SZ +
Merken

Hoffnung für Zicks Möbelhaus

Im einstigen größten Möbelimperium in Sachsen will jetzt ein Unternehmen Gewerbe und Handel ansiedeln.

Teilen
Folgen

Von Dieter Hanke

Taubenheim. Zugemauert ist noch das frühere größte Möbelhaus Sachsens von Ulrich Zick in Taubenheim. Doch das könnte sich bald ändern. Denn die große Halle mit ihren 18 000 Quadratmetern Verkaufsfläche hat einen neuen Besitzer. Die Firma I-pro aus Leipzig, ein Unternehmen der Immobilienbranche, hat den Komplex erworben. Mehrere Hunderttausend Euro wurden dafür an die E+P Immobilien-Beteiligungsgesellschaft mbH aus Köln rübergereicht, der einst diese Halle gehörte. Das Unternehmen war in den vergangenen Jahren mit der Nachnutzung des Objekts gescheitert. Doch der neue Besitzer aus Leipzig steigt in Taubenheim noch größer ein. Denn bei einer Zwangsversteigerung erwarb dieser auch andere Gebäude, die ehemals Gläubigern des Möbelriesens Zick gehörten. Das betrifft einen Flachbau, in denen früher Polstermöbel angeboten wurden, weitere Gebäudeteile des Zick-Imperiums mit Saal, Küche und Verwaltungsräumen sowie noch zwei Hallen. Insgesamt umfasst das Areal acht Hektar. „Wir wollen es mit Leben erfüllen. Uns schweben verschiedene Nutzungen vor“, sagt I-pro-Geschäftsführerin Renate Stenger.

So denken die Leipziger an Einrichtungen des Handels, an Lagermöglichkeiten, Werkstätten für Handwerker, Gaststätte, Ateliers für Künstler. „Auch eine Spielhalle mit Indoor-Freizeitaktivitäten wie einer Kletterwand könnte eine Variante sein“, sagt die 55-Jährige, die aus Hessen stammt und seit vier Jahren in Leipzig mit der Firma I-pro Gisag ansässig ist. Die Flächen in Taubenheim sollen vermietet werden, ein Weiterverkauf sei nicht vorgesehen. Doch bevor sich Interessenten in Taubenheim umschauen können, müssen noch Spuren des Vandalismus beseitigt werden. „20 Container mit Unrat kamen schon zusammen“, sagt Objektverantwortlicher Matthias Momberg. Solch eine Verwüstung wie in der großen Halle hätte er noch nie gesehen: zerschlagene Spiegel, Lampen und Fliesen, demolierte Geländer.

Projekte scheiterten

Mittlerweile sind die Aufräumarbeiten nahezu beendet. „Die ersten Interessenten für das Areal können nun kommen“, sagt Geschäftsführerin Stenger. Das Leipziger Unternehmen hat bereits Erfahrungen mit der Vermietung solch großer Komplexe. In der Messestadt ist es Besitzer der I-pro Gisag Leipzig GmbH, einem früheren Industrie-Areal. In Chemnitz gehört ihm ebenfalls ein großes Gelände mit mehreren Objekten. Dort sind zum Beispiel Handwerker, eine Restaurantkette, Handelseinrichtungen und Lager ansässig.

„Wir freuen uns, wenn endlich die Zick-Möbelhalle und weitere leer stehende Objekte in diesem Gebiet wieder eine Zukunft haben. Wir werden das Unternehmen bei der Ansiedlung von geeigneten Bewerbern unterstützen“, sagt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann (parteilos).

Die Gemeinde hofft, dass damit das Dilemma um dieses Areal vorbei ist. Denn bisher gab es in Taubenheim viel Ärger. Im August 1997 hatte hier Unternehmer Ulrich Zick das damalige größte Möbelhaus Sachsens eröffnet. Der Möbelriese ging aber 1998 pleite. Tausende Kunden hatten 13 Millionen Euro für Möbel angezahlt, diese aber nicht bekommen. Der Gesamtschaden wurde mit über 70 Millionen Euro beziffert. Bis 2004 war noch Mega-Möbel in dem Komplex, meldete dann Insolvenz an. Seitdem steht der Komplex leer. Vandalen feierten nachts in den drei Stockwerken wilde Partys. Die Kölner E+P Immobilien-Beteiligungsgesellschaft, die Anfang der 90er Jahre das Möbelhaus in Taubenheim als Immobilienfonds entwickelt hatte, hatte keinen Erfolg im Bemühen um eine Nachnutzung der großen Halle. Ein Lager für Logistiker sollte dort mal entstehen, auch eine Kartbahn war im Gespräch, ebenso Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Doch nichts klappte. Jetzt nehmen Leipziger einen neuen Anlauf.