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Hochburg der Supermärkte

Handel. In Dresdenentstehen immer mehrLebensmittel-Märkte. Schon jetzt reichen dieLäden für doppelt so vieleEinwohner aus.

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Von Bettina Klemm

Einweihung: In der vergangenen Woche öffneten gleich zwei neue Lebensmittelmärkte in Dresden: Lidl in der Ludwig-Kossuth-Straße und Plus in der Meißner Landstraße. Für die Anwohner eine schöne Sache, schließlich haben sie mehr Auswahl und kürzere Wege. Der Handel sieht es inzwischen allerdings kritischer. „Dresden ist bereits jetzt – mit einer Ausnahme, der Innenstadt – sehr gut bestückt“, sagt Gerold Rölke vom Handelsverband Sachsen. Da Bevölkerungszahlen und Kaufkraft nur langsam wachsen, hat das Überangebot von Handelsfläche einen enormen Verdrängungswettbewerb zur Folge.

Kunden achten auf den Cent

Fachleute halten in Deutschland eine durchschnittliche Verkaufsfläche von 180 Quadratmetern pro tausend Einwohner für angebracht. In Dresden sind es schon 395 Quadratmeter – das würde für über eine Million Menschen ausreichen. Allein zwischen Dezember 2001 und Mai 2005 sind bei den Discount-Märkten 13 450 Quadratmeter Verkaufsfläche neu entstanden. Bei hochwertigen Super- und Verbrauchermärkten betrug der Zuwachs nur 1 410 Quadratmeter. Während in Verbrauchermärkten, wie Konsum oder Edeka, rund 15 Leute beschäftigt sind, kommen Discounter oft mit nur vier bis sechs Angestellten aus.

„Derzeit sind acht weitere Märkte genehmigt, aber noch nicht eröffnet“, sagt Stadtentwicklungsbürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU). Sie entstehen am Comeniusplatz, der Südhöhe, Mügelner Straße, Bodenbacher Straße, Trachenberger Platz, Hansastraße, Kesselsdorfer Straße und Pirnaer Landstraße. Der Discounter Lidl ist besonders aktiv, möglicherweise, um Mitbewerber Aldi zu verdrängen. In der Branche wird gemunkelt, dass Lidl relativ hohe Preise fürs Grundstück zahlen soll.

Dabei nehmen Discounter bereits 60 Prozent der Lebensmittelverkaufsfläche in der Stadt ein. Und die Dresdner achten offensichtlich auch stark auf die Kosten: Während Billigketten in Westeuropa nur etwa 15 Prozent des Umsatzes für sich verbuchen, sind es deutschlandweit 40 und in Dresden etwa 60 Prozent (Quelle: AC Nielsen).

Dennoch kann sich der Konsum Dresden gut behaupten. „Wir schreiben schwarze Zahlen“, sagt Vorstand Roger Ulke. Während ein Aldi 650 bis 1 000 Artikel im Sortiment habe, gebe es im kleinsten Konsum etwa 7 000 zur Auswahl. In der Schillergalerie beispielsweise seien es 17 000. „Wir haben unsere Sortimente verändert, beispielsweise die Strecke Bio-Gourmet aufgenommen“, erläutert Ulke. Bewusste Ernährung habe etwas mit Lebenseinstellung zu tun. Hier findet der Konsum, der 932 Mitarbeiter in Dresden beschäftigt, seine Nische.

Stadt legt Konzept vor

Lange Zeit setzte auch die Stadtentwicklung auf die Märkte. So ließ sich manche Brache mit einem Lebensmittelmarkt als Zugpferd schneller entwickeln. „Für kleinere Märkte mit 700 bis 800 Quadratmetern gibt es zudem relativ leichte Zulassungsbedingungen“, sagt Feßenmayr. Dennoch befürchtet auch er, dass die Entwicklung an einigen Stellen aus dem Ruder läuft.

Birgit Monßen, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung, hat kürzlich eine Konzeption zum Einzelhandel vorgelegt. Darin wird die Entwicklung der Innenstadt und einzelner Stadtteilzentren befürwortet. Märkte wie der Konsum bilden Lehrlinge aus, sorgen sich um die Entwicklung der Stadt, zahlen hier ihre Steuern. „Andere Städte, wie beispielsweise Nürnberg, versuchen auch so die Entwicklung der Supermärkte zu steuern“, sagt Monßen. Für Rölke steht fest: „Stimmt der Stadtrat so einem Handelskonzept zu, können neue Märkte in anderen Gebieten leichter verhindert werden.“