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Hoffnung für 250 junge Leute

Der Verein Lausitz Matrix erhält 390 000 Euro für sein neues Ausbildungsprojekt. Davon sollen 100 Firmen profitieren.

Von Ingo Kramer

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Die Klagen der Handwerksmeister reißen nicht ab. Darüber, dass sich kaum noch jemand um eine Lehrstelle bewirbt. Und falls doch, dass er entweder katastrophale Schulnoten hat. Oder, dass er zwar gut ist, aber am Ende in mehreren Firmen überzeugt, gleich drei Ausbildungsverträge unterschreibt und zwei davon so kurzfristig sausen lässt, dass die Firmenchefs keinen Ersatz mehr finden und die zwei Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Um gegenzusteuern, gibt es jetzt im Landkreis Görlitz das neue Ausbildungsnetzwerk „Talenteschmiede plus“, für das der Görlitzer Verein Lausitz Matrix gestern einen Scheck über 390 000 Euro entgegennehmen konnte. Staatssekretär Thomas Rachel aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung war eigens für diesen Termin nach Görlitz gereist. Unter 271 Projektanträgen aus ganz Deutschland wurden nur 51 für eine Förderung ausgewählt.

„Talenteschmiede plus“ läuft über drei Jahre – bis Ende 2017 – und verfolgt zwei Ziele. Zum einen sollen sogenannte „Jugendliche mit Unterstützungsbedarf“ in eine Ausbildung gebracht werden. In den drei Jahren will der Verein 250 Ausbildungsverhältnisse initiieren. Auf der anderen Seite sollen Firmen, und da wiederum vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die für sie passenden Lehrlinge vermittelt bekommen – solche, denen der jeweilige Beruf liegt und die die Ausbildung tatsächlich auch abschließen. „Damit das gelingt, wollen wir ein Netzwerk mit 100 Unternehmen, 25 Kommunen und dem Landkreis Görlitz aufbauen“, erklärte Geschäftsführer Mike Altmann gestern bei der Projektvorstellung. Die 390 000 Euro Fördermittel für Personal- und Fahrtkosten reichen, um fünf Leute zu beschäftigen. Altmann spricht von knapp vier Vollzeitstellen. Zusätzlich muss sein Verein fast 60 000 Euro Eigenmittel aufbringen – vor allem für Mieten und Sachkosten. Dieses Geld will Lausitz Matrix in anderen Projekten erwirtschaften.

Konkret sieht es so aus, dass Jugendliche, die zwar einen Schulabschluss, aber keinen Plan fürs Leben haben, auf verschiedenen Wegen von der „Talenteschmiede plus“ erfahren können – über Jobcenter und Agentur für Arbeit genauso wie im Internet über Facebook und Twitter. Der Mitarbeiter im Jobcenter stellt beispielsweise den direkten Kontakt her und organisiert einen Termin bei Lausitz Matrix. Dort schauen erfahrene Berater wie Berit Hornke, woran der Jugendliche Spaß hat, was seine Interessen sind. „Im Gespräch merkt man auch recht schnell, ob er eher ruhig oder temperamentvoll ist“, sagt die junge Frau. Bis zum Beginn des Ausbildungsjahres kann sie den Jugendlichen ein Langzeitpraktikum von sechs bis zwölf Monaten vermitteln, das bei dem Projekt „Einstiegsqualifikation“ heißt. „Wenn dort alles gut geht, ist eine Ausbildung im nächsten Jahr der optimale Schritt“, erklärt sie.

Von den 250 Ausbildungsverhältnissen sollen mindestens 100 durch „Jugendliche mit Unterstützungsbedarf“ besetzt werden. Sie sollen im Laufe ihrer gesamten Ausbildung intensiv durch das Projekt begleitet werden. Nicht nur, wenn ein Ausbildungsabbruch droht, sondern ganz generell sei es wichtig, die jungen Leute zu unterstützen, sie zu lotsen, Hilferufe entgegenzunehmen und darauf zu reagieren. Lausitz Matrix hat Erfahrung mit solchen Projekten. In die ersten „Talenteschmiede“, von Januar 2007 bis Juni 2010, flossen insgesamt gut 500 000 Euro, in die „Görlitzer Ausbildungsagentur Passgenau“.

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