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Holpriger Bahnübergang ärgert Pulsnitzer

Die Deutsche Bahn AG lenkt jetzt ein. Im April soll an der Staatsstraße nachgebessert werden.

© R. Plaul

Von Reiner Hanke

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Ein Kipper donnert über den Bahnübergang auf der Dresdner Straße in Pulsnitz. Kurz hebt es die Räder aus. Mit Getöse krachen sie wieder auf den Asphalt. Bei Christian Soika im Schrank klirren die Gläser: „Es scheppert den ganzen Tag“, sagt der Anwohner: „Ab 4 Uhr am Morgen ist kaum noch an Schlaf zu denken.“

Im Obergeschoss fühle er manchmal sogar, wie der Dachstuhl wackle. Laster und Landwirtschaftsfahrzeuge würden besonders nerven. Genaue Zahlen kann das Landesamt für Straßenbau und Verkehr liefern. Rund 9 000 Fahrzeuge rollen auf der Staatsstraße täglich durch Pulsnitz, davon immerhin ein Drittel Schwerlastverkehr. Und das, obwohl Lkws über 7,5 Tonnen Pulsnitz eigentlich nicht passieren dürften. „Aber das Verbot wird immer wieder von Kraftfahrern ignoriert“, beobachtet Christian Soika täglich. Das sei schon immer so. Nur die Holperstelle am Bahnübergang gibt’s erst seit dem Umbau der Gleise zwischen Kamenz und Radeberg durch die Deutsche Bahn AG. Seitdem sei der Übergang eine Sprungschanze. Ohnehin fragt sich der Pulsnitzer, warum der Umbau an der Dresdner Straße nötig war. Dort entsteht ja bald der lange geplante neue Haltepunkt und hohe Geschwindigkeiten dürften in dem Bereich kaum möglich sein.

Es ist nicht der erste Bahnübergang auf der Trasse, der seit dem Gleisbau in der Kritik steht. Die Strecke wurde bis Ende 2013 für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut. Auch die Schranken- und Signaltechnik wurde modernisiert. Rund 6,5 Millionen Euro flossen laut Bahn über mehrere Jahre insgesamt in die Strecke.

Der positive Zeiteffekt, auch wenn er gemessen am Aufwand nur klein ist, brachte allerdings negative Begleiterscheinungen. Unter denen leiden jetzt Anwohner der Dresdner Straße. Er habe natürlich die Stadt informiert, sagt Christian Soika. Dort ist man mittlerweile etwas ratlos. Dieter Scheffler vom Bauamt schätzt ein: Die Stadt dränge seit fast einem Jahr darauf, dass die Bahn endlich die Mängel beseitigt. Dass Toleranz-Grenzwerte überschritten wurden, habe auch das Landesamt für Straßenbau bestätigt. Etliche E-Mails habe er geschrieben und mit der Bahn telefoniert. Immerhin habe es einige Termine vor Ort gegeben. Die seien ihm nicht entgangen, so Christian Soika. Ein großer Auflauf sei es jedes Mal gewesen. Nur gebe es keine Veränderung. Die Kritik pralle an der Deutschen Bahn AG ab. Die SZ berichtete zuletzt gegen Ende des Vorjahres über den Ärger. Und auch Anwohner, wie Christian Soika wurde nicht müde, den unhaltbaren Zustand anzuprangern.

Jetzt gibt es endlich deutliche Anzeichen, dass die Bahn einlenkt. Aus der Landesdirektion für Straßenbau und Verkehr in Dresden lässt Sprecherin Isabell Siebert wissen, dass die Bahn Veränderungen angekündigt habe. Danach soll die Staatsstraße beiderseits des Übergangs auf insgesamt 40 Metern erneuert und angepasst werden. Die Borde und Randplatten zur Bahnkreuzung wolle die Bahn ebenfalls neu verlegen. Damit sollen die Holperstellen beseitigt und sanftere Anschlüsse zum Asphalt hergestellt werden.

Die Bahn bestätigte das gegenüber der SZ. Im April sollen die Bauleute anrücken, teilte eine Konzernsprecherin mit. Dann sei nicht mehr mit Frost zu rechnen und die Bahn habe noch Zeit für die Planung. Den genauen Zeitraum ließ das Unternehmen noch offen. Fest steht: Die Kraftfahrer müssen sich auf Einschränkungen einstellen. Der Übergang werde für den Bau voll gesperrt und der Straßenverkehr umgeleitet. Die Städtebahn soll jedoch wie gewohnt fahren. Gebaut werde ausschließlich in den Zugpausen.

Für Christian Soika und die anderen Anwohner ist das eine gute Nachricht. Ein paar Wochen müssen sie den Lärm noch ertragen. Dann können sie hoffentlich wieder ruhiger schlafen.

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