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Wegen Corona: Höhere Kosten auf dem Bau

Beim Tiefbau auf dem Lindenplatz in Leisnig beispielsweise gelten jetzt strenge Vorschriften. Fürs Überwachen wurde ein Externer engagiert.

Rico Hentze und seine Kollegen von der Straßenbaufirma Andrä achten auf den Baustellen, wie hier auf dem Leisniger Lindenplatz, auf die Hygieneregeln.
Rico Hentze und seine Kollegen von der Straßenbaufirma Andrä achten auf den Baustellen, wie hier auf dem Leisniger Lindenplatz, auf die Hygieneregeln. © Dietmar Thomas

Leisnig. Das normale Leben ist auch in Leisnig weitgehend zum Stillstand gekommen. Im Stadtgebiet dürfen nur noch wenige Geschäfte öffnen. Demzufolge sind noch weniger Leute als sonst auf den Straßen unterwegs. Nur auf den Baustellen scheint alles seinen Gang wie immer zu gehen. Doch dieser Schein trügt, wie Bauamtsleiter Thomas Schröder bei nächster Gelegenheit den Stadträten berichten wird.

Die Schutzvorkehrungen in Zeiten der Corona-Pandemie haben auch die Baustellen erreicht. Sozusagen von gestern auf morgen mussten behördliche Anforderungen erfüllt werden. Als Alternative hätte gestanden, die Bauarbeiten gar nicht erst zu beginnen oder zu stoppen. Doch davon hat Leisnig abgesehen. 

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„Wir wollen unser Bauprogramm jetzt und auch nach Ende der Einschränkungen wie geplant durchziehen“, so Schröder am Dienstag. Auch in diesem Punkt sehe die Kommune eine Art Wirtschaftsförderung in einer für alle nicht einfachen Lage.

Wie der Amtsleiter erzählt, wird das Erfüllen der Corona-Auflagen mit Mehrkosten für die Kommune als Auftraggeber verbunden sein. „Es werden Nachträge kommen. Denn die Firmen konnten diese Art Zusatzkosten nicht planen und sollen sie auch nicht übernehmen“, sagt Schröder.

Er hoffe, dass es dafür eine Fördermöglichkeit gibt. Einen Antrag werde die Verwaltung auf alle Fälle stellen. Denn auch die Stadt ist auf Mehrkosten in Größenordnungen nicht vorbereitet. Um welche Beträge es auf der Baustelle Lindenplatz und auch beim Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Bockelwitz geht, kann der Bauamtsleiter im Moment noch gar nicht abschätzen.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Während es in Bockelwitz nur eine kleine Hürde gewesen ist, einen behördlich geforderten Frischwasseranschluss zu installieren – dort entstehen ja gerade auch Sanitärräume – war dies auf dem Lindenplatz sozusagen auf freier Flur schon etwas aufwendiger. „Außerdem genügt ein Toilettenhäuschen nicht mehr. Es ist ein Sanitärcontainer nötig“, erklärt Thomas Schröder.

Der steht inzwischen auf dem Lindenplatz – und kostet etwa 600 Euro netto im Monat. Auf jeden Fall mehr als ein Dixi-Klo. Weiterhin stellt Bauunternehmer Gerd Andrä seinen Mitarbeitern Desinfektionsmittel zur Verfügung. Er achtet darauf, dass im Moment nur drei seiner Leute auf der Baustelle sind, weitere kommen ab nächster Woche von der Firma LFT dazu. Die beginnen mit dem Kanalbau. 

Die Straßenbauer kümmern sich zunächst um die Erneuerung von Elektroleitungen und entfernen die Wurzeln der alten Bäume auf dem Lindenplatz. Das ist Voraussetzung, um dort weiterarbeiten zu können.

Dass auf den Baustellen die entsprechenden Hygienevorschriften eingehalten und die Bauleute nicht Seite an Seite, sondern in gebührenden Sicherheitsabstand zueinander arbeiten, muss geprüft und kontrolliert werden. Auch das ist eine behördliche Auflage. „Dafür ist ein Sicherheitskoordinator einzusetzen“, sagt der Bauamtsleiter. 

Der Auftrag dafür musste an eine externe Firma vergeben werden. Mit welchen Kosten das verbunden ist, kann die Verwaltung noch nicht beziffern. Bisher sind für die Arbeiten am Lindenplatz Ausgaben von rund einer Million Euro veranschlagt – ohne die Mehraufwendungen durch Corona.

„Für uns war es eine ganz neue Situation, sich mit diesen Auflagen auseinanderzusetzen“, sagt Gerd Andrä, Geschäftsführer der gleichnamigen Straßen- und Wegebau GmbH aus Leisnig. Trotzdem sehe er diese als wichtig an – auch um die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu schützen. 

Im Moment hat er noch für alle Arbeit, Kurzarbeit stünde nicht an. „Die Baustoffhändler können uns beliefern. Da gibt es keine Abstriche“, so der Firmenchef.

Er hofft für alle Selbstständigen und Unternehmen, dass sich die Situation in absehbarer Zeit reguliert, wieder ein Stück Normalität zurückkehrt. „Im Moment gibt es so gut wie keine öffentlichen Ausschreibungen, können wir uns kaum um Aufträge bemühen“, sagt Gerd Andrä. 

Bauarbeiten auf dem Lindenplatz dauern bis Herbst

Bis Ende vergangenen Jahres hatten sein und auch viele andere Straßenbauunternehmen mehr als gut zu tun. Bis dahin mussten die Schäden beseitigt sein, die durch das Hochwasser im Juni 2013 entstanden waren. Als letzte dieser Maßnahmen stellte die Stadt Leisnig den Schlossberg fertig, in dem der Abwasserkanal getauscht werden musste. Anschließend bekamen Straße und Fußwege einen neuen Belag.

Auf dem Leisniger Lindenplatz werden jetzt Elektro- und Wasserleitungen erneuert, der Abwasserkanal ausgetauscht. Vor der Grundschule legen die Straßenbauer bei der anschließenden Platzgestaltung Halteflächen an. Dort können Eltern kurz stoppen, um das Kind aussteigen zu lassen, damit es zur Schule gehen kann. 

Auf den Lindenplatz werden im Herbst wieder Linden gepflanzt. Spätestens dann sollen auch Tief-, Straßen- und Gehwegbau sowie die Platzgestaltung abgeschlossen sein.

Die Anwohner sind über den Bauablauf informiert worden. Für die Kraftfahrer gibt es ausgeschilderte Einschränkungen. Der Parkplatz „Alte Feuerwache“ soll solange wie möglich nutzbar sein. Mit Beginn der Schule wird wahrscheinlich die Straße zwischen Ober- und Grundschule geöffnet, damit Eltern die Kinder mit dem Auto bringen und vor den Schulen aussteigen lassen können. 

Eine Zufahrt soll dann über die Karl-Wagler-Straße erfolgen. Gegenwärtig müssen diese Belange nicht beachtet wegen. Wegen der Corona-Pandemie sind die Schulen seit mehreren Wochen geschlossen.

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