merken
PLUS Löbau

Warum man nicht zweimal heiraten kann

Ein Neugersdorfer will seine Ehe nach 40 Jahren erneuern. Das Amt macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Wie der Wunsch jetzt doch noch in Erfüllung ging.

Anlässlich ihres 40. Hochzeitstags wurde das Eheversprechen von Marina und Dietmar Ain wiederholt. Die Bürgermeisterin von Ebersbach-Neugersdorf, Verena Hergenröder, hielt aus diesem Anlass eine festliche Rede.
Anlässlich ihres 40. Hochzeitstags wurde das Eheversprechen von Marina und Dietmar Ain wiederholt. Die Bürgermeisterin von Ebersbach-Neugersdorf, Verena Hergenröder, hielt aus diesem Anlass eine festliche Rede. © Matthias Weber/photoweber.de

So viel Romantik sieht das deutsche Recht nicht vor: Dietmar Ain und seine Frau Marina schweben im siebenten Himmel - auch nach 40 Ehejahren noch. Und deswegen hatte der Neugersdorfer eine rührende Idee: zum 60. Geburtstag seiner Frau am 1. August dieses Jahres wollte er sie zum zweiten Mal ehelichen. Schon im vorigen Jahr wollte er den großen Tag vorbereiten, erzählt er, und ging zum Standesamt der Stadt. Wohin sonst soll man sich schließlich wenden, wenn man heiraten will? 

Dort trug er den Mitarbeiterinnen sein Anliegen vor. Und erhielt eine unerwartete Antwort: "Das geht nicht." Er sei ja schon verheiratet, erklärte ihm die Standesbeamtin. Und ein zweites Mal heiraten dürfe man in Deutschland nicht, wenn man noch verheiratet ist - auch, wenn es sich um denselben Partner handelt. "Und mich erst scheiden lassen, das wollte ich natürlich nicht", scherzt er. Auch ein symbolischer Akt, wie von Dietmar Ain geplant, sei von Amts wegen nicht möglich. 

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Yvonne Huß, Standesbeamtin in Ebersbach-Neugersdorf, hörte einen solchen Wunsch in ihrem Amt zum ersten Mal. "Mir ist nicht bekannt, dass bei uns schon mal jemand konkret danach gefragt hätte." Sie bestätigt, dass dies aber nicht möglich ist: "Wir nehmen als Standesbeamte rechtskräftige Eheschließungen vor. Wenn jemand Jahre später eine symbolische Feier möchte, dann liegt das nicht in unserem Zuständigkeitsbereich. Das hat ja keine rechtliche Gültigkeit." Dazu könne das Ehepaar zum Beispiel einen freien Redner beauftragen. "Das ist bei uns hier in der Region aber noch nicht so verbreitet", weiß Frau Huß. In größeren Städten wie zum Beispiel Dresden gebe es aber viele freie Redner, die solche symbolischen Hochzeitsfeiern organisieren. Auch in der Kirche sei es möglich einen Gottesdienst zur Bekräftigung der Ehe durchzuführen. 

Mit Antrag und Verlobungsring

Die Absage ärgerte Dietmar Ain, hatte er sich doch alles so schön überlegt. Zu ihrem Geburtstag vor genau einem Jahr, als sie mit der Familie zusammensaßen, hat er seiner Frau einen "Antrag" gemacht. Sogar einen Ring gab es für Marina Ain. "Jetzt sind wir verlobt", scherzt Dietmar Ain. Denn für solche Dinge blieb bei ihrer eigentlichen Vermählung vor 40 Jahren keine Zeit. Schon ein halbes Jahr nach ihrem Kennenlernen heirateten die Neugersdorferin und der gebürtige Löbauer still und heimlich. Am 22. Dezember 1979 war das. "Wenn es die Richtige ist, warum soll man dann lange warten?", sagt Dietmar Ain. Er wollte mit seiner Marina zusammenbleiben, das wusste er schon damals ganz genau. Außerdem: Marina Ain war zu dem Zeitpunkt bereits schwanger mit dem ersten Sohn des Paares. Die Eltern erfuhren erst am Tag danach von der heimlichen Hochzeit. "Sie haben dann ein paar Tage mit uns geschmollt", erzählt das Paar. Silvester war die Welt aber wieder in Ordnung, da wurde gemeinsam gefeiert. 

