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Sebnitz

Eine Stadt mitten in der Corona-Krise

Bis vor wenigen Tagen gab es in Hohnstein keinen einzigen Corona-Fall. Das hat sich nun schlagartig geändert. Auch im Rathaus wurde einiges neu organisiert.

Die Stadt stundet Steuern für Einwohner und Gewerbetreibende zinslos.
Die Stadt stundet Steuern für Einwohner und Gewerbetreibende zinslos. © Steffen Unger

Still ist es geworden in Hohnstein. Noch stiller als sonst. "Sehr zu schaffen macht uns die Betroffenheit von Bewohnern und Mitarbeitern des Pflegeheimes in Hohnstein", sagt Bürgermeister Daniel Brade (SPD). Das Gesundheitsamt des Landkreises hatte am Mittwoch letzte Woche das komplette Heim unter Quarantäne stellen müssen. Bis Donnerstag wurden insgesamt zehn Bewohner positiv auf Corona getestet. Auch vom Personal sind sechs Mitarbeiter infiziert. Sowohl die Logistik, der Personalbedarf als auch beschränkte Ressourcen an Schutzausrüstungen hätten diese Entscheidung erzwungen, heißt es in der Begründung des Landratsamtes.

Nun rangiert Hohnstein mit 22 Infizierten hinter Freital und Pirna auf Platz drei, größtenteils sind es Bewohner und Beschäftigte. Wie hoch die Ansteckungsgefahr in solchen Einrichtungen ist, zeigen inzwischen Dutzende Beispiel in Sachsen. Hohnstein ist da kein Einzelfall. Vor allem der Mangel an entsprechender Schutzausrüstung bringt den Bürgermeister auf die Palme. "Es gibt kaum Schutzkleidung. Mit Mühe und Not habe ich meine Gemeindefeuerwehr ausstatten können. Das ist eine Schande in unserem Land. Keine Vorbereitung darauf. Keine Lagerbestände in Bund und Land. Alle Behörden bemühen sich unter den aktuellen Bedingungen diese Bekleidung zu beschaffen", schimpft er. Und das in einer Zeit, in der die Kommunen jetzt noch ganz andere Aufgaben und Sorgen zu bewältigen haben.

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So wurde in Hohnstein die Arbeit der Stadtverwaltung neu organisiert. Gearbeitet wird in zwei Teams, damit man im Falle eines infizierten Kollegen mit dem anderen Team arbeitsfähig bleibt. Die Teams wechseln sich Arbeitstag für Arbeitstag ab. "Für mich und mein Team ist diese Krise und Herausforderung eine komplett neue Erfahrung. Es ist nicht zu vergleichen mit dem Starkregen- und Hochwasserereignis 2010 sowie der Flüchtlingsunterbringung 2015", sagt er. Man müsse Abstand halten, dennoch helfen und koordinieren. Eine schwierige Situation.

Stadt stundet Steuern zinslos

Ein weiteres großes Thema sei vor allem die aktuelle Situation in den Betrieben und bei den Gewerbetreibenden. Viele Anfragen gebe es vor allem wegen wirtschaftlicher Hilfen. Die Stadt Hohnstein hat daraufhin schnell im Sinne ihrer Einwohner reagiert. Die Stadtverwaltung gewährt zinslose Stundungen auf Forderungen, die durch die Einwohner und Gewerbetreibenden aufgrund der Corona-Pandemie nicht beglichen werden können. Dazu reicht ein formloser Antrag. Darüber hinaus wurde der Elternbeitrag für die Kindertagesstätten für einen Monat erlassen und zum 1. April wurde der Lastschrifteneinzug ausgesetzt. 

"Es ist eine harte Prüfung für uns alle. Mit Zuversicht, gegenseitiger Hilfe und Vertrauen werden wir diese harte Prüfung meistern", sagt der Bürgermeister. Gestärkt werde sein Vertrauen nicht zuletzt auch von den vielen Hilfsangeboten die es gibt, die derzeit aber noch nicht in Anspruch genommen werden. Auf den Dörfern helfe man sich noch gegenseitig. Die Versorgung der Infizierten und in Quarantäne befindlichen Personen laufe über Familien und Nachbarschaften problemlos.

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