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Hoffen auf Post aus Amerika

Vor 16 Jahren warf ein Mann eine Flaschenpost in die Elbe. Jetzt bekam er Antwort. Sehr weit kam die Flasche nicht.

Von Jürgen Müller

Es ist der 7. Dezember 1997, als der damals achtjährige Patrick Naumann mit seiner Schwester Constanze auf der Elbbrücke in Riesa steht und zwei Weinflaschen in die Elbe wirft. Es ist Flaschenpost, jeweils mit einem Zettel versehen. Das Einzige, was draufsteht, ist die damalige Adresse der beiden: Constanze und Patrick Naumann, Riesa, Drosselweg 7. „Meine Oma hatte die Zettel auf ihrer Erika-Reiseschreibmaschine getippt“, erinnert sich der 25-Jährige, der heute im Landratsamt Meißen arbeitet.

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Die beiden Kinder träumen davon, dass die Flaschen bis nach Hamburg gelangen und von dort vielleicht über den Atlantik schippern. Irgendwann, so glauben sie, bekämen sie vielleicht Antwort aus Amerika. Doch es kommt nichts.

Patrick Naumann ist längst erwachsen, er wohnt heute in Lommatzsch. An die Flaschenpost verschwendet er schon längst keine Gedanken mehr. Umso größer ist sein Erstaunen, als er am 19. Oktober vorigen Jahres über Facebook eine Nachricht erhielt. „Lieber Patrick, mein Papa fand heute an der Elbe eine Flaschenpost aus Riesa aus dem Jahr 1997. Könnte die von Dir sein? Herzliche Grüße, Anja & Familie“, heißt es da.

Patrick Naumann nimmt mit der Schreiberin Anja Thörmer Kontakt auf. Sehr weit ist die Flasche nicht gekommen, doch das stört ihn nicht. Gefunden wurde sie in Dessau, hat also in 16 Jahren rund 130 Kilometer zurückgelegt, dabei auch zwei Jahrhundertfluten überstanden.

Die älteste Flaschenpost der Welt ist das noch lange nicht. Die stammt aus dem Jahre 1913. Ein Fischer zog sie dann Anfang März dieses Jahres in der Kieler Förde aus dem Wasser. Das Guinnessbuch der Rekorde führt bisher als älteste Flaschenpost eine Mitteilung aus dem Jahr 1914.

Der Fund ist derzeit im Internationalen Maritim Museum in Hamburg ausgestellt und noch bis Anfang Mai in der Schatzkammer zu sehen. Danach sollen Experten die letzten Worte auf der Karte entziffern und klären, wie das Papier erhalten werden kann.

Patrick Naumann hingegen fängt wieder an zu träumen. Er hatte ja noch eine zweite Flasche in die Elbe geworfen, die bis heute nicht gefunden wurde. Wer weiß, vielleicht bekommt er ja doch noch irgendwann Post aus Amerika.