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Holzmacher müssen die Schulbank drücken

Neuerung. Nur wer seine Sachkunde nachweisen kann, darf im Staatsforst motorisiert sägen.