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Hofewiese schon weg?

Dresden hat das Ausschreibungsverfahren für den Landgasthof abgeschlossen. Mehr als 20 Interessenten sind im Rennen.

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© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Türen sind demoliert, Fenster zerschlagen, das Inventar fehlt völlig. Der Traditionsgasthof Hofewiese in der Dresdner Heide ist in einem erbärmlichen Zustand. Dennoch ist die Immobilie begehrt. Mehr als 20 Interessenten wollen sie kaufen und legten auch schon Ideen für die künftige Nutzung vor. Das sagte der Langebrücker Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU). Denn überraschenderweise ist das Ausschreibungsverfahren für die Hofewiese bereits seit wenigen Tagen abgeschlossen. Angebote werden jetzt keine mehr angenommen, teilt Anke Hoffmann von der Dresdner Stadtverwaltung mit.

Was die Bieter aus der Hofewiese machen wollen, darüber schweigt sich Dresden allerdings aus. „Die Unterlagen werden jetzt durchgesehen. Dann entscheidet die Stadtverwaltung, mit wem Verhandlungen aufgenommen werden“, erklärt Anke Hoffmann. – Nach den Ausschreibungsunterlagen waren die Anforderungen für einen Kauf hoch. Die Interessenten mussten sich verpflichten, die Gebäude innerhalb von drei Jahren zu sanieren. Sie hatten nachzuweisen, dass sie die Arbeiten auch finanzieren können. In der Ausschreibung wies die Stadt auch auf den schlechten Zustand hin. „Zur Verkehrs- und Standsicherheit können keine Angaben gemacht werden. In den Kellern steht Grundwasser, jegliche Haftung und Gewährleistung wird ausgeschlossen“, heißt es in den Unterlagen.

Auflagen des Denkmalschutzes und der Stadtentwässerung müssen berücksichtigt werden. Eine weitere Bebauung des Grundstückes ist nicht möglich. Im Gegenzug hat die Stadt keinen Kaufpreis festgelegt. „Entscheidend ist das Konzept, der Preis ist zweitrangig“, sagt Christian Hartmann. So kann es sein, dass die Hofewiese für einen symbolischen Euro den Besitzer wechselt. Der Käufer erhält dann jedoch eine Immobilie in Top-Lage, mitten in der Heide.

Das Grundstück Hofewiese ist knapp 10  000 Quadratmeter groß, das Hauptgebäude hat eine Wohnfläche von rund 650 Quadratmetern, das Nebengebäude eine Fläche von rund 220 Quadratmetern. Noch ist völlig offen, was mit dem ehemaligen Landgasthof geschieht. Viele Dresdner wünschen sich wieder eine Ausflugsgaststätte. Denn das war die Hofewiese seit 1877. Damals erhielt sie das Schankrecht. Erst im Jahre 2000 wurde die Gaststätte geschlossen. Grund war der schlechte Zustand des Hauses.

Genutzt werden könnte die Hofewiese auch als Wohngebäude. Es gibt eine asphaltierte Zufahrt von Langebrück aus. In beiden Fällen sind jedoch enorme Investitionen notwendig, unter anderem für die Abwasseranlage sowie Strom und Gasleitung. Der Langebrücker Ortschaftsrat hatte in seiner Stellungnahme keine Auflagen für einen Verkauf gemacht. Der Erhalt des historisch bedeutenden Gebäudeensembles steht an erster Stelle, heißt es. „Wenn künftig wieder eine Gaststätte in der Hofewiese öffnen sollte, würde uns das freuen. Wir schreiben es den Investoren jedoch nicht vor“, sagte Hartmann. Wichtig war den Langebrückern auch die Sanierungsverpflichtung. So kann vermieden werden, dass die Hofewiese zum Spekulationsobjekt verkommt. Ein Vorschlag, das Areal nach dem Verkauf für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten, wurde bei der Abstimmung abgelehnt.

Ein erster Verkauf scheiterte bereits. 2006 ging das Objekt an Georg Kirchberger. Der sanierte es jedoch nicht wie vereinbart. Nach einem Gerichtsurteil wurde es im März 2013 geräumt. Die damaligen Mieter vom Verein Erster Sachsenbund zu Dresden mussten raus. Mit dem ehemaligen Landgasthof erwirbt der neue Eigentümer auch ein Stück Stadtgeschichte. Die Historie der Hofewiese reicht mehr als 400 Jahre zurück. Sie wurde 1547 erstmals urkundlich erwähnt. 1804 kaufte der sächsische Kabinettsminister Graf Camillo Marcolini das Areal und ließ ein Haus darauf errichten. 1828 übernahm König Anton von Sachsen das Anwesen. Es wurde zeitweise zur Fohlenzucht sowie als Futterstelle der königlichen Marstallpferde genutzt.