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Hochwasserschutz nur mit Mauer

Der Dresdner Nordwesten ist deutlich gefährdeter als ursprünglich angenommen. Die Stadt muss deshalb handeln.

Von Kathrin Kupka-Hahn

Die Frage, ob Pieschen wirklich schützenswert ist, stellt sich Dresdens Umweltamtsleiter Christian Korndörfer schon lange nicht mehr. Das Hochwasser vor einem Jahr hat ihn wachgerüttelt. „Die Realität sieht eben anders aus als ein berechnetes Modell“, sagte er zu den Pieschener Ortsbeiräten in ihrer Sitzung am Dienstagabend. Korndörfer hat den Räten die Analyse des jüngsten Hochwassers vorgestellt – und blieb dabei überraschend ehrlich. „Wir hatten den Stadtteil im Juni 2013 schon aufgegeben“, sagte er. Ab einem gewissen Wasserpegel, der im Schutzplan der Stadt festgelegt sei, würde sich der Kampf eben nicht mehr lohnen. Zudem stand das Wasser in Pieschen deutlich höher als die offiziell gemessenen 8,78 Meter. An der Kreuzung zur Rehefelder Straße stand das Wasser bei 9,10 Metern. Somit ist der Stadtteil wesentlich gefährdeter als ursprünglich angenommen. „Das ist unsere wichtigste Erkenntnis“, so Korndörfer.

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Dass die Schäden im vergangenen Jahr dennoch im Rahmen geblieben sind, sei einzig dem Engagement der unzähligen freiwilligen Helfer zu verdanken. Sie hatten entlang der Leipziger Straße einen Sandsackwall errichtet und damit verhindert, dass die Elbe den Dresdner Nordwesten erobert. „Ihnen ist eine echte Verteidigung gelungen“, so der Umweltamtsleiter.

Früher, nach 2002, sei man immer davon ausgegangen, dass ein Hochwasser in Pieschen Schäden in Höhe von zwei Millionen Euro verursacht. Jedoch hat sich der Stadtteil in den vergangenen Jahren besser entwickelt als gedacht. Es wurde nicht nur in die Häuser und Wohnungen investiert, sondern auch in die Infrastruktur. Die Straßenbahn- sowie die Versorgungsnetze der Drewag und der Stadtentwässerung wurden erheblich modernisiert und aufgerüstet. „Allein das Straßenbahnnetz an der Leipziger Straße hat einen Wert von zwei Millionen Euro“, so Korndörfer.

Neueste Berechnungen hätten ergeben, dass ein Hochwasser in Pieschen inzwischen Schäden im Wert von zwölf bis vierzehn Millionen Euro verursachen würde. Diese wurden mit einem speziellen Forschungsprogramm erstellt und aus der Realnutzung abgeleitet, erklärt er. „Allein diese Tatsache rechtfertigt nun einen ordentlichen Hochwasserschutz.“

Als solchen kommt für Korndörfer nur eine massive Schutzmauer infrage. Diese soll sich nach seinen Vorstellungen von der Marienbrücke bis zum Pieschener Winkel ziehen. Nach ersten Schätzungen würde diese rund acht Millionen Euro kosten. Oberstes Ziel dieser Schutzlinie sei es, dem Fluss Raum lassen. Zudem soll sie nur Siedlungen schützen, die bereits vorhanden sind. „Eine mögliche Hafencity wäre durch diese nicht geschützt“, sagte Korndörfer. Außerdem müsse erst der Hochwasserschutz stehen, danach könne die Bauleitplanung dafür laufen. Doch noch sei diese Hochwasserschutzlinie Zukunftsmusik. „Von Ihnen brauche ich den Auftrag, diese jetzt zu planen“, sagte Korndörfer zu den Ortsbeiräten, die einstimmig für die entsprechende Vorlage votierten.

Dennoch stellten sie dem Umweltamtsleiter noch weitere Fragen. Sie wollten wissen, welche Hochwasserschutzmaßnahmen für die „Übigauer Insel“ geplant seien. Das ist das Landstück zwischen Elbe und Kaditzer Flutrinne mit den besonders gefährdeten Stellen in Altmickten und Altübigau. Jedoch konnte Korndörfer dazu nichts sagen und verwies auf die Landestalsperrenverwaltung. Auf die Frage, wie Pieschen geschützt werden soll, bis die neue Schutzlinie gebaut sei, antwortete Korndörfer, dass das vermutlich wieder über Sandsackwälle geschehen wird. Und auch dabei müsse besser geplant werden.