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Holländisches Flair am Albertplatz

Für den Kaffee nach einer Vorstellung im Albert-Theater hatte der Dresdner einen Lieblingsort: Das Albert-Café.

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Von Andreas Them

Ein im Familienbesitz befindliches altes Kaffeekännchen mit der Prägung „Albert-Kaffee“ war der Anstoß zur Recherche über die Geschichte des Kaffeehauses. Ein Glücksumstand brachte den Kontakt zu dem 88-jährigen Peter Kocaré in Holland. Seine Eltern bewirtschafteten in den 1920er-Jahren das „Albert-Café“.

Am 6.Januar1904 wird im „Dresdner Beobachter“ die Neueröffnung vom „Albert-Café“ angekündigt. Dem Zeittrend entsprechend, konnte der Gast hier in ausgelegten Zeitungen lesen oder in einem Extraraum Billard spielen. Ein Privileg dieser gastlichen Stätte war, wie Anzeigen verrieten, dass im Albert-Café neben Kaffee-, Eis- und Kuchenspezialitäten auch „div. edle Biersorten“ angeboten werden durften. Der zentrale Standort am Albertplatz, dem belebten Eingang zur Äußeren Neustadt, und die Nähe zum Albert-Theater sorgten für gute Geschäfte. Im Ersten Weltkrieg erfolgte eine Umbenennung in „Albert-Kaffee“, da die französische Schreibweise nicht mehr erwünscht war. Als im Jahre 1922 der Vater von Peter Kocaré, ein Holländer, die Lokalität übernahm, wurde es wieder zum „Albert-Café“.

Schnaps aus Holland

Dass die Goldenen Zwanzigerjahre wirtschaftlich von vielen Höhen und Tiefen gezeichnet waren, lässt sich auch an der Geschichte des „Albert-Cafés“ ablesen. Die ersten Jahre waren von Nachkriegswirren und Inflationszeiten gekennzeichnet. Die Einführung einer neuen Währung versprach endlich Rentabilität und Gewinn. Peter Kocaré erinnert sich: „Im Café fanden täglich Konzerte statt, oft von holländischen Musikern. In einem speziellen Prospekt war das Repertoire der Tonkünstler zu erfahren.“ Neben Kaffee und Kuchen konnte der Gast jetzt auch warme Speisen und vorzügliche Weine bekommen – und natürlich holländische Spirituosen. Berühmt waren die Eisspezialitäten der Kocarés. Der Sohn kennt noch die Sorten: „Punsch-Romaine, Albert-Bombe, Kocaré-Bombe mit Schlagsahne, Ananas und Kirschen und Orange mit Selters“. Täglich ab 10 Uhr morgens wurden die ersten Gäste begrüßt. Das Kuchenbüfett war reichlich bestückt. Schließlich wurde mit dem Slogan „erstklassiges Familien-Café mit eigener Konditorei“ in den örtlichen Tageszeitungen geworben.

Die Familie Kocaré konnte 1932 noch ihr zehnjähriges Geschäftsjubiläum feiern. Doch zunehmend bedrängten den Vater geschäftliche Sorgen. Die im Jahre 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise machte sich nun auch in dem kleinen Unternehmen bemerkbar. Obwohl täglich bis 24Uhr geöffnet, blieb zunehmend das erwartete Publikum aus. Besonders in den Abendstunden war dieser negative Trend zu beobachten. Nicht wenige Besucher des schräg gegenüberliegenden Albert-Theaters verzichteten in diesen unruhigen Zeiten auf den traditionellen Besuch im „Albert-Café“ vor und nach den Veranstaltungen. Als Erstes konnte die Hauskapelle nicht mehr bezahlt werden. Steuerschulden häuften sich, schließlich musste Konkurs angemeldet werden.

Die holländische Familie Kocarè blieb aber weiterhin in Dresden. Den Untergang des Familienunternehmens erlebte der junge Peter Kocaré hauptsächlich als Umzug aus der schönen Wohnung im Vorderhaus in das hintere Gebäude. Das Albert-Café übernahmen neue Pächter. Einige versprachen sich durch die Umgestaltung des Cafés in ein kleines Tanzlokal größeren Publikumszulauf. Mit mehr oder weniger Erfolg.

Die Kocarés waren jetzt nur noch Beobachter der weiteren Entwicklung des Cafés, auch seiner Zerstörung am 13.Februar1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ die Familie Kocaré Dresden und baute sich im Heimatland Holland eine neue Existenz auf.

Da, wo sich früher das Wohn- und Geschäftshaus mit dem Café befand, entstand in der DDR ein Plattenbau. Nach der Wende eröffnete an der Ecke Alaunstraße das „Café Kästner“, welches an alte Café-Traditionen anknüpfen wollte. Doch auch dies ist Geschichte, in die Räume zog Subway ein.