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Höhere Einkommen "Made in Oberlausitz"

Der Bund gibt bis 2024 maximal 15 Millionen Euro an ein Team aus Unternehmen, Hochschule und Kreis. Wohin es fließen kann, erklärt Sabine Scholz von der Hochschule.

Sabine Scholz leitet die Stabsstelle Forschung der Hochschule Zittau/Görlitz und arbeitet im neuen Lausitz-Bündnis mit.
Sabine Scholz leitet die Stabsstelle Forschung der Hochschule Zittau/Görlitz und arbeitet im neuen Lausitz-Bündnis mit. © Foto: Rafael Sampedro

Sabine Scholz ist der Stolz anzumerken: Die Leiterin der Stabsstelle Forschung bei der Hochschule Zittau/Görlitz freut sich sehr, dass sich ein Lausitzer Bündnis im Wettbewerb von 102 Bewerbern durchgesetzt hat und nun zu den 20 Teams gehört, die eine Förderung vom Bund erhalten. Das Programm WIR - Wandel durch Innovation in der Region - richtet sich dabei vor allem an ostdeutsche Regionen, die nicht zu den sichtbaren Innovationszentren gehören und deshalb unterstützt werden sollen. Sieben Millionen Euro Budget hat das Team "Lausitz - Life and Technology" für die ersten drei Jahre. Wenn das erfolgreich läuft, können es am Ende 15 Millionen Euro auf fünf Jahre sein. Wer von den Mitteln profitieren kann, erklärt Sabine Scholz im Interview:

Frau Scholz, alle reden derzeit vom Ende der Braunkohle und den Geldern und Projekten, die für den Strukturwandel ausgegeben werden. Hängt das WIR-Projekt damit zusammen?

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Sabine Scholz: Nein. Unser Projekt hat nichts direkt mit dem Ende der Braunkohle-Ära zu tun. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2017 einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem sich Teams aus verschiedenen Akteuren bewerben konnten. Dabei waren wir erfolgreich und haben einen Zuschlag erhalten.

Es geht bei Ihnen aber - wie beim Thema Braunkohle - um einen Strukturwandel. Ist das nicht doppelt gemoppelt?

Scholz: Es gibt Parallelen, ja und die Entwicklung unserer Konzepte und die der Kohlekommission lief tatsächlich zeitgleich. Auch wir haben in Workshops und bei  Unternehmer- und Bürgertreffen gefragt, was die Region vorwärts bringen kann. Aber wir wollen uns nicht selbst kannibalisieren, sondern lieber die Kräfte bündeln, etwas Richtiges daraus machen.

Steigen Sie bei den Kohlekommissionsvorhaben mit ein?

Scholz: Nein, aber wir setzen auf die Förderung ähnlicher Dinge und wollen diese Entwicklungen durch WIR noch verstärken.

Mal ganz konkret: Was soll unterm Strich denn herauskommen?

Scholz: Ganz allgemein gesprochen, soll die Wirtschaft so gestärkt werden, dass die Menschen hier in der Region ein höheres Durchschnittseinkommen erhalten. Damit soll die Zufriedenheit, das Glück, das die Menschen, die hier leben, empfinden, größer werden.

Große Ziele - wie konkret soll das mit dem WIR-Projekt funktionieren?

Scholz: Wir setzen auf technologischen Fortschritt. Die Unternehmen sollen wegkommen vom Status der "verlängerten Werkbank" für große Unternehmen. Hier sollen eigene Produkte entstehen - "Made in Oberlausitz". Dabei denken wir zum einen an dringend nötige Speichertechnik für erneuerbare Energien oder auch an effizientere Produktionsmethoden durch neue Werkstoffe. Dafür haben wir hier in der Region bereits kompetente Partner, beispielsweise mit dem Fraunhofer-Kunststoffzentrum in Zittau. Auch additive Fertigungstechniken wie beispielsweise den 3-D-Druck wollen wir weiterentwickeln und nutzen, um hier abseits der großen Zentren Räume zu überwinden und Produkte herzustellen. Dazu brauchen wir noch nicht einmal große Werke und viel Platz.

Aber Sie brauchen Fachkräfte. Das ist durchaus ein Problem.

Scholz: Auch das haben wir im Blick und setzen auf nonformale, regionale Bildung. Das heißt, wir wollen Menschen dann weiterbilden, wenn es nötig ist, angepasst an die Entwicklungen vor Ort, damit sowohl die Mitarbeiter der Firmen vor Ort aber auch Rückkehrer nötige Fähig- und Fertigkeiten erhalten. Außerdem wollen wir die Bildungskette gerade auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, den MINT-Fächern, von der Kita über die Schulen bis zur Hochschule endlich zusammenbinden und stärken.

Das ist ja nun nicht neu ...

Scholz: Nein, das ist überhaupt nicht neu, aber es ist bislang eben noch immer nicht wirklich gelungen.

Die Partner des neuen Lausitz-Bündnisses mit der 3-D-Druck-Version des Dreiländerecks (von links): Stefan Jakschik, Geschäftsführer ULT AG, Wirtschaftswissenschaftlerin Sophia Keil von der Hochschule, Zittaus OB Thomas Zenker, Erziehungswissenschaftlerin
Die Partner des neuen Lausitz-Bündnisses mit der 3-D-Druck-Version des Dreiländerecks (von links): Stefan Jakschik, Geschäftsführer ULT AG, Wirtschaftswissenschaftlerin Sophia Keil von der Hochschule, Zittaus OB Thomas Zenker, Erziehungswissenschaftlerin © Foto: Hochschule Zittau/Görlitz

Und wieso denken Sie, dass es Ihnen jetzt mit dem Projekt besser gelingen kann?

Scholz: Zum einen besteht unser Bündnis aus Menschen, die ergebnisorientiert arbeiten: Unternehmer wie Stefan Jakschik von der ULT AG in Löbau, aber auch auch Dezernentin Heike Zettwitz beim Landkreis oder die Kollegen von der Hochschule mit dem Prorektor Forschung, Professor Tobias Zschunke oder Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker stehen dafür. Zum anderen werden wir nicht nur ein großes Netz spannen, sondern uns bald auch eine gute Struktur geben und einen Verein gründen.

Einen Verein gründen? Das klingt jetzt nicht nach Innovation ...

Scholz: Es klingt vielleicht nicht so, aber ein Verein hat Vorteile: Er ist beim Fördermittelgeber weitaus angesehener als ein loses Bündnis und im Verein gibt es auch deutlich mehr Verantwortung für- und untereinander. Ich sehe es so: Unser Verein wird ein Schnellboot für die Hochschule, er ist flexibler, schneller und wendiger. Er verbindet die Kompetenzen der Hochschule und die Geschwindigkeit eines Wirtschaftsunternehmens, gerade auch bei Entscheidungen.

Wo stehen Sie jetzt?

Scholz: Durchaus noch am Anfang. Bislang gibt es ein Strategiepapier, das nun konkreter werden soll. Wir formieren nun unser Bündnis weiter, flechten ein Netzwerk - auch über die Grenzen zu den Nachbarn in Polen und Tschechien. Zudem wird es einen unabhängigen Beirat geben, der dann bestimmt, ob die Projekte, die Geld erhalten wollen, zur Idee passen.

Aber für die normalen Menschen bleiben Sie unsichtbar?

Scholz: Das ist immer ein Problem bei Netzwerken, sie sind eigentlich nicht sichtbar. Aber wir wollen mit in die Mandauhöfe ziehen, wo bereits das Co-Creation-Lab, ebenfalls ein Projekt für Innovationen, sich hoffentlich noch dieses Jahr einrichten wird. Dort vor Ort will unser Verein beispielsweise auch einen 3-D-Drucker anschaffen, der für viele nutzbar sein wird: für Unternehmen, Studium und Weiterbildung.

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