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Urlauber haben die Flut schnell vergessen

Der befürchtete Einbruch bei Übernachtungen trat nicht ein. Das liegt auch am Vergessen, sagt der Tourismus-Chef.

Von Maria Trixa

Die Hauptsaison im Tourismus in der Sächsischen Schweiz ist zu Ende. Zu deren Beginn hatte das Elbe-Hochwasser gewütet. Hoteliers, Gastronomen und Vermieter befürchteten eine Stornierungswelle und Einbußen von 20 Prozent. Ganz so schlimm sei es nicht geworden, sagt Tino Richter, Chef des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz, im SZ-Gespräch.

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Herr Richter, wie lief die Saison nach der Stornierungswelle im Juni?

Der Begriff der Stornierungswelle ist nicht ganz richtig. Wir müssen unterscheiden. Die betroffenen Häuser waren natürlich gezwungen, ihren Gästen abzusagen. Dort gab es, auf das Jahr bezogen, auch einen enormen Rückgang der Übernachtungszahlen. Hotels, die vom Hochwasser nicht betroffen waren, können dagegen seit Juli auf einen fast normalen Saisonverlauf zurückblicken. Wir rechnen damit, dass hier die Übernachtungszahlen so hoch wie 2012 ausfallen, wenn nicht sogar besser.

Es wurde befürchtet, dass vor allem spontane Gäste ausbleiben und Reservierungen zurückgezogen werden. Ist das eingetreten?

Generell nicht. Gerade im Oktober hat das warme Wetter noch viele Touristen in die Region gelockt. Zu den Feiertagen, wie am Tag der Deutschen Einheit, sind die Quartiere eigentlich immer ausgebucht. So gesehen verlief der Oktober dieses Jahr normal. Einbußen gibt es, da das Angebot etwas knapper ist, weil noch immer nicht alle Hotels wieder geöffnet haben. Noch im August fehlten der Region etwa zehn Prozent der 10 000 Betten.

Das Hochwasser der Elbe hat die Gäste also nicht dauerhaft abgeschreckt?

Nein, ganz im Gegenteil. Das Hochwasser war aus den Köpfen der Menschen ganz schnell wieder verschwunden. Die Touristen sind in die Region gekommen und haben sich dann mancherorts gewundert, warum bestimmte Attraktionen, auf die sie sich gefreut hatten, oder warum Gasthäuser gar nicht geöffnet hatten.

Worin sehen Sie die Gründe für den beständigen Gästezulauf?

Wir als Tourismusverband haben gemeinsam mit vielen Partnern ganz gezielt Werbekampagnen gefahren, um den Bekanntheitsgrad der Region zu erhöhen. Sehr erfolgreich war unsere Plakataktion, mit der wir in anderen Bundesländern auf die Sächsische Schweiz als Urlaubsland aufmerksam gemacht haben. Wichtig ist, dass auch die Unternehmer der Region einen intensiven Kontakt zu ihren Gästen gepflegt und diese realistisch informiert haben.

Woher kommen die Gäste?

In der Sächsischen Schweiz übernachten hauptsächlich Gäste aus Deutschland. Die internationalen Besucher erkunden die Region eher von Dresden aus. Deren Anteil wächst zwar stetig, ist aber noch auf einem geringen Niveau.

Steht die Region damit besser da als noch zum Hochwasser im Jahr 2002?

Insgesamt wurde das Hochwasser dieses Jahr besser bewältigt, auch wenn es im Unterschied zu 2002 am Beginn der Saison eintrat. 2002, nach dem Hochwasser im August, haben viele Hotels gar nicht mehr geöffnet, sondern sind gleich in die Winterpause gegangen. Damals gingen die Übernachtungen, auf das ganze Jahr bezogen, um 15 Prozent zurück. Auch dieses Jahr werden einige Hotels nicht mehr öffnen. Insgesamt rechnen wir damit, dass sich die Verluste bei 13 Prozent einpegeln.

Was gibt es jetzt noch zu tun?

Die kulturellen Angebote und sportliche Attraktionen müssen wieder öffnen. Der Tourismusverband wird die Plakataktionen deutschlandweit weiterführen. Am 11. November erscheint unser Urlaubsmagazin mit einer Auflage von 200 000 Stück. Ein Leitthema wird Kunst und Kultur heißen.

Wie blicken Sie auf die Saison 2014?

Ich bin zuversichtlich. Wenn das Wetter mitspielt, dann können wir mit einem normalen Saisonverlauf rechnen. Die Gäste kennen und schätzen die Sächsische Schweiz und ihre vielfältigen Angebote.