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Hochschule punktet mit beliebten Studienfächern

Wegen Corona läuft die Bewerbungsphase in Zittau und Görlitz ungewohnt. Und doch mit Erfolg.

Einerseits konnte die Hochschule kaum auf Messen für sich werben. Andererseits kommen Abiturienten, die eigentlich anderes vorhatten.
Einerseits konnte die Hochschule kaum auf Messen für sich werben. Andererseits kommen Abiturienten, die eigentlich anderes vorhatten. ©  Archiv: Matthias Weber

Noch bis zum 15. September kann man sich an der Hochschule Zittau Görlitz in die NC-freien Studiengänge einschreiben. Auch für die Fächer mit Numerus Clausus, also einer Zugangsbeschränkung, hatte die Hochschule den Bewerbungszeitraum für das neue Semester verlängert. Dieses Mal konnte man sich bis zum 20. August bewerben. 

Warum die Bewerbungsfrist verlängert wurde

Dass die Hochschule mit rückläufigen Studentenzahlen zu kämpfen hat, ist nicht neu. Aktuell sind knapp 3.000 Studenten an der Hochschule immatrikuliert. Ähnlich, unter der 3.000er-Marke, lagen die Zahlen auch in den vergangenen beiden Jahren. Vor zehn Jahren hatte die HSZG 3.777 Studenten ausgewiesen. 

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Damit habe die Verlängerung des Bewerbungszeitraumes aber nichts zu tun, sagt Rektor Alexander Kratzsch. Deutschlandweit wurde aufgrund der Coronakrise die Bewerbungsfrist für NC-beschränkte Studiengänge verlängert. Das hat zentral die Stiftung Hochschulstart, über die die Zulassungen vieler NC-Studiengänge laufen, beschlossen. 

Deutlich mehr Bewerbungen bei NC-freien Fächern

Tatsächlich ist es aber nicht leicht für die Hochschule dieses Jahr, um neue Studenten zu werben - Hochschultage an den Berufsinfomationszentren, teils Messen fielen aufgrund der Coronakrise aus. "Wir haben deshalb eine digitale Bewerbungsoffensive gestartet", erzählt Alexander Kratzsch. So sei etwa in den sozialen Medien die Werbung für die Hochschule verstärkt worden. "Die Bewerberlage ist nicht schlecht", sagt Kratzsch. "Seit einigen Tagen haben wir einen guten Anstieg zu verzeichnen."

Der zeigt sich vor allem bei den zulassungsfreien Studiengängen. Zwar läuft die Frist noch zwei Wochen, aber es sind bereits 764 Bewerbungen eingegangen. Voriges Jahr zum Wintersemester waren es insgesamt deutlich weniger, 570. Bei den Studiengängen mit Zulassungsbeschränkung allerdings scheint die verlängerte Bewerbungsfrist dieses Jahr nicht so viel gebracht zu haben: 826 Bewerbungen gingen ein, voriges Jahr waren es 962. 

Zu den beliebtesten Studiengängen zählen dabei Kultur und Management, "Tourismus wird trotz Corona gut angenommen", erzählt Alexander Kratzsch, Soziale Arbeit wollen viele studieren, aber zum Beispiel auch Mechatronik, Automatisierungstechnik, Maschinenwesen und Pharmazeutische Biotechnologie. Ein Bild, das Alexander Kratzsch positiv stimmt. "Wir haben in der Breite beliebte Studiengänge." 

Studium statt Ausbildung oder Auslandsjahr

Eine Folge von Corona, die den Hochschulen durchaus mehr Bewerber bescheren könnte: Für viele Abiturienten, die gar nicht vor hatten, sich dieses Semester an einer Uni einzuschreiben, tun es nun doch. Etwa, weil der Traum vom Auslandsjahr geplatzt ist. Mit Abiturienten, die das betrifft, hatte er bislang weniger zu tun, erzählt Studienberater Dietmar Rößler. Allerdings weiß er von Abiturienten, die eine Ausbildung geplant hatten, und nicht antreten können. "Ich hatte gerade erst jemanden aus Rietschen am Telefon, bei dem es mit der Lehrstelle nicht geklappt hat. Ich vermute, das hat teils auch mit Corona zu tun", erzählt Rößler.

Lage trotzdem nicht einfach

Unabhängig von Corona bleibt die Lage nicht einfach, durch die Demografie. So hatte die Hochschule zum Beispiel vor 20 Jahren deutlich mehr Gymnasien im Umkreis und damit auch mehr potenzielle Bewerber, sagt Rößler, dazu komme die Randlage. 

 "Wir haben eine demografische Herausforderung, an der wir als Hochschule erst mal nichts verändern können", so Alexander Kratzsch. Gerade mit Blick darauf sei die Bewerberlage nicht schlecht. "Wir versuchen, die Chancen in den Vordergrund zu stellen." So wirbt die Hochschule in ihrer Bewerbungsoffensive zum Beispiel mit der guten Betreuungsquote. Tatsächlich haben weniger Studenten im Moment einen großen praktischen Vorteil: Abstandsregeln sind leichter umzusetzen. "Die Erstsemester werden bei uns in Präsenzlehre starten", sagt Kratzsch. "Sie können sich bei uns in den tatsächlichen Hochschulalltag einleben. Das wird an größeren Einrichtungen sicherlich anders sein." Während des Corona-Lockdowns wurde nur online studiert. Sein Ziel: Dass Studenten, die sich mit der Hochschule anfreunden können, sich auch in der Region einbringen und vielleicht längerfristig bleiben. 

Was Corona für Studenten aus dem Ausland bedeutet

Von den Erstsemestlern kommen etwa 15 Prozent aus dem Ausland. Ob das im kommenden Semester auch so ist, lässt sich erst nach der Immatrikulation sagen. Gerade bei ausländischen Studenten entscheidet sich oft kurzfristig, ob sie ein Visum bekommen und ob sie ihr Heimatland verlassen dürfen. Gern hätte der Rektor im Wintersemester Studenten aus Mexiko begrüßt, die über ein Studienprogramm an die hiesige Hochschule kommen. 18 Studenten wären es theoretisch gewesen, praktisch ist es kein Einziger, ist schon klar. 

Die Hochschule hat den Mexikanern angeboten, im Sommersemester den Studienaufenthalt zu beginnen. Ihr Praktikum, das die ausländischen Studenten normalerweise im Sommer absolvieren, wird ins Wintersemester 2021/22 verschoben. „Nächstes Jahr im Winter kommt dann auch regulär die nächste Studentengruppe aus Mexiko, sodass wir wieder im normalen Ablauf sind“, blickt der Rektor in die Zukunft. Ob andere Länder wegen der Corona-Pandemie eine Ausreise verweigern, entscheide sich ebenfalls kurzfristig, so Kratzsch. 

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