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Hoch zu Ross durch die Flur

Zum 200. Mal reitet die Ostroer Prozession nach Nebelschütz. Marian Kreuz ist erstmals, sein Vater seit 25 Jahren dabei.

Von Andreas Kirschke

Pferd Celvano gehört fest zur Familie. Marian Kreuz (14) in Ostro ist stolz auf das vierjährige deutsche Reitpferd. Regelmäßig pflegt und versorgt er das Tier. Mit ihm übt der Junge reiten und satteln, lernt den Umgang mit den Vierbeinern. Will er doch Ostersonntag zum ersten Mal in der Ostroer Prozession mitreiten.

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Ostro erlebt in diesem Jahr ein ganz besonderes Ostern. „Zum 200. Mal reitet die Prozession nach Nebelschütz“, weiß Papa Martin Kreuz (39). Insgesamt 56 Reiterpaare nehmen teil. Fünf Erstreiter gibt es dieses Jahr. Außer Marian tragen Dominik Mirtschink (13), Jakob Jatzwauk (14), Paul Ziesch (14) und Jonas Bernkopf (14) das grüne Kränzchen. Martin Kreuz, Matthias Mirtschink, Roman Zschorlich, Matthias Wenke und Xaver Zschorlich reiten zum 25. Mal mit. Sie tragen das silberne Kränzchen.

Seit 1758 besteht die Pfarrgemeinde Ostro. „Es ist anzunehmen, dass damals noch nach alter Überlieferung einzig die Fluren und Felder der eigenen Gemeinde umritten wurden“, schrieb Alfons Frenzel in seinem Buch „Osterreiten“ über die Ursprünge. Seit 1815 reiten die Ostroer am Ostersonntag nach Nebelschütz. Seit dieser Zeit kommen zugleich die Nebelschützer nach Ostro. Mit 142 Osterreitern erreichte die Prozession 2004 die bislang höchste Beteiligung. In jenem Jahr besuchte als Ehrengast der Apostolische Nuntius, Erzbischof Josef Ender, in Begleitung des Bischofs Joachim Reinelt den Ort Ostro. Dieses Jahr zum Jubiläum wird der neue Bischof Heiner Koch aus Dresden erwartet.

Prägend für die Prozession war lange Zeit Landwirt Paul Ziesch. 50 Jahre lang führte er die Prozession als Kantor. Insgesamt 60-mal ritt er mit. Heute ist sein Sohn Tobias Ziesch Kantor. Der älteste Osterreiter in Ostro ist Bernhard Raab. Der 76-Jährige reitet dieses Jahr zum 67. Mal mit.

Einzigartig nur in Ostro ist das Saatreiten Ostersonntag, früh um 6 Uhr – lange vor der eigentlichen Prozession. „Jedes Jahr reiten wir eine andere Route. Der Kantor legt sie fest. Wir reiten durch die Flure und Feldwege, wir nehmen die künftigen Erstreiter mit. Wir beten den Rosenkranz und singen Auferstehungslieder. Wir bitten Gott um Segen für gutes Wachstum, für gute Ernte und gelingende Arbeit, für Schutz vor Unwetter und Schädlingen“, erzählt Martin Kreuz. Die Reiter begrüßen die erwachende Natur. Zu dieser Zeit, früh am Morgen, sind die Pferde noch ungeschmückt und die Reiter nur in schlichter Kleidung. Gerade in dieser Tradition, so Alfons Frenzel, blieb sicher noch etwas von der Ursprünglichkeit eines Flurumrittes um die jungen Saaten erhalten.

Für Familie Kreuz beginnt schon mit dem Saatreiten der Ostermorgen. Danach striegeln und schmücken Vater und Sohn die Pferde. Es sind die deutschen Reitpferde Loreen (13) und Colin (10). Bereits Karfreitag bringt Paul Niemz aus Mecklenburg die Tiere. Vater und Sohn flechten deren Mähnen ein. Stolz bereitet Marian erstmals „sein“ Pferd vor. Das Muschelgeschirr stammt von Sattlermeister Christian Kothe aus Kamenz. Die Schabracke ist von der Sattlerei Schmautz aus Bautzen. Und die Schweifschleife für das Pferd stickte Patentante Daniela Kreuz. Marian selbst trägt Ostersonntag den alten Hochzeits-Gehrock seines Urgroßvaters.

Martin Kreuz begeistert sich seit früher Kindheit fürs Osterreiten. Von Sattlermeister Heinrich Kobalz gab es das erste Pferde-geschirr. Der Ostroer engagierte sich auch im Reitsportverein. Stark förderte ihn später Reitlehrer und Turnierreiter Gerd Mergel in Reuthen. „Von ihm lernte ich richtig gut reiten“, erinnert er sich. Viel Lampenfieber spürte er 1990. Damals ritt er erstmals in der Wittichenauer Prozession mit. Sein Reitpartner Josef Richter gab ihm Ruhe und Sicherheit. So verlief der Erst-Ritt ohne Probleme. Später heiratete Martin Kreuz nach Ostro ein. Seit 2000 reitet er dort in der Prozession. Die Freude an der Tradition gab er an Sohn Marian weiter. „Es ist der Stolz, endlich dazuzugehören, mitreden zu können“, beschreibt der Sohn.

Vater und Sohn bereiten sich seit Langem innerlich auf Ostern vor. In der Fastenzeit verzichtet Martin Kreuz auf Alkohol. Marian verzichtet auf Süßigkeiten. „Mir ist wichtig, im gesamten Jahr über praktizierender Christ zu sein“, meint der Vater. Die Osterprozession ist für ihn ein klares offenes Bekenntnis zum Glauben. Christus überwindet den Tod. Das Leben triumphiert. „Diese Botschaft der Hoffnung ist wunderbar. Sie sagt aus, dass das Leben nicht zu Ende ist mit dem Tod. Sie sagt aus, dass immer wieder ein Neuanfang möglich ist“, unterstreicht Ehefrau Carmen Kreuz.