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Hochschwanger durch die Corona-Krise

Ina Nowack aus Olbersdorf erwartet ihr siebentes Kind. Mit Freude - aber auch mit Sorgen und Angst.

Ina Nowack mit ihren Kindern Nino, Nina, Nick, Nils, Nila und Nilo sowie Ehemann Frank.
Ina Nowack mit ihren Kindern Nino, Nina, Nick, Nils, Nila und Nilo sowie Ehemann Frank. ©  Rafael Sampedro

Der Bauch ist bereits kugelrund. Fünf Wochen sind es nur noch bis zur Geburt. Dann erwartet Ina Nowack Nachwuchs. Eigentlich müssten Schwangerschaft und Geburt schon fast so etwas wie Routine für die Olbersdorferin sein. Schließlich hat die 32-Jährige seit 2008 bereits vier Jungen und zwei Mädchen zur Welt gebracht. Einer ihrer vier Jungen ist Nick, das sogenannte Mandaubaby. Er kam nämlich auf der Brücke über die Mandau neben dem "Dresdner Hof" zur Welt.

Und doch ist bei der siebenten Schwangerschaft alles etwas anders für Ina Nowack. Der Grund ist natürlich die Corona-Krise. "Ich habe sehr viel Angst, dass ich mich mit dem Coronavirus infiziere, wenn ich spazieren gehe", berichtet die Hochschwangere über ihre Gefühle. Dabei spielt auch die Angst mit, dass ihr ungeborenes Kind Schaden nehmen könnte. "Diese Gedanken begleiten mich immer", meint die sechsfache Mutter.

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Bisher gibt es keine Hinweise, dass Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Auch gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass sich bei einer Infektion das Virus auf das Baby überträgt und es zu Fehlbildungen kommen kann. Oder sich das Risiko einer Fehlgeburt erhöht. Sorgen macht sich Ina Nowack dennoch. Ihre Frauenärztin in Görlitz beruhigt sie zwar auch, doch so ganz kann die Olbersdorferin die Gedanken nicht beiseite schieben. "Wenn ich in der Praxis meiner Frauenärztin sitze, fühle ich mich sicher", sagt die werdende Mutter, die erst dieser Tage zur Kontrolle dort war. Wenn sie aber draußen sei, mache sie sich wieder Sorgen, fügt Ina Nowack hinzu.

In freiwilliger Quarantäne

Die sechsfache Mutter sorgt sich auch, dass sich der eigene Stress und die eigenen Ängste aufs Kind übertragen. "Wenn meine Frauenärztin mir mitteilt, dass es dem Baby gut geht, kann ich wieder kurz aufatmen", sagt die 32-Jährige, die in Görlitz geboren wurde und seit 2001 in Olbersdorf wohnt.

Mitte März, mit Beginn der Corona-Krise, ist Ina Nowack in Selbst-Quarantäne gegangen. So will sie sich und ihr ungeborenes Kind besser schützen. Die freiwillige Isolierung nimmt sie aber nicht so streng, wie es bei einer behördlichen Quarantäne der Fall ist. Einmal in der Woche, meist an den Wochenenden, geht sie für ein bis zwei Stunden spazieren. Sie läuft dann raus aus dem Neubaugebiet, um nicht alle paar Meter jemandem zu begegnen. "In der Nähe gibt es sehr viel Wald und Waldwege, wo wenige Leute unterwegs sind", sagt Ina Nowack. Da können sich auch ihre Kinder mal austoben. Wenn sie nicht schwanger wäre, würde sie öfter rausgehen - selbst in der momentanen Corona-Krise.

In den Supermarkt geht sie derzeit nicht, um eine Ansteckung durch andere Kunden zu vermeiden. "Bei uns ist es jetzt generell so, dass mein Mann Frank nach der Arbeit alle Einkäufe erledigt", erzählt die Hochschwangere.

Sie habe noch die Möglichkeit auf den Balkon zu gehen, um ein bisschen frische Luft zu bekommen. Aber das sei natürlich nicht das Gleiche wie ein Spaziergang, meint die 32-Jährige.

Fenster mit Regenbogen schmücken

Gerade für die Kleinsten ist es eine schwierige Zeit, sie wollen raus, wollen Bewegung haben. Vor der Krise sind die Kinder oft rausgegangen, meist stundenlang. Jetzt sei es ein kleiner Luxus, wenn sie mal eine Stunde draußen sein können. Toll findet die Olbersdorferin deshalb die Idee, die Fenster mit Regenbogen, dem Symbol der Hoffnung, zu schmücken. Wenn die Kinder in anderen Fenstern Regenbogen entdecken, erkennen sie, dass andere Kinder das selbe Schicksal haben und zuhause bleiben müssen.

Da die Kitas und Schulen ebenfalls geschlossen wurden, sind die Kinder fast den ganzen Tag zuhause. Da kommt selbst die sechsfache Mutter sehr schnell an ihre Grenzen. "Ich weiß jetzt, was Lehrer und Erzieher leisten müssen", meint sie.

Ehemann soll bei Geburt dabei sein

Ina Nowack ist insgesamt sensibler durch die Corona-Krise geworden. Ist jemand von der Familie mal draußen gewesen, dann heißt es danach immer zuerst Hände desinfizieren. "Da muss man die Kinder ranführen." Auf mögliche Anzeichen einer Erkrankung achtet sie genau. Das ist auch wichtig, weil eines der Kinder Asthma hat.

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Die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen, die noch mindestens bis zum 19. April gelten, haben auch Auswirkungen auf die Geburt - der offizielle Termin ist der 16. Mai. Denn nach den jetzigen Regelungen dürfen werdende Väter zwar in den Kreißsaal, aber nicht auf die Station. Ina Nowack ist es sehr wichtig, dass ihr Mann Frank bei der Geburt dabei ist. "Es wäre schade, wenn das nicht möglich wäre", sagt sie. Erst in den nächsten Tagen entscheidet sich, ob die Regelungen bestehen bleiben oder gelockert werden. 

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