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Lausitz-Festival hofft auf den Durchbruch

Der Auftakt ist vorbei. Wie es weitergeht, soll bis Mai feststehen. Noch drei Millionen Euro stehen 2019 bereit.

Der Intendant der Hamburger Symphoniker, Daniel Kühnel, will im Mai sagen, wie es mit dem Lausitz-Festival weitergeht.
Der Intendant der Hamburger Symphoniker, Daniel Kühnel, will im Mai sagen, wie es mit dem Lausitz-Festival weitergeht. © Juliane Zachmann

Schon vor dem Schlusskonzert des Lausitz-Festivals in Cunewalde waren sich die Veranstalter über den geglückten Start sicher. Der Görlitzer Rathaus-Sprecher Wulf Stibenz, stark in die PR-Arbeit des Festivals eingebunden, sprach von einem „Erfolg“ und einem „professionell organisierten Festival-Auftakt“ und von einer „großartigen Chance“ für die Region. 

Und der städtische Kulturservice, Organisator des Festivals, erklärte gegenüber der SZ: „Die Konzerte der letzten Tage waren ein voller Erfolg.“ Zumindest endeten die fünf Tage mit Konzerten in Hoyerswerda, Görlitz, Zittau und Cunewalde mit einem versöhnlichen Abschluss in der Dorfkirche Cunewalde. Rund 800 Zuhörer kamen hier zusammen, um die Hamburger Symphoniker unter Sylvain Cambreling die siebte Sinfonie von Bruckner interpretieren zu hören. Um Platz für das Orchester zu schaffen, standen weniger als die sonst möglichen 2 300 Sitzplätze in der größten Dorfkirche des Landes zur Verfügung. Trotzdem gleicht die Resonanz und die begeisterte Aufnahme des Konzerts durch die Besucher den unterdurchschnittlichen Zuspruch vor allem der Konzerte in Görlitz und Hoyerswerda am Ende aus, wo sich jeweils nur 100 Gäste einfanden. Alles in allem zählte der städtische Kulturservice 1 400 Gäste.

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Ob die fünf Tage wirklich den Durchbruch für das Lausitz-Festival brachten, das so künftig gar nicht mehr heißen will und über dessen weitere Pläne nicht viel bekannt ist, muss allerdings erst die Zukunft weisen. Darum ging es vor allem bei der Ideenkonferenz in Hoyerswerda. Dort schlug der Festivalleitung um den Intendanten der Hamburger Symphoniker, Daniel Kühnel einerseits das gesammelte Unverständnis über die bisherige Organisation entgegen. Andererseits aber gab es auch Angebote zur Kooperation. Im Mai will Kühnel auf einer Pressekonferenz erklären, welche Lehren er aus der Ideenkonferenz gezogen hat und wie es mit dem Lausitz-Festival weitergehen soll.

Bislang, so erklärte Kühnel in Hoyerswerda, stehe nicht fest, ob, wann und mit welchem Programm das Lausitz-Festival fortgeführt wird. Ob das wirklich so stimmt, darf man durchaus bezweifeln. In der Bilanz-Pressemitteilung heißt es, Kühnel habe seit einem Jahr an dem Festival gearbeitet. Bekannt geworden ist davon bis vor wenigen Tagen nichts. Noch im Spätsommer vergangenen Jahres und zu Beginn dieses Jahres konnten alle einschlägigen Organisationen wie die Bundeskulturministerin, das sächsische Wissenschaftsministerium und die sächsische Kulturstiftung nichts der SZ über Inhalte und Anliegen des Festivals mitteilen.

Am Geld aber dürfte es nicht scheitern, der Bundeshaushalt sieht vier Millionen Euro für das Lausitz-Festival vor. Die ersten fünf Tage haben nach Angaben des Kulturservices rund 760 000 Euro gekostet: 410 000 Euro erhielten die Künstler, 98 000 Euro kosteten „strukturelle Maßnahmen, Gesamtkoordination und das Controlling“, und 250 000 Euro flossen bislang in Technik und Werbung. Ursprünglich planten die Festival-Organisatoren mit noch mehr. Für die ersten fünf Konzerte sowie den Zeitraum bis Juni dieses Jahres sah der Finanzplan des Kulturservices vom 19. Februar Ausgaben in Höhe von 1,275 Millionen Euro vor, darunter 60 000 Euro allein für den Festivalleiter Daniel Kühnel, 202 000 Euro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und 216 000 Euro für Reisekosten und Übernachtung der Künstler. 

Dann aber teilte der Bund im März mit, dass nur knapp ein Viertel der vier Millionen Euro für den Auftakt des Festivals genehmigt werden, sodass die Ansätze von Mitte Februar zusammengestrichen werden mussten. Wie nervös der Kulturservice bei diesem Thema reagiert, zeigen die Antworten auf Fragen der SZ, der der ursprüngliche Finanzplan vorliegt und der im Umfeld der Ideenkonferenz in Hoyerswerda von Teilnehmern einzusehen war. Statt die tatsächlichen, also reduzierten Summen zu nennen, dementierte der Kulturservice alle seine Zahlen von Mitte Februar und erklärte nach Rücksprache mit seiner Anwaltskanzlei: „Gegen die Weiterverbreitung und Weitergabe falscher Finanzansätze werden wir rechtlich vorgehen.“

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Erst mit der Bilanz-Pressemitteilung veröffentlichte die städtische Tochtergesellschaft dann doch noch Angaben zu den Ausgaben. Nun, so heißt es von den Veranstaltern, stehen für dieses Jahr noch mehr als drei der vom Bund bereitgestellten vier Millionen Euro für die Fortsetzung zur Verfügung. Das ist enorm viel Geld. Davon können regionale Feste nur träumen. Beispielsweise die Hoyerswerdaer Musikfeste, die an diesem Sonntag den Reigen der Kulturfestivals in der Oberlausitz fortsetzen.

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