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Mittelalterliches Ja-Wort

Kathrin Penndorf und Ralf Penndorf-Jung haben in Dohna etwas anders geheiratet als üblich. Anders waren auch die Gäste und Geschenke.

Von Heike Sabel
Von Heike Sabel © Karl-Ludwig Oberthuer

Wer bekommt zur Hochzeit schon ein Wildschwein? Kathrin Penndorf. Es ist ihr neues 3-D-Modell fürs Bogenschießen. Und es ist nicht das Einzige, was bei der Hochzeit von Kathrin und Ralf etwas anders ist. Es ist nämlich eine Mittelalter-Hochzeit. Diese Zeit ist es, die beide zusammenbrachte und verbindet. Beim Mittelalter-Fest in Weesenstein sahen sie sich vor drei Jahren das erste Mal. Das hatte aber noch nichts zu bedeuten. Ein Jahr später kamen sie sich näher, noch ein Jahr später zusammen, und nun war es Zeit für das „Ja“. Das gaben sich beide am Freitag im Dohnaer Rathaus. Danach wurde auf der Wiese hinter der Scheune Markt 17, die derzeit ausgebaut wird, gefeiert. Perfekt für ein stilechtes mittelalterliches Festgelage bis ins Detail.

Ehrerbietung für die Gäste

Die Aquamanile ist zwar nicht wie gewünscht zum Einsatz gekommen. Das ist ein mittelalterliches Waschbecken. Die Gastgeber haben damals ihren Gästen als Ehrerbietung die Hände gewaschen. Ein solches Waschbecken konnte sich freilich nicht jeder leisten, nur solche wie zum Beispiel die Dohnaer Burggrafen. Auch wenn das Wasser vorm Abendbrot stattdessen von oben kam, war das im Unterschied zu anderen Hochzeiten für die Gäste von Kathrin und Ralf und für sie selbst kein Problem. Ein paar Tropfen Regen im Kesselgulasch machten ihn nur würziger.

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Es ist eine nicht nur von der Kleidung der Gäste außergewöhnliche Hochzeit. Das Büfett ist eine Jeder-bringt-etwas-mit-Party, Messer und Löffel hat der echte Mittelalter-Fan immer bei sich, und der Humor ist derb, aber herzlich. Genau so haben es sich Kathrin Penndorf (42) und ihr Mann Ralf (48) – nun Penndorf-Jung – gewünscht. „Zu meinem 40. Geburtstag gab es auch schon so eine Fete“, erzählt sie. Die nächste Fete steht schon an. Es wird am 19. September die nachgeholte Eröffnung des umgebauten und modernisierten Museums sein, dessen neue Chefin Kathrin Penndorf ist.

Hochzeitsreise an den Ort des ersten Kennenlernens

Für Peter Arras aus Ruhland ist die Mittelalter-Hochzeit eine ungewöhnliche und ungezwungene, aber gute Feier. Eben mal was anderes. Für die vielen eingefleischten Mittelalter-Fans unter den Gästen ist es oft nicht die erste solche Feier. Für Ulrike Müller ist es die dritte, für Andre Wiegand schon die vierte. Die meisten Gäste kommen von der Gruppe Mark Meißen, die Ralf Penndorf-Jung mitgründete, und von der Dohnaer Mittelalter-Gruppe. Eine vier Monate alte künftige Edeldame ist der jüngste Gast.

Und die Hochzeitsreise? Wo ging die im Mittelalter hin? Zur Arbeit. Genauso machen es auch Kathrin und Ralf. Sie haben ein Haus in Weesenstein gekauft. Da ist viel zu tun. Eine Hochzeitsreise sozusagen an den Ort des ersten Kennenlernens. Beim nächsten Mittelalterfest am und auf dem Schloss haben sie es dann nicht mehr so weit.

© Karl-Ludwig Oberthuer

Ulrike Müller aus Oschatz

Selbst nähen ist der Anspruch der Leute, denen das Mittelalter ernst ist. So auch Ulrike Müller (43) aus Oschatz. Bis hin zum Weben der Borte am Festgewand. Zur Originaltreue gehören auch Techniken und Stoffe, die dem 12./13. Jahrhundert entsprechen. Die Brosche, die Ulrike Müller trägt, nennt man Fürspann. Sie hält das Unterkleid, sprich die Bluse, zusammen. Sechs komplette Outfits hat Ulrike Müller als Ada von Radeberg. 

© Karl-Ludwig Oberthuer

Andre Wiegand aus Dresden

„Das ist keine Krone, sondern ein exorbitanter Hut, der an Walter von der Vogelweide erinnert“, sagt der Dresdner Andre Wiegand (51) als Dietrich von Schönberg. Er hat nicht nur sein Gewand selbst genäht, sondern auch Hut und Schuhe selbst gemacht. Das Fell am Hut ist Kaninchen, sagt er. Im Mittelalter wäre es Wolf gewesen. Leuchtende Farben des Gewandes zeigten damals, da hat jemand richtig in sein Kleid investiert.

© Karl-Ludwig Oberthuer

Anja Spoerer aus Bischofswerda

Was macht man, wenn man zu einer Mittelalter-Hochzeit eingeladen ist und kein passendes Kleid hat? Man leiht sich eines aus, und zwar von der Braut. So hat es Anja Spoerer (37) gemacht. Mit Brosche und Almosenbeutel, der bei den feinen Leuten dazu gehörte. Der Zopf aber ist echt ihrer. Anja Spoerer fühlt sich wohl in ihrem Kleid, das so ungewöhnlich ist wie die Feier. „Eben mal was anderes.“

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