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Hoffen auf den Damm

Vor einem Jahr hat die Elbe den Radebeuler Ortsteil Fürstenhain geflutet. Mit großem Schaden bei Familie Putscher.

Von Ines Scholze-Luft

Sonne satt in der Fürstenhainer Straße. Vögel zwitschern um die Wette. Blumen blühen in den Gärten. Ruhe und Frieden rundum.

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Alles muss raus. Auch das Regal, das Matthias Putscher gerade wegräumt (gr. Bild). Das Haus (r., kl. Bild) ist feucht, wird ab nächste Woche trockengelegt. Die Möbel werden inzwischen in anderen Räumen auf dem Grundstück untergebracht. Matthias Putscher z
Alles muss raus. Auch das Regal, das Matthias Putscher gerade wegräumt (gr. Bild). Das Haus (r., kl. Bild) ist feucht, wird ab nächste Woche trockengelegt. Die Möbel werden inzwischen in anderen Räumen auf dem Grundstück untergebracht. Matthias Putscher z © Arvid Müller
© Arvid Müller

Ganz anders am Abend des 4. Juni 2013. Da herrscht hier das blanke Entsetzen. Sind viele auf der Flucht vor der Elbe. Denn er ist doch gebrochen, der provisorische Damm am Auenweg, auf den alle so sehr vertraut hatten.

Auch Familie Putscher muss blitzschnell ihr Haus verlassen, per Schlauchboot. Von der Straße und vom Garten kommt die Elbe in ihren kleinen Dreiseithof. „Hier stand das Wasser“, sagt Matthias Putscher und zeigt wenige Zentimeter vors Wohnhaus. Nicht ganz erwischt, noch mal gutgegangen, denken alle. Putschers können schnell wieder zurück. Nur nicht lange. Das zurückgehende Grundwasser hat einen Teil des Fundaments unterspült. Was dem gesamten Gebäude zum Verhängnis werden könnte. Bauingenieur Volker Stoll vom Radebeuler Tragwerkplanungsbüro Jäger Ingenieure GmbH kommt zu Hilfe. Der Keller wird mit Beton gesichert, das Haus gerettet. Vorerst.

Denn sich hier auf Dauer gemütlich niederlassen, das können Putschers nicht. Im vergangenen Herbst zeigt sich, dass das Wasser immer noch da ist. Spuren von Feuchtigkeit steigen aus dem Fundament. Überall. In der Fußbodenheizung haben sich Bakterien gesammelt. Auch hier ist Ingenieur Stoll zur Stelle, berät die Geschädigten. Die Dämmung muss raus, der Fußboden sowieso. Die Wände sollen trocknen. Dafür erhalten sie eine Sperre, damit nicht immer wieder Wasser nachsteigt.

Keine einfache Sache. Noch weiß niemand genau, welches Fundament die Bauleute erwartet. Granit, Ziegel, Sandstein? Oder eine Mischung? Matthias Putscher: Die Erbauer waren arme Leute, sie haben einfach alles genommen, was sich fand. Die Steinart bestimmt über die Sperre. Ob aufgesägt wird. Oder verpresst, das heißt, eine Chemikalie in den Stein gedrückt.

Noch steht nicht genau fest, wie lange die Familie ausziehen und im Übergangsdomizil auf der anderen Seite des Hofes bleiben muss. Dieses Gebäude sollte eigentlich als Nächstes renoviert werden. Seit dem Kauf des Grundstücks vor zehn Jahren hatten sich Putschers um die Sanierung des nun feuchten Wohnhauses bemüht, waren 2008 fast fertig. Jetzt beginnen sie nahezu von vorn. Denn beim Trockenlegen wird es nicht bleiben, bis alles wieder wohnlich hergerichtet ist.

Darüber will Matthias Putscher derzeit nicht nachdenken. Im Augenblick wird erst einmal ausgeräumt, damit den Handwerkern nichts im Weg steht. Nächste Woche ist Baustart. „Das hätte auch eher sein können.“ Obwohl er sich sonst nicht beklagen will, doch das eher langsame Bereitstellen der Fördermittel durch die SAB lässt ihn hadern. Zwar akzeptiert er, dass jeder Fall gründlich geprüft werden muss. Vor allem nach den Betrugsversuchen von 2002. Aber wäre das Geld eher gekommen, hätte der Bau eher starten und schon der Winter genutzt werden können zum Austrocknen des Gebäudes.

Eine ansehnliche fünfstellige Summe stecken Putschers nun noch mal in das Haus, 80 Prozent davon gefördert. „Wir wollen so günstig wie möglich bauen“, sagt der Hausherr. Er wird darauf achten, dass alte Bausubstanz gerettet und wieder hergestellt wird. Dass nicht nur der Fußboden dicht und damit hochwassersicher wird. Denn Angst, dass das Wasser wiederkommt, haben Putschers schon. Angst davor, dass die Probleme von vorn losgehen. Nicht alles lässt sich schützen. Die Küche kann eben nicht mal einfach so nach oben getragen werden.

Deshalb hofft die Familie, dass der Fürstenhainer Damm gebaut wird. „Natürlich habe ich die Petition an den Landtag mit unterzeichnet“, sagt Matthias Putscher. Darin setzen sich Bewohner und Unterstützer des Ortsteils für einen unverzüglichen Baubeginn ein. Denkmalschutz und Kirche haben allerdings so ihre Probleme mit den Bauplänen. Weshalb der Landtag um Unterstützung gebeten wurde, damit sich das Dammprojekt nicht weiter verzögert.

Sonst würden sie wieder bei jedem starken Regen auf den Pegel schauen – immer in der Furcht vor einer ungebremsten Elbe. Dass sie jetzt noch mal etwa ein Vierteljahr ins Ausweichquartier müssen, ist für Putschers nicht das größte Problem. Weil sie hoffen, dass das nie wieder nötig ist.