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Hochwasserschutz für Sebnitz dauert

Seit Jahren laufen die Untersuchungen für Rückhaltebecken in Tschechien. Jetzt hat die Landestalsperrenverwaltung erste Ergebnisse präsentiert.

Sebnitz am 7. August 2010: Der Markt stand komplett unter Wasser.
Sebnitz am 7. August 2010: Der Markt stand komplett unter Wasser. ©  Archiv/Dirk Zschiedrich

Von den zunächst 14 angedachten Rückhaltebecken im Oberlauf des Sebnitzbachs und seiner Zuflüsse haben es acht in die Endauswahl geschafft. Das ist das Ergebnis einer grenzüberschreitenden Machbarkeitsstudie, welche die Landestalsperrenverwaltung Sachsen jetzt in Sebnitz vorgestellt hat. Experten aus Tschechien und Deutschland hatten das Gebiet östlich der Landesgrenze in den vergangenen Jahren gemeinsam hinsichtlich des Hochwasserschutzes untersucht. 

Die Sebnitz beziehungsweise der Vilémovský potok (Wölmsdorfer Bach), wie der Fluss auf tschechischer Seite heißt, speist sich aus vier Zuläufen im Schluckenauer Zipfel. Schon ab einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen alle 20 Jahre vorkommt (HQ20), drohen in Sebnitz Überschwemmungen, erklärte Birgit Lange von der Landestalsperrenverwaltung (LTV). Langfristiges Ziel sei es, einen Schutz für ein Jahrhunderthochwasser (HQ100) zu erreichen. Da dies auf deutscher Seite aufgrund der Topographie nicht machbar ist, müssen die Dämme in Tschechien gebaut werden.   

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In der jetzt vorgestellten Studie haben die Fachleute nach geeigneten Standorten für die Rückhaltebecken gesucht. Dafür wurde das Gelände vermessen und die Flächennutzung erfasst. In einem digitalen Geländemodell können die Fachleute dann ablesen, wie die niedergehenden Regenfälle abfließen und an welchen Stellen das Wasser wie hoch steigt. 

In einem ersten Schritt wird sichtbar, wo ein Rückhaltebecken den größten Effekt bringt. In einem zweiten Schritt werden Kosten und Nutzen für jedes Bauwerk errechnet. Dabei geht es nicht nur um die Baukosten eines Dammes, sondern auch um den potenziellen Schaden, den er verhindern kann. 

Im Ergebnis haben sich acht von 14 untersuchten Standorten als effektiv und machbar erwiesen. Diese acht Rückhaltebecken funktionieren allerdings nur im Verbund: "Alle acht oder keins", sagte Birgit Lange von der Talsperrenverwaltung. Zusammen könnten sie die Durchflussmenge von 55,2 Kubikmeter pro Sekunde auf 36,4 Kubikmeter pro Sekunde reduzieren. 

Brücken in Sebnitz müssen aufgeweitet werden

Um Sebnitz vor einem Jahrhunderthochwasser zu schützen, reicht das allerdings nicht aus. Zusätzlich zu den Rückhaltebecken in Tschechien muss dafür auch im Stadtgebiet noch einiges getan werden, sagte Birgit Lange von der LTV. Es geht um den Flussverlauf vom Sebnitz Center an der Langen Straße bis hin zur Stadthalle. Knackpunkt sind vor allem die Brücken. Unter ihnen passt im Ernstfall nicht genügend Wasser hindurch, sie müssen deshalb umgebaut werden.

Besonders kritisch ist die Situation laut Talsperrenverwaltung am Neustädter Weg. Entlang der Straße müsste die Ufermauer erhöht werden. Ob und wann das passiert, ist derzeit offen. Würde die Ufermauer hier erhöht, würde das Wasser schneller durchfließen und  womöglich flussabwärts größere Schäden anrichten. Das jedoch darf nicht passieren, erklärte Birgit Lange.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass durch Hochwasserschutzbauten an der einen Stelle sich die Situation an anderer Stelle nicht verschlechtern darf. Um herauszufinden, welche Auswirkungen eine höhere Mauer hat, müsste erst der Unterlauf der Sebnitz untersucht werden. Das steht noch aus.

Alles, was in den vergangenen Jahren in Sebnitz am Flussbett gebaut wurde, läuft unter Schadenbeseitigung, sagte Birgit Lange von der LTV. Eine Aufweitung des Flussbetts oder zusätzliche Schutzmaßnahmen hat es bisher nicht gegeben. 

Baubeginn nicht absehbar

Wann die acht Rückhaltebecken auf tschechischer Seite errichtet werden, kann zur Stunde niemand sagen. Die nächste Förderperiode für das grenzüberschreitende Projekt läuft von 2021 bis 2027. Darin wäre aber nur die Planung enthalten. Ob das passiert, entscheidet sich Mitte 2020.

Frühestens nach 2027 könnte dann das Genehmigungsverfahren in Tschechien starten. Bis dahin bleibt den potenziell Betroffenen nichts anderes übrig, als Eigenvorsorge zu betreiben. Das Sächsische Umweltministerium bietet hierfür auch Privatleuten persönliche Beratung und Fördermittel an. 


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