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Holländer wollen Gestüt wiederbeleben

Noch vor wenigen Monaten war der Park ums Herrenhaus in Lehn bei Hochkirch total verwildert. „So hoch standen die Brennnesseln“, sagt Martie Hoogcarspel und hält ihre Hand in Brusthöhe. Zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern hat sie schon einige Arbeitseinsätze hinter sich.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Noch vor wenigen Monaten war der Park ums Herrenhaus in Lehn bei Hochkirch total verwildert. „So hoch standen die Brennnesseln“, sagt Martie Hoogcarspel und hält ihre Hand in Brusthöhe. Zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern hat sie schon einige Arbeitseinsätze hinter sich. Nun ist der größte Teil des Wildwuchses verschwunden und das Haus von der Straße aus wieder sichtbar. Im Laufe des nächsten Jahres möchte die Familie, die aus Holland stammt, dort einziehen. Bis dahin ist es noch ein ganzes Stück Arbeit.

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„Wir haben beide eine neue Herausforderung gesucht“, sagt Erik Jan Haccou. Die haben der frühere Marinekommandant und seine Frau, die als Finanzberaterin tätig war, auf dem ehemaligen Gestüt in Lehn gefunden. Das war zu DDR-Zeiten weithin bekannt, über 100Pferde bevölkerten damals die Ställe und Koppeln. Viele später zum Teil auch im Ausland erfolgreiche Sportpferde gingen aus der hiesigen Zucht hervor. Sogar Filmleute waren hier zu Gast, sie drehten Teile für die in den 80er Jahren beliebte Fernsehserie „Jockey Monika“.

Schon heimisch geworden

Doch das ist lange her. Nach dem Ende der DDR ging es mit dem Gestütsbetrieb bergab. Die in den 50er Jahren in Volkseigentum übergegangenen Gebäude und Flächen wurden an einen Nachfahren des ursprünglichen Besitzers zurückübertragen, doch der lebte in Wien. Schließlich wurde seit längerem ein Käufer für das weitgehend leer stehende Areal gesucht.

Seit dem Frühjahr ist das Ensemble aus Gutshaus und Ställen nun in holländischer Hand. „Wir haben schon in Ungarn Flächen gesucht“, sagt Erik Jan Haccou. Denn die Familie möchte einen Pensionsbetrieb für Pferde aufbauen. „Schuld“ ist Tochter Miranda. Nach abgeschlossener Berufsausbildung als Pferdehalterin sind die edlen Vierbeiner für sie mehr als ein Hobby. Doch in Holland finde man kaum ausreichend Flächen zu einem vertretbaren Preis, um solch einen Betrieb zu gründen, so Haccou.

Im Internet wurde die Familie auf Lehn aufmerksam. Beim ersten Besuch entschied sie sich innerhalb weniger Stunden für den Kauf. Inzwischen fühlt sie sich in der Oberlausitz schon heimisch. „Es ist wie eine warme Dusche“, beschreibt Erik Jan Haccou die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Leute ringsum. Man helfe sich gegenseitig mit Gerätschaften aus, und beim Einlagern ihrer Umzugskisten packten Nachbarn mit an.

Die Kisten stapeln sich nun im Erdgeschoss des im 18.Jahrhundert erbauten, denkmalgeschützten Herrenhauses. Wo früher die Büros der Gestütsverwaltung waren, sollen Küche und Esszimmer entstehen. Daneben die Eingangshalle mit Säulen und Gewölbe soll einmal Zugang zur Pension werden, in der Gäste Ferien machen können. „Denn 28Zimmer brauchen wir nicht für uns“, sagt Martie Hoogcarspel lachend. Zurzeit ist noch gar keins nutzbar. Trotzdem ist die Familie im Sommer hierher gezogen, wohnt jetzt in einer nahe gelegenen Ferienwohnung. Die beiden 14- und 16-jährigen Kinder gehen in Löbau zur Schule. Nur eine Tochter ist noch in Holland geblieben, um ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau abzuschließen.

Kampf gegen das Wasser

Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten beginnen, wenn Baugenehmigung und Zusage über Fördermittel vorliegen. Los geht es im Wohnhaus, die Ställe kommen später dran. Bisher wurden Löcher in Dächern und Dachrinnen repariert. „Wir kämpfen gegen das Wasser von oben“, beschreibt Haccou die dringendste Aufgabe der letzten Monate. Außerdem wurden tonnenweise Spanplatten entsorgt, kaputte Öfen abgerissen. Alte Tapeten und Gardinen versprühen noch DDR-Charme. Aber auch historisch wertvolle Teile wie Türen und Fenster mit innenliegenden Fensterläden existieren noch und sollen restauriert werden. Und mit viel Fantasie malen sich die neuen Besitzer schon aus, in welchem Farbton sie die Fassade streichen werden.