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Erstes Pflegeheim im Kreis unter Quarantäne

Warum wurde das ASB-Haus in Hohnstein nach den ersten Corona-Infizierten nicht sofort geschlossen? Auch andere Fragen bleiben weiter offen.

Das ASB-Seniorenpflegeheim in Hohnstein steht seit Mittwochabend unter Quarantäne.
Das ASB-Seniorenpflegeheim in Hohnstein steht seit Mittwochabend unter Quarantäne. © Karl-Ludwig Oberthür

Das ASB-Pflegeheim in Hohnstein steht seit Mittwochabend unter Quarantäne, möglicherweise zu spät? Denn bereits am Montag gab das Landratsamt bekannt, dass bei zehn Bewohnern und vier Mitarbeitern der Coronavirus nachgewiesen wurde. Vier Bewohner wurden daraufhin ins Krankenhaus gebracht und sechs isoliert. Der Betrieb ging dann ganz normal weiter, berichten Angehörige.Diese haben sich zunehmend Sorgen gemacht, vor allem auch wegen der allgegenwärtigen Bilder aus einem Pflegeheim im niedersächsischen Wolfsburg.

"Wir haben uns gewundert, weshalb nicht sofort das komplette Heim oder zumindest Teile davon unter Quarantäne gestellt wurden. Außerdem sollen die Mitarbeiter auch noch nach den 14 nachgewiesenen Fällen nur mit einfachen Schutzvorrichtungen ausgestattet gewesen sein", berichten Angehörige, die anonym bleiben möchten. Eine Antwort auf eine entsprechende Nachfrage an den Betreiber, den Arbeiter-Samariter-Bund, Ortsverband Neustadt blieb bis zur Stunde unbeantwortet.

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Inzwischen hat das Landratsamt gehandelt und am Mittwochabend für das gesamte Seniorenpflegeheim unverzüglich Quarantäne angeordnet. Diese werde frühestens widerrufen, wenn eine nach dem 14. April durchgeführte Beprobung negativ ausfällt, informiert das Gesundheitsamt. Das gelte sowohl für die Bewohner als auch für das Personal der Einrichtung. 

Für das Seniorenpflegeheim gilt nun, dass nur im Ausnahmefall medizinisches Personal, notfallmedizinisches oder therapeutisches Personal, Rettungsdienste und Feuerwehr Zutritt bekommen. Den gibt es auch für nahe Angehörige im Rahmen der Sterbebegleitung. Für alle im Haus gelten ab sofort zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Darüber hinaus ist die Aufnahme neuer Bewohner sowie das eventuelle Rückführen von Bewohnern aus anderen Einrichtungen oder Krankenhäusern nicht möglich.

Inzwischen hat sich Landrat Michael Geisler (CDU) zum Pflegeheim in Hohnstein geäußert. Die Einrichtung stelle momentan die größte neue Herausforderung dar. Der Versuch innerhalb des Heims einen Quarantänebereich zu errichten, habe sich als so  nicht durchführbar erwiesen. Sowohl die Logistik, der Personalbedarf als auch beschränkte Ressourcen an Schutzausrüstungen waren der Grund, das gesamte Heim unter Quarantäne zu stellen. Im Heim leben 48 Bewohner, von denen sich drei in stationärer Behandlung befinden und insgesamt zehn positiv auf Corona getestet wurden. Auch vom Personal sind sechs  Mitarbeiter infiziert. Er dankt dem Personal, dass in dieser schwierigen Situation weiter die Betreuung übernehme.

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Am Nachmittag hat sich Alexander Penther, Geschäftsführer des ASB-Ortsverbandes Neustadt, in einer Pressemitteilung dazu geäußert. Mit Bekanntwerden eines positiv getesteten Mitarbeiters letzte Woche habe man die Schutzmaßnahmen bereits angepasst. Am Sonntag habe man alle Heimbewohner und Mitarbeiter beprobt. Seit Bekanntgabe der positiven Testergebnisse am Montagnachmittag seien alle erforderlichen Maßnahmen getroffen und eine Isolierstation für die Infizierten eingerichtet worden. Die Versorgung der Bewohner sei derzeit sichergestellt, sagt Alexander Penther. Er ruft Pflegefachkräfte, insbesondere aus Rehaeinrichtungen auf, die Einrichtung in Hohnstein zu unterstützen.

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