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Radebeul

Hoflößnitz schreibt schwarze Zahlen

Das älteste noch erhaltene Weingut Sachsens ist im Stadtbesitz. Nach Geldspritzen in den letzten Jahren, wird jetzt ein Plus erwirtschaftet.

Die Anlage der Hoflößnitz im Frühjahrsschmuck.
Die Anlage der Hoflößnitz im Frühjahrsschmuck. © Arvid Müller

Radebeul. Das Radebeuler Weingut Hoflößnitz war schon parzelliert für den Bau von Villen. Doch die Mehrheit der Radebeuler Bürgerschaft wehrte sich dagegen, legte zusammen und erwarb das Gut für die Gemeinschaft. Das war 1912.

2008 gab es erneut Stimmen, die eine Privatisierung forderten. Zu teuer für die Stadt. Was soll sich Radebeul ein Weingut und Weinmuseum leisten? Das waren damals Argumente und Fragen, die auch von Stadträten vorgetragen wurden. 

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Die Mehrheit im Rat hat sich damals für eine große Kraftanstrengung entschieden – nämlich das verfallende Areal zu sanieren und mit dem Weinanbau langfristig Geld zu verdienen. Wiederholt hatten vor allem die Stadträte von Bürgerforum/Grüne und SPD in den letzten drei Jahren eine Bilanz gefordert, wie die Hoflößnitz jetzt dasteht.

Vor wenigen Tagen wurde diese von Hoflößnitz-Geschäftsführer Jörg Hahn vorgestellt.

Die Stiftung und die GmbH – eine hilft der anderen, beiden nützt es

Eigentlich hat sich die Stadt schon 1995 entschieden, die Hoflößnitz in zwei Bereiche zu gliedern – in eine Stiftung, der die Immobilien gehören und die das Museum betreibt und eine GmbH, die sich um den Weinanbau kümmern soll.

Das Problem danach war zehn Jahre lang, beide wurden nicht mit Startkapital ausgestattet. Der Weinanbau warf bei weitem nicht das ab, was zum Erhalt der Gebäude und generell zur Bewirtschaftung nötig wäre. Verfall machte sich breit.

Das änderte sich mit dem Beschluss im Stadtrat 2008. Auch wenn das Jahr 2008/09 im Weinbau ein verheerendes war – mehr als zwei Drittel der Rebstöcke waren erfroren, der Jahresertrag lediglich 5400 Liter – von da ab ging es aufwärts. 

Mit staatlichen Fördermitteln und gehörigen Zuschüssen der Stadt konnten das Hauptgebäude, Schloss Hoflößnitz saniert, die Gästehäuser als Ferienwohnungen eingerichtet und das Pressenhaus komplett erneuert und neu ausgerichtet werden.

Im Pressenhaus der Hoflößnitz ist nicht nur die meistbesuchte Nebenstelle der Tourist-Info Radebeul entstanden, sondern auch ein Schau- und Informationsraum für sämtliche Berufswinzer Sachsens.

Die Weinbergfläche wurde von rund acht Hektar auf heute 11,5 Hektar erweitert. Das Weingut setzt konsequent auf Bioweine, als einziges in Ostdeutschland, und erreicht mit der guten Arbeit von Kellermeister Felix Hößelbarth mehrfach besondere Auszeichnungen dafür.

2017 werden 53 800 Liter Wein gewonnen, 2018 waren es rund 65 000 Liter. Wozu auch Zukäufe gehören – etwa um den nach eigenen Rezepten zubereiteten Glühwein herstellen zu können.

Kellermeister Felix Hößelbarth sorgt mit seinen Kollegen für hervorragende Bioweine. 
Kellermeister Felix Hößelbarth sorgt mit seinen Kollegen für hervorragende Bioweine.  © Archiv/Norbert Millauer

Die Kammermusikreihe im Schloss etabliert sich. Stetig wachsende Besucherzahlen belegen das. 2013 waren es 11 700, 2018 jetzt 14 200. Kleine, aber feine Ausstellungen bietet Museumsleiter Frank Andert an. Geschäftsführer Hahn setzt konsequent auf eine gesamte Vermarktung des Weingutes. In der Adventszeit, zu Ostern aber auch zu bestimmten Geschichtsjubiläen finden Veranstaltungen vor allem für Familien statt.

Dies wird dankbar angenommen – von 22 000 offiziell gezählten Besuchern 2011 ist die Zahl 2018 auf 38 000 im Jahr gewachsen. Jörg Hahn: „In Wirklichkeit sind es noch weit mehr.“ Der absolute Höhepunkt war 2015 mit dem deutschlandweiten Winzerumzug, 69 000 zählte das Jahr.

Die Entwicklung zahlt sich aus – und 2019/20 wird noch zugelegt

Im vergangenen Jahr hat die Hoflößnitz ein Plus von 118 000 Euro erwirtschaftet. Ein Teil des Geldes wird genutzt, um Kredite an die Stadt zurückzuzahlen.

In die Weinberge, wo vor allem das Geld erwirtschaftet werden kann, werden die Hoflößnitz-Mitarbeiter 2019/20 viel Kraft investieren. 1,7 Hektar auf dem Krapenberg oberhalb von Zitzschewig bekommen Rebstöcke in Bio-Qualität. Dort soll künftig die Bearbeitung mit Maschinen möglich sein, was zwischen den Reben vorbereitet werden muss.

Auf dem Paulsberg wird ein Abschnitt neu kultiviert, im oberen Teil bekommen die Weinstöcke Tröpfchenbewässerung. In den Weinkeller an der Jägermühle soll in Tanks und Technik investiert werden. An die Schoppenstube ist vor wenigen Tagen der neue Ausschank als ergänzender Pavillon am Gebäude denkmalgerecht errichtet worden. Für die 90 000-Euro-Investition konnten auf der Besucherterrasse die bisherigen Buden als Provisorium abgebaut werden.

Ein Plan für das Sanieren des Kavaliershauses ist in Arbeit

Noch ausstehend in der Gesamtanlage ist die Sanierung des Kavaliershauses. In den nächsten Jahren soll das Gebäude schrittweise modernisiert werden. Derzeit ist ein Konzept für die Bewerbung um Fördergelder in Arbeit, sagt Radebeul Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos).

Die Räte bedankten sich mit Applaus bei Jörg Hahn und seinen Mitarbeitern für die gute Arbeit.