kommen aus dem Hallenklettern.

Im Westpark-Center fand die Vereinsführung den richtigen Partner. In der Tennishalle opferten die Betreiber ein Spielfeld für die Kletterhalle. Die verbleibenden zwei Tennisfelder sind für den Bedarf der Tennisspieler völlig ausreichend, erklärte Anlagenleiter Heiko Stegner Anfang des Jahres. Die Halle sei zudem so groß, dass auch nach dem Einzug der Sportkletterer genügend Platz für Veranstaltungen und Konzerte bleibe. Das Westpark-Center erhofft sich eine Belebung der Anlage und Synergieeffekte, deshalb wurden sich beide Seiten schnell einig. Ein Kooperationsvertrag regelt nun alles, was für den zukünftigen Betrieb erforderlich ist.

Viel Zeit für lange Festreden bleibt heute allerdings nicht. Bereits um 10 Uhr beginnt die Qualifikation im Sächsischen Kinder- und Schülercup, gegen 16 Uhr das Finale. Der überregionale Wettkampf zeigt, wie wichtig die Kletteranlage nicht nur für die 930 Mitglieder des zweitgrößten Vereins im Landkreis ist.

Ab Montag steht die Kletterhalle dann allen Klettersportlern zwischen 8.30 und 21.30 Uhr zur Verfügung, kündigt Übungsleiter Dieter Donath an. Der 66-Jährige klettert seit seinem 20. Lebensjahr. Die Nutzer sollten zu zweit kommen und auch in der Lage sein, selbstständig zu klettern. Anfänger können die leichte Wand und den Boulderbereich nutzen. Wer Anleitung benötigt, kann auch einen Kletterkurs beim Verein buchen, so Donath.