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Radebeul

Hoffnung für Kleingärtner

Die Stadträte der Coswiger Bürgerliste wollen nicht, dass aus Kleingartenland Baufläche wird. Auch wegen des Klimas.

Möchte seinen Kleingarten, gelegen auf der Fläche zwischen Moritzburger Straße und Bahnlinie, gern noch lange genießen: Der Coswiger Andreas Küchenmeister (l.), hier im Gespräch mit Stadtrat Christian Buck von der Coswiger Bürgerliste, die sich für den Er
Möchte seinen Kleingarten, gelegen auf der Fläche zwischen Moritzburger Straße und Bahnlinie, gern noch lange genießen: Der Coswiger Andreas Küchenmeister (l.), hier im Gespräch mit Stadtrat Christian Buck von der Coswiger Bürgerliste, die sich für den Er © Norbert Millauer

Coswig. Haarscharf ging’s jüngst zu bei der Stadtrats-Abstimmung zur nächsten Phase des Coswiger Flächennutzungsplans (SZ berichtete). Mit einer Stimme Mehrheit wurde der Vorentwurf beschlossen, der die Kleingartenflächen zwischen Moritzburger Straße und Bahnlinie als Wohnbauland ausweist. Die Stadträte von CDU, DSU, FDP und der Oberbürgermeister stimmten zu, CBL, SPD, Linke und Grüne waren dagegen. Über die Gründe der Ablehnung durch die CBL (Coswiger Bürgerliste e.V.) sprach die SZ mit Christian Buck, 1. Vorsitzender.

Herr Buck, Sie haben sich schon zu Beginn der Diskussion über die Kleingärten für deren Erhalt ausgesprochen. Was bewegt Sie dabei besonders?

Schritt für Schritt

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Ich kenne einige der Kleingärtner, weiß, was ihnen ihr Domizil im Grünen bedeutet. Es sind vor allem soziale Gründe, die für die etwa 100 Pachtgärten auf dem Land der evangelischen Kirchgemeinde sprechen. Alle sind in gepflegtem Zustand, manche mit Sandkasten, Trampolin und Pool. Ältere Pächter nutzen die Gärten schon seit Jahrzehnten, für junge Familien mit Kindern sind sie ein Freizeitparadies. In den weit über 100 Stellungnahmen der Pächter wird immer wieder die Nähe zum Wohngebiet hervorgehoben, die besonders von den Familien geschätzt wird.

Befürworter der Umwidmung erklären, aus heutiger Sicht würde an dieser Stelle keine Kleingartenanlage angesiedelt.

Wir entgegnen: Die Situation ist historisch gewachsen. Die Flächen werden vollumfänglich sinnvoll genutzt, sind für das Leben in der Stadt notwendig und stellen nicht nur für die Pächter eine Bereicherung dar. Diese Situation soll man nicht zur Gewinnmaximierung zerstören.

Weshalb ist der Lärmschutz – oder besser der fehlende Lärmschutz – an dieser Stelle ein Hinderungsgrund für den Wohnungsbau?

In unmittelbarer Nähe befindet sich der erhöhte Bahndamm der Berliner Strecke der Deutschen Bahn. Bedenken bestehen hinsichtlich der Lärmbelastung und der damit verbundenen Eignung der Flächen als Wohngrundstücke. Geplante Lärmschutzmaßnahmen sind nicht bekannt.

Bebauung bedeutet nicht zuletzt weniger Grün. Wie sehen Sie das?

Immer offensichtlicher wird es, wie wichtig Kleingärten für das ökologische Gleichgewicht sind. Andere Städte planen „Citygärten“ in Innenstädten, besonders dort, wo hohe Versieglungsflächen bestehen. Dach- und Fassadenbegrünungen werden immer notwendiger, um dem Klimawandel Rechnung zu tragen. Innerstädtische Grünflächen sind ein wichtiger Bestandteil für das Stadtklima. Keiner kommt auf den Gedanken, die Fläche des Bürgerparks zu bebauen, um dem Grundsatz der innerstädtischen Verdichtung zu folgen. Hier scheinen viele Stadträte nicht die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Welche Probleme ergeben sich Ihrer Meinung nach noch aus der Stadtratsentscheidung zur Umwidmung der Kleingartenflächen?

Die Folgen sind völlig unklar. Ersatzgärten kann die Stadt zurzeit nicht anbieten. Die geplanten Flächen für Kleingärten im Flächennutzungsplan sind noch nicht einmal im Besitz der Stadt – Erschließung, Finanzierung: alles offen.

Und es gibt keine verbindlichen Aussagen zur Entschädigung der Pächter. Hier werden Pächtervermögen von über einer Million Euro vernichtet, etwa 100 Kleingärten im Wert von mindestens 10.000 Euro pro Garten. Begründet mit der dogmatischen Auslegung des Planungsgrundsatzes Verdichtung der Innenstadt.

Doch die Stadt braucht dringend Bauland. Was schlagen Sie da vor?

Die Umwandlung anderer brachliegender, ungenutzter Flächen, so zum Beispiel angrenzender Areale von Teilbereichen des Steinbacher Weges. Doch das wird abgelehnt, weil die Stadt nicht bereit ist, die bereits gewidmete Straße auszubauen. Das sind Flächen in bester Wohnlage, gut geschützt vor Bahnlärm durch die Aufschüttungen der ehemaligen Halde und einen breiten Waldstreifen, nahe der Straßenbahn und des Bildungszentrums West. 12 Eigentümer hatten den Antrag auf Umwidmung ihrer Grundstücke gestellt.

Aber die Stadtverwaltung will einer Ausdehnung des sogenannten Innenbereiches nicht zustimmen, führt dafür auch naturschutzrechtliche Bedenken an, bei denen man mit etwas gutem Willen Abhilfe schaffen könnte.

Der Beschluss des neuen Flächennutzungsplans steht noch aus. Zuvor muss beispielsweise die Öffentlichkeit erneut beteiligt werden. Bedeutet das, dass die Kleingärtner noch hoffen können?

So ist es. Der neue Flächennutzungsplan wird endgültig erst durch den neuen Stadtrat beschlossen. Lassen wir uns von der zukünftigen Sitzverteilung im Stadtrat überraschen. Es liegt in der Hand der Wähler.

Gespräch: Ines Scholze-Luft