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Nach Hochwasser in Görlitz: Neißeradweg gesperrt

Bäume konnten den Wassermassen nicht mehr standhalten. Aber das Schlimmste ist vorbei.

Einer der Bäume, die am Neißeufer ins Wasser gestürzt sind.
Einer der Bäume, die am Neißeufer ins Wasser gestürzt sind. ©  Nikolai Schmidt

Solchen Wassermassen konnten sie nicht mehr standhalten. In der Nähe des Volksbades sind am Sonntag mehrere Bäume von der Böschung in den Fluss abgestürzt. Der Neißeradweg ist dort jetzt gesperrt. 

Hier geht es jetzt erstmal nicht weiter. Wegen der umgestürzten Bäume musste der Neißeradweg gesperrt werden.
Hier geht es jetzt erstmal nicht weiter. Wegen der umgestürzten Bäume musste der Neißeradweg gesperrt werden. ©  Nikolai Schmidt

Nicht weit entfernt von den umgestürzten Bäumen ist die Obermühle. Dort sind dagegen alle Keller und Füße trocken geblieben, sagt Inhaber Jörg Daubner. „So schlimm war es nicht.“ Sah aber schlimm aus, besonders am Sonntagmorgen, als der Wasserstand der Neiße an der Görlitzer Messstelle einen Wert von 459 Zentimetern erreichte. Das entspricht für diese Messstelle der Hochwasserstufe 2. Alarmstufe 3 beginnt bei 480 Zentimetern. Zig Fotos und Videos von den Wassermassen, die an manchen Stellen auch über die Ufer traten, machten in den sozialen Netzwerken die Runde.

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Am Sonntagvormittag begannen die Pegel schon wieder zu sinken, am frühen Morgen hatten sie an Alarmstufe drei gekratzt.
Am Sonntagvormittag begannen die Pegel schon wieder zu sinken, am frühen Morgen hatten sie an Alarmstufe drei gekratzt. ©  Nikolai Schmidt

Bei Alarmstufe 3 hätte die Freiwillige Feuerwehr die Sandsäcke heranschaffen müssen. Soweit kam es nicht. Dennoch war die Feuerwehr Stadtmitte laut SZ-Informationen vom frühen Sonntagmorgen an im Einsatz, sogar bereits seit Sonnabend, als der Görlitzer Neißepegel auf Alarmstufe 1 kletterte. Denn dann werden auch die Freiwilligen Feuerwehren, zum Bespiel auch die in Ludwigsdorf, Weinhübel und Hagenwerder in Bereitschaft gesetzt. Eine der ersten Aufgaben: Die Anwohner, die von einem Hochwasser als Erstes betroffen sein könnten, informieren. Damit sie beispielsweise ihre Häuser mit Spundwänden sichern. 

Feuerwehr kompletten Tag auf Kontrollfahrten

Sonntagmorgen dann, mit Alarmstufe 2, hat für die Kameraden der Kontrolldienst begonnen. Alle sechs Stunden, für mindestens zwei Stunden, haben die Kameraden an der Neiße kontrolliert, wo es Gefahrenstellen gibt oder wo sich Probleme ergeben könnten: Ist die Hochwasserschutzwand der Hochschule geschlossen, können Bäume nicht mehr standhalten, muss irgendwo der Neißeradweg gesperrt werden? 

Grund für die steigenden Pegel waren extreme Starkniederschläge im Isergebirge, die Wassermassen flossen über Nebenflüsse wie die Witka - ein Zufluss der Neiße - ab. Deshalb hatten Hydrologen des Landesumweltamtes die Neiße bereits seit Freitag im Blick, Sonnabendnachmittag lösten sie die erste Hochwasserwarnung aus.

Mehrere Bäume an der Böschung konnten den Wassermassen nicht standhalten.
Mehrere Bäume an der Böschung konnten den Wassermassen nicht standhalten. ©  Nikolai Schmidt

58 Liter Regen in vier Tagen

Innerhalb von vier Tagen, vom 18. bis zum 21. Juni, hat es in Görlitz 58 Liter pro Quadratmeter geregnet, erklärt Anja Juckeland, Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes. Im Vergleich zum Isergebirge, wo innerhalb eines Tages bis zu 119 Liter pro Quadratmeter gefallen waren, hört sich das harmlos an. Dennoch 58 Liter, „damit sind wir schon nahe dran an den Durchschnittswerten für den kompletten Juni“, sagt Anja Juckeland. Das langfristige Mittel für einen Juni in Görlitz liegt bei 69,6 Litern. In diesem Juni ist dieser Wert längst überschritten: Vom 1. bis zum 21. fielen in Görlitz 76,5 Liter.

An einigen Stellen im Stadtgebiet trat die Neiße am Sonnabend leicht über ihre Ufer.
An einigen Stellen im Stadtgebiet trat die Neiße am Sonnabend leicht über ihre Ufer. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Dabei sah es in den vergangenen Tagen andernorts in Sachsen bereits freundlicher aus. Grund für den vielen Regen war eine Luftmassengrenze über der Region, erklärt Anja Juckeland. "Im Nordwesten hatten wir einen Hochdruck-, im Südosten einen Tiefdruckkomplex.“ Dazwischen, über der Grenzregion, lag ein Niederschlagsgebilde, das wenig Zuggeschwindigkeit gehabt habe, sich also nur langsam fortbewegte. Es hätte aber noch schlimmer kommen können. Wenn die Böden so ausgetrocknet gewesen wären, dass sie keine Feuchtigkeit hätten aufnehmen können, so wie voriges Jahr im Juni. „Dieses Jahr hatten wir aber im Mai in Görlitz recht normale Niederschlagswerte“, erklärt Anja Juckeland.

In den nächsten Tagen kommt schönes Wetter

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Um 14.45 Uhr am Sonntag hatte der Wasserstand an der Görlitzer Messstelle die Alarmstufe 2 unterschritten. Aktuell liegt der Wert bei rund 374 Zentimetern. Das entspricht noch Alarmstufe eins. Die Wasserstände fallen weiter, sagt Karin Bernhardt vom Landesumweltamt. Voraussichtlich in den späten Abendstunden wird dann auch die Alarmstufe 1 wieder unterschritten sein. 

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier. 

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