Dennoch: eine richtige Hochzeit mit Brautkleid, Feier, Fotograf und allem, was dazu gehört, gab es nie. Auch das war ein Grund für Dietmar Ain, seine Frau zu fragen, ob sie ihn denn noch einmal heiraten möchte - so richtig mit allem drum und dran. 

Zum drum und dran gehört selbstverständlich ein Brautkleid. Auch das hat sich Marina Ain besorgt. Gemeinsam mit Tochter und Schwiegertochter hat sie es in einem Brautmodengeschäft in Bautzen ausgesucht. Von so einem Kleid träumte die 60-Jährige schon lange. Hin und wieder sah sie sich im Fernsehen Sendungen an, in denen zukünftige Bräute nach Hochzeitskleidern suchen. Das Interesse seiner Frau beobachtete auch ihr Mann. "Und dann habe ich gesehen, mit wie viel Aufwand meine Töchter geheiratet haben", sagt Dietmar Ain. Da kam auch er auf den Geschmack und sagte sich: Warum sollten wir das nicht auch noch einmal nachholen?

40 Jahre und drei Kinder

Marina und Dietmar Ain aus Neugersdorf bei ihrer Hochzeit vor 40 Jahren.
Marina und Dietmar Ain aus Neugersdorf bei ihrer Hochzeit vor 40 Jahren. © privat

Inzwischen haben er und seine Frau 40 turbulente Ehejahre hinter sich, die nicht immer einfach waren. Die Wende, Arbeitslosigkeit, Jobsuche, Umschulung, Arbeitsstellen fern der Heimat mit ewiger Pendelei. So arbeitete Marina Ain über zwei Jahre in Bayern als Leiterin eines Pflegeheims. Heute ist sie Heimleiterin in einer Pflegeeinrichtung in Olbersdorf, ihr Mann arbeitet in einem Betrieb in Neugersdorf und ist bei der Feuerwehr aktiv. 

Grund genug, die immer noch frische Liebe nach der langen Zeit mit einer großen Feier mit Familie und Freunden zu bekräftigen. Und auch der Wunsch nach der zweiten Trauung ging für Marina und Dietmar Ain doch noch in Erfüllung - auch ohne Standesbeamte, Pfarrer oder freien Trauredner. Ebersbach-Neugersdorfs Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) erklärte sich bereit, das Ehepaar symbolisch zu "trauen". "Wir kennen sie schon lange und sie hat sich sogar selbst angeboten. Da haben wir uns natürlich sehr gefreut", erzählen Ains. Denn einen kommerziellen Feier-Redner, der beide gar nicht kennt, wollten sie nicht engagieren. Zu Marina Ains runder Geburtstagsfeier am Sonnabend fand die Feierstunde nun statt. Auch neue Ringe gab es und eine Urkunde - nur eben ohne amtliches Siegel. 

So eine Amtshandlung ist auch für Bürgermeisterin Verena Hergenröder (rechts) sehr selten, wenn sich Eheleute zum 40. Hochzeitstag, so wie jetzt, Marina und Dietmar Ain, erneut das Eheversprechen geben.
So eine Amtshandlung ist auch für Bürgermeisterin Verena Hergenröder (rechts) sehr selten, wenn sich Eheleute zum 40. Hochzeitstag, so wie jetzt, Marina und Dietmar Ain, erneut das Eheversprechen geben. © Matthias Weber/photoweber.de

Auch das noch: Corona

Doch auch diese Feier stand zwischenzeitlich auf der Kippe - wegen Corona. Beinahe wäre also die lange geplante zweite Hochzeit wieder geplatzt. "Hätte es keine Lockerungen gegeben", sagt Marina Ain, "hätten wir das ganze noch einmal um ein Jahr verschieben müssen." Denn der Zeitpunkt mitten im Sommer ist perfekt, es sind Ferien, die Kinder und Verwandten konnten sich alle frei nehmen und nach Neugersdorf kommen. Insgesamt haben die Eheleute drei Kinder, die inzwischen alle erwachsen sind, und bereits sechs Enkel. Die beiden Töchter leben nicht in der Oberlausitz und haben eine weite Anreise. 

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau