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Hoffnung für den Löbauer Bahnhof

Im Gebäude gab es jetzt einen Besichtigungstermin. Der zeigte unter anderem: Das Haus ist nicht so schlecht, wie gedacht.

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Von Carina Brestrich

Großer Bahnhof vor dem Löbauer Bahnhof: Allerhand Anzugträger versammelten sich jetzt vor dem zum Verkauf stehenden Gebäude. Doch nicht für eine gemeinsame Zugfahrt. Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz hatte die Deutsche Bahn um eine Besichtigung des Gebäudes gebeten. Nicht zuletzt wegen einer erneuten Bewerbung für die Landesgartenschau will auch er, dass sich bald ein Käufer für das Gebäude findet.

Eingeladen hatte Buchholz zu dem Rundgang auch Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer, Vertreter der Stadtwerke und andere mögliche Interessenten. Die SZ hat die Ergebnisse der Besichtigungstour zusammengefasst.

Startbahnhof: So ist der

Zustand des Löbauer Bahnhofs

Bröckelnder Putz, Wasserflecken und Schimmel: Dass im Bahnhofsgebäude schon seit längerer Zeit nichts passiert ist, ist den Räumen anzusehen. Im Erdgeschoss, wo früher die Mitropa und zuletzt ein Asia-Restaurant war, ist die dunkle Holzvertäfelung an den Wänden noch gut erhalten. Das Obergeschoss, in dem sich mehrere Wohnungen befanden, versprüht durch viel Blümchentapete 70er-Jahre-Charme. Auf dem Dachboden zeigen sich an undichten Stellen Schimmelflecken.

Insgesamt aber ist der Löbauer Bahnhof nicht in einem so schlechten Zustand, wie anfangs gedacht, sagt Oberbürgermeister Dietmar Buchholz. Architekt Volker Augustin bestätigt diese Einschätzung: „Der Aufwand, das Gebäude zu sanieren, wäre ein durchschnittlicher.“

Zwischenhalt: Das sagen die

Stadtwerke zu dem Gebäude

Gern hätte der Löbauer Oberbürgermeister die Löbauer Stadtwerke im Bahnhofsgebäude gesehen. Daher schaute sich zum Besichtigungstermin auch deren Geschäftsführer Andreas Berthold interessiert in den Räumen um. Bisher sitzen die Stadtwerke mit ihren knapp 50 Mitarbeitern in der Georgewitzer Straße. Doch so schick ein historisches Gebäude wie der Bahnhof gewesen wäre, am Ende der Besichtigung ist klar: „Für uns ist es zu wenig Platz“, sagt Andreas Berthold.

Blick aus dem Fenster: Was mit dem Nebengelände passieren könnte

Geht es nach OB Buchholz, so sei es günstig, auch gleich das Nachbargelände samt Gebäude, in dem sich derzeit die Eichstelle befindet, von der Bahn abzukaufen. Die Stadt kommt, wie der Oberbürgermeister betont, zwar als Käufer für die Gebäude nicht infrage. Ideen hat das Stadtoberhaupt dennoch: „Mit unserer neuen Messehalle und den dortigen Veranstaltungen werden in Zukunft auch Gäste kommen, die Übernachtungsmöglichkeiten brauchen.“ Deshalb sei es wichtig, Parkflächen zu schaffen. Dafür sei das Nebengelände ideal.

Außerdem könne er sich im Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes Hotelzimmer gut vorstellen. Die Bahn zeigt sich verhandlungsbereit: „Über einen Verkauf des Nachbargeländes können wir reden“, sagt René Pfort von der Bahn.

Fahrkartenkontrolle: Das kommt

an Kosten auf einen Käufer zu

Die Deutsche Bahn verkauft das Gebäude so, wie es steht und liegt, betont Pfort. Änderungen in und am Gebäude wird es vor einem Verkauf nicht geben. Die technischen Anlagen, die für den Bahnbetrieb nötig sind, müssen auch bei einer neuen Nutzung im Gebäude bleiben, informiert Pfort. Einen genauen Preis für das Gebäude kann die Bahn nicht nennen. Er sei Verhandlungssache.

Oberbürgermeister Buchholz schätzt, dass mindestens fünf bis sechs Millionen Euro für eine Sanierung des Bahnhofsgebäudes notwendig wären. Er sieht aber gute Chancen für Fördermittel: Das Gebäude liegt im Stadtsanierungsgebiet und sei damit förderfähig.

Zielbahnhof: So geht es

weiter mit dem Gebäude

Auch wenn die Stadt und die Stadtwerke als Käufer nicht infrage kommen, Hoffnung für das Gebäude gibt es dennoch. So war auch Immobilienmakler Wolfgang Reinecke vor Ort. Er bestätigte, im Auftrag eines Interessenten anwesend zu sein. Details über ihn und was der potenzielle Investor sich für das Gebäude vorstellt, könne er allerdings nicht nennen. Wichtig ist, dass ein Konzept möglichst in den nächsten Monaten vorliegt. Wie René Pfort betont, habe man jetzt noch in der Hand, was mit dem Gebäude passiert. Doch schon im Herbst könnte es zur Auktion freigegeben werden, bestätigt die Bahn. Dann besteht auch die Gefahr, dass – wie sich in der Vergangenheit bereits mehrmals anderswo zeigte – dubiose Investmentfirmen das Gebäude kaufen. Was dann damit passiert, ist fraglich.