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Hoffen, dass der Wolf nicht kommt

Der Elbetierpark Hebelei bekommt keine Fördermittel für den Bau eines Schutzzaunes. Der Betreiber hat eine andere Idee.

Dass ein Wolf im Elbetierpark Hebelei Tiere reißt, fürchtet Betreiber Sven Näther. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Wolf im nahegelegenen Wölkisch ein Schaf gerissen.
Dass ein Wolf im Elbetierpark Hebelei Tiere reißt, fürchtet Betreiber Sven Näther. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Wolf im nahegelegenen Wölkisch ein Schaf gerissen. © Jürgen Müller

Diera-Zehren. Der Schafsriss in Wölkisch in der Nähe des Tierparkes Hebelei hat auch dessen Betreiber Sven Näther aufgeschreckt. Er will jetzt um den Tierpark einen Wolfsschutzzaun errichten. Für solche Zäune gibt es Fördermittel, die hat er auch beantragt. 

Am Mittwoch kam der Bescheid des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Die ernüchternde Mitteilung: Der Tierpark erhält keine Fördermittel für den Bau eines solchen Zaunes. „Leider konnten wir auch nach nochmaliger Prüfung des Anliegens keinen positiven Bescheid hinsichtlich einer möglichen Förderung im Rahmen des präventiven Herdenschutzes nach der Förderrichtlinie Natürliches Erbe geben“, so Pressesprecherin Karin Bernhardt auf Nachfrage der SZ. 

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Der Freistaat Sachsen fördere Präventionsmaßnahmen, die dem Schutz von Schafen und Ziegen sowie Wild in Gattern dienen. Dies gelte sowohl für Hobbyhalter als auch für Tierhalter im landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb und umfasse den gesamten Freistaat Sachsen. Die Förderung solle dabei den Hauptkonflikt zwischen der Nutztierhaltung im Freiland auf einer Weide und der Anwesenheit des Wolfs minimieren sowie eine entsprechende Weidesicherheit herstellen. 

„Herr Näther betreibt seine Einrichtung als Tierpark. Dieser unterliegt hinsichtlich der Ein- und Ausbruchssicherheit von Wild- und Nutztieren anderen Rahmenbedingungen als die landwirtschaftliche oder hobbymäßig betriebene Weidetierhaltung, sowohl hinsichtlich rechtlicher, versicherungstechnischer als auch baulicher Art. Aus diesem Grund sind die Absicherung einzelner Schafs- oder Ziegengehege im Tierpark oder die Absicherung des gesamten Tierparks als Präventionsmaßnahme gegenüber Wölfen nicht Bestandteil der Förderrichtlinie“, erläutert Karin Bernhardt. Sollte Näther Schafe und Ziegen außerhalb des Tierparks auf einer Weide halten, so bestehe die Möglichkeit, für diese Tiere eine Förderung zu beantragen.

Förderfähig seien für den Herdenschutz mobile Elektrozäune, Breitbandlitzen – also ein sogenanntes „Flatterband“ – als Übersprungschutz, Herdenschutzhunde sowie ein Unterwühlschutz bei Wildgattern inklusive der Installationsarbeiten.

Für Sven Näther kommt die Ablehnung, auch wenn er sie nicht nachvollziehen kann, nicht überraschend. Er hat sich bereits am Wochenende im Naturschutzzentrum Wittenberg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) erkundigt. Dort wurde der Prototyp eines Wolfsschutzzaunes aufgestellt, und zwar kostenlos von einem Verein, der deutschlandweit aktiv ist. Dieser Verein würde einen solchen Zaun auch in der Hebelei aufstellen. 

Allerdings: Das Material müsse Näther selbst bezahlen. Die Kosten dürften im fünfstelligen Bereich liegen, immerhin müsste der Elektrozaun ungefähr einen Kilometer lang sein. In diesen Tagen erwartet der Tierparkchef ein Angebot einer Firma. Doch wie er den Zaun bezahlen soll, ist völlig unklar. „Der Tierpark steckt schon lange in finanziellen Schwierigkeiten. Die Kosten für Futter und Tierarzt haben natürlich höchste Priorität“, sagt er. 

Auch ein anderes Problem drückt ihn. Bis Ende März müssen noch rund 500 Euro Stromkosten gezahlt werden, ansonsten droht die Abschaltung. Die wäre schon längst fällig gewesen, wenn er nicht zwei anonyme Großspenden in Höhe von 1.000 und 3.000 Euro erhalten hätte. Es war sozusagen Rettung in letzter Minute. Ein Wolfsschutzzaun aus eigenen Mitteln ist daher illusorisch. „Wir können nur hoffen, dass der Wolf nicht zu uns kommt“, sagt er.

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