merken
PLUS

Görlitz

Hoffnung für das Bäckerhandwerk

Bäcker und Fleischereien im Landkreis Görlitz klagt über ausbleibenden Nachwuchs. Warum es auch Anlass zum Optimismus gibt.

Uwe Kopke ist jetzt Inhaber der Landbäckerei Gerber in Förstgen. In den 1980er Jahren hat er hier gelernt.
Uwe Kopke ist jetzt Inhaber der Landbäckerei Gerber in Förstgen. In den 1980er Jahren hat er hier gelernt. © André Schulze

Uwe Kopke kann sich noch gut an seine Lehrzeit Mitte der 1980er Jahre erinnern: „In der Görlitzer Berufsschule waren wir zwei große Bäckerklassen. Mein Ausbildungsbetrieb war die Landbäckerei Gerber in Förstgen, und dort bin ich noch heute beschäftigt“, erzählt der 50-Jährige. Gut drei Jahrzehnte später ist der einstige Bäckerlehrling Geschäftsführer dieser Bäckerei. Übernommen hat er die Geschäfte vor drei Jahren von seinem einstigen Lehrmeister und Chef Claus Gerber.

Als Bäckermeister kann Uwe Kopke selbst ausbilden. Aber das gestaltet sich schwierig. „Man investiert Zeit, Geld und manchmal auch Nerven in die jungen Leute – und dann hauen sie einfach in den Sack“, berichtet er. Konkret geht es um seinen aktuellen Bäckerlehrling. Die junge Frau hat im Dezember ihre Lehre gekündigt, „In einem halben Jahr hätte sie ihren Abschluss machen können und einen Beruf gehabt.“ Zudem sollte sie das Personal verstärken, ein Arbeitsplatz war ihr also sicher. „Nun suchen wir für das neue Ausbildungsjahr wieder einen Lehrling für unsere Bäckerei“, sagt Kopke. Auch mit dem vorhergehenden Lehrling hatte Kopke nicht viel Glück: Die Lehre beendet – und fortgezogen war er.

Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Ausbleibender Nachwuchs hat landesweit Folgen. In Sachsen hat innerhalb von zehn Jahren ein Viertel der handwerklichen Bäckereien und Fleischereien geschlossen. Das belegen jüngste Zahlen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Zwar stieg die Zahl der Konditoreien von 167 im Jahr 2008 auf 188 im Jahr 2011, ging danach aber wieder zurück - 2018 gab es 172 Konditoreien. Die Zahl der Bäckereien und Fleischereien ging auch 2018 weiter zurück. 2018 gab es knapp 1 000 Bäcker (rund 22 Prozent weniger als 2008) und 650 Fleischer (etwa 23 Prozent weniger).

Manche Bäcker verzichten mittlerweile ganz auf die Ausbildung. Wie Innungsobermeister Michael Bachmann, der seine Bäckerei in Eibau betreibt. „Es finden sich keine geeigneten Bewerber. Die Jugend hat derzeit den Luxus, sich aussuchen zu können, bei wem sie lernt“, sagt der Bäckermeister. Vor drei Jahren hat bei ihm der letzte Lehrling ausgelernt. Er verstärkt das Stammpersonal von sechs Mitarbeitern.

Diese Erfahrungen machen nicht nur die Bäcker. Auch das Fleischerhandwerk kämpft um Nachwuchs. Geeignete junge Leute zu finden und sie auch in dem Beruf zu halten, sieht Uwe Uhlmann als eine Herausforderung an. Der Geschäftsführer der Fleischerinnung Nordostmittelsachsen macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam – der Überalterung. „Nicht wenige Betriebe stehen in den nächsten Jahren vor der Schließung, weil sie keiner fortführen will“, sagt Uhlmann. „Die Mehrzahl junger Menschen will heute studieren und nicht ins Handwerk gehen. Aber auch wir brauchen gut ausgebildete Führungskräfte, um Betriebe fortführen zu können“, so der Geschäftsführer.

Diese Sorge hat Fleischermeister Bert Gruske nicht. Seine Fleischerei befindet sich am Görlitzer Obermarkt. Auch wenn Gruske erst 50 ist, kann er sich sicher sein, dass die Fleischerei auch in dritter Generation die Görlitzer und ihre Gäste versorgen wird. „Meine Tochter hat ihre Berufsausbildung zum Fleischer beendet und macht jetzt ihren Meister.“ Das sagt Bert Gruske nicht ohne stolz. Schließlich hat seine Tochter schon einen Abschluss als Verkäuferin und in diesem Beruf gearbeitet.

Der Fleischermeister bildet nicht nur seine Tochter aus, sondern auch andere Lehrlinge. Einer will gegenwärtig Verkäufer werden. „Die Azubis heute sind viel anspruchsvoller als noch vor Jahren. Dem muss man als Ausbildungsbetrieb gerecht werden, in dem man kleine Anreize schafft. Wir schenken unseren Lehrlingen jeden Monat beispielsweise einen Tankgutschein“, berichtet Bert Gruske.

Solche Geschenke macht Robert Eichler nicht. Er führt jetzt den Familienbetrieb in Rothenburg. Gegenwärtig sind drei Lehrlinge bei ihm beschäftigt. Er liebt es konservativ: „Die Jugendlichen können sich bei uns bewerben und persönlich vorstellen, sodass wir einen ersten Eindruck von ihnen haben.“ Was ihm an der Ausbildung stört, ist, die Konzentration der Berufsschulen. „Bisher war die Ausbildung in Bautzen, nun müssen die Azubis in Dresden lernen. Einer meiner Lehrlinge wohnt in Pechern, ein Ortsteil von Krauschwitz. Da wird die Fahrt zur Schule eine Weltreise“, erzählt Robert Eichler.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Wir haben es selbst in der Hand

Steffen Gerhard über die Zukunft der kleinen Bäckereien im Landkreis Görlitz.

Aus Sicht der Handwerkskammer zeigt sich die Konzentration der Ausbildung vor allem in den Berufen, die nicht so nachgefragt oder angeboten werden. Bäcker und Fleischer sind in der Branche Nahrungsmittel zusammengefasst. Rund 15 Lehrlinge haben im Kreis Görlitz 2018 mit der Ausbildung begonnen. Im Vergleich: Im Elektro- und Metallgewerbe waren es gut 100 im Landkreis. Demnach lernen von den 282 neuen Lehrlingen im Landkreis nur fünf Prozent in der Nahrungsmittelbranche.

Mehr lokale Themen:

www.saechsische.de/ort/goerlitz

www.saechsische.de/ort/niesky