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Zittau

Hochwaldbaude muss notgesichert werden

Bei Untersuchungen des Baugrunds wurden Hohlräume und Unterspülungen festgestellt. Droht der steile Hang gar abzurutschen?

Baudenwirt Torsten Grundmann steht am steilen Hang, auf dem die Hochwaldbaude thront. Der Hang muss dringend gesichert werden.
Baudenwirt Torsten Grundmann steht am steilen Hang, auf dem die Hochwaldbaude thront. Der Hang muss dringend gesichert werden. © Foto: Rafael Sampedro

Kein Haus im Zittauer Gebirge steht höher als die Hochwaldbaude. Und es steht wohl auch kein Haus gefährlicher. Baudenwirt Torsten Grundmann erklärt das Problem mit einem "Reserviert"-Aufsteller und einem Bierdeckel: Er schiebt den Bierdeckel an den Aufsteller heran. "Der Aufsteller ist jetzt mal die Baude", sagt er. "Hier läuft das Wasser herunter - und hier", Grundmann zeigt auf den Spalt zwischen "Reserviert"-Schildchen und Bierdeckel, "hier läuft es ungehindert herein. Und das schon seit Jahrzehnten."

Weil die Grundmauern der Baude keine ordentliche Entwässerung haben, sammelt sich das Wasser unter der Baude. Gewusst hätten das eigentlich alle, sagt Grundmann, aber keiner hätte gedacht, wie groß der Schaden tatsächlich ist, den das Sickerwasser im steilen Hand über die Jahre und Jahrzehnte angerichtet hat.

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Erst genaue Bohrungen und Baugrunduntersuchungen haben das ganze Ausmaß jetzt ans Licht gebracht: Unterspülungen, Ausspülungen, Hohlräume. "Der Baugrund ist mittlerweile derart instabil, dass sich in den Mauern der Baude schon Risse gebildet haben", sagt Bauplaner Oliver Johne, der sich schon intensiv mit dem Problem beschäftigt hat.

Droht die Hochwaldbaude jetzt etwa von ihrem Hügel zu rutschen? So drastisch will Oliver Johne die Lage nicht beschreiben. "Aber eine Sicherung muss in jedem Fall dringend gemacht werden", sagt der Architekt. Und er weiß auch, dass das in diesem Fall viel leichter gesagt als getan ist: Denn wie will man diesen steilen Hang unter der Baude sichern? "Hier ein Gerüst aufzustellen wäre zwar mit sehr viel Aufwand technisch möglich, aber das wäre auch exorbitant teurer", sagt Oliver Johne. 

Seine Idee ist es jetzt, das Haus auf einen neuen Sockel zu stellen. Dafür wird eine Stützmauer gebaut und mit schrägen Verankerungen gehalten, die in den Felsen getrieben werden. Auch das ist nicht gerade billig. Johne schätzt die Baukosten auf eine knappe Million Euro. 

Thorsten Grundmann ist zwar Erbbaupächter der Baude, aber für den Hang darunter ist die Stadt Zittau zuständig, zu deren Landbesitz der Hochwald gehört. Er könnte das auch gar nicht bezahlen, sagt der Baudenwirt. Die Stadt Zittau aber kann es auch nicht. Und was nun?

Die Hilfe kommt vom Freistaat und zwar aus einem ganz besonderen "Fördertopf":  aus dem auf Schweizer Konten gebunkerten Vermögen der ehemaligen DDR-Staatspartei. Das SED-Vermögen ist nach einem langen Rechtsstreit jetzt den ostdeutschen Bundesländern zugesprochen und aufgeteilt worden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) selbst hatte diese Möglichkeit der Finanzierung ins Spiel gebracht.

Aus dem Zittauer Rathaus wird das auch bestätigt: "Der Baugrund der Hochwaldbaude muss gesichert werden, und wir werden das auch tun", sagt Pressesprecher Michael Scholze. In diesem Jahr stehen 70.000 Euro für Planungsleistungen zur Verfügung. Die Bauarbeiten könnten dann voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen. "Die Finanzierung erfolgt aus DDR-Parteivermögen", so Scholze. "Wir gehen derzeitig von einer 100-prozentigen Förderung aus." Die Fördermaßnahme wird über die sächsischen Denkmalschutzbehörden abgewickelt. Ziel ist es, die historische Baude in ihrer Einmaligkeit zu erhalten.

Wirt Torsten Grundmann ist froh und erleichtert. Seit 1888 steht die Hochwaldbaude 752 Meter über dem Meeresspiegel ganz oben auf dem Berg. Die wachsende Instabilität des Baugrunds ist vor allem eine Folge von Baufehlern beim  Wiederaufbau der Baude nach einem Brand im Jahr 1937 und bei Sanierungsarbeiten in den 1980er Jahren gewesen, erklärt er. "Aber wenn jetzt alles trockengelegt wird, dann wird uns die Baude noch über Generationen überleben", sagt der 43-Jährige und schiebt Reserviert-Schildchen und Bierdeckel zur Seite.

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