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Hochschule will Lausitzer Strukturwandel abfedern

Die Bildungseinrichtung in Zittau und Görlitz arbeitet derzeit an ihrer Strategie bis 2025. Dazu gehören neue Fächer und eine stärkere regionale Ausrichtung.

© Jan Lange

Von Thomas Mielke

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33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Nachdem die Hochschule Zittau/Görlitz bis zum Jahresende die mit dem Freistaat für die nächsten Jahre ausgehandelten Ziele und Finanzen hausintern festgezurrt hat, stellt sie sich nun strategischen Fragen. Aus den Antworten wird bis 30. Juni der bis 2025 gültige Hochschulentwicklungsplan geformt. Eine Revolution – so wie die Abschaffung des Bauwesens in Zittau im vorigen Plan – sei nicht enthalten, sagt Rektor Friedrich Albrecht. Das sind die Eckpunkte:

Profil: Hochschule will regionaler Entwicklungsmotor werden

„Wir schreiben unser Profil weiter“, sagt Rektor Friedrich Albrecht. Die Kernkompetenzen bleiben „Energie und Umwelt“ sowie „Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft“. Die Hochschule sieht sich zudem als Brücke nach Osteuropa. Noch stärker will sie ein regionaler Entwicklungsmotor werden, sagt der Rektor. Auch wenn die akademische Ausbildung und Forschung Hauptaufgaben bleiben, wollen Albrecht und Kollegen Firmen, der öffentlichen Hand und anderen Partnern stärker unterstützen und den vom abzusehenden Ende der Kohleförderung und -verstromung ausgehenden Strukturwandel in der Lausitz begleiten. Zum einen prädestinieren sie ihre Kompetenzfelder dazu. Zum anderen versteht sich die Einrichtung als Hochschule der Oberlausitz. Der Rektor kann sich vorstellen, dass zum Beispiel mit dem Fraunhofer-Institut neue Wirtschaftszweige im Leichtbau und in der Kunststoff-Herstellung erforscht werden. Oder die Informatik/Elektrotechnik Roboter für Senioren entwickelt. Damit die regionalen Partner auch vom Wissen anderer sächsischer Fachhochschulen profitieren, wird seit Januar das Netzwerk „Saxony High Five“ geschmiedet. Darin kümmern sich die Hochschulen untereinander um Wünsche, sodass die Partner wenig Aufwand haben.

Interne Struktur: Hochschule gründet Stabsstellen

Um den veränderten Rahmenbedingungen – wie der größeren Autonomie –, den damit verbundenen Zuwachs an Aufgaben und der erwünschten Professionalisierung Rechnung zu tragen, stellt sich die Hochschule neu auf. So werden Stabsstellen für Aufgaben geschaffen. Bereits gegründet ist die für Qualitätsmanagement. Weitere, wie die für Öffentlichkeitsarbeit oder Forschung und Innovation, folgen. Sie sollen dafür sorgen, dass die wegen der Veränderungen im Energiesektor zurückgehenden Drittmittel aus der Industrie von neuen Partnern ausgeglichen werden. Zudem wird eine ständige Kommission eingerichtet, die die Arbeit der Fakultäten Maschinenwesen und Elektrotechnik/Informatik sowie der Forschungseinrichtungen IOT und IPM koordiniert. Zudem werden neue Fächer eingeführt: Die angewandten Naturwissenschaften ersetzen die Chemie. Ab Sommersemester können sich Studenten in den Masterstudiengang Pharmazeutische Biotechnologie einschreiben. „Cyberphysischen Systeme“ sollen die Nachrichtentechnik ablösen und bis 2020 wird die akademische Pflegeausbildung eingeführt.

Bau: Standort Görlitz braucht mehr Platz

„Der Freistaat plant dauerhaft mit beiden Standorten“, sagt der Rektor. Da der Görlitzer Standort wegen des hohen Interesses an den sozialen und wirtschaftswissenschaftlichen Richtungen stärker gewachsen ist als geplant, sollen dort Gebäude errichtet oder zugekauft werden. Der für die Immobilien zuständige Freistaat plant derzeit. In Zittau wird neben der Mensa eine neue Forschungshalle gebaut. (SZ/tm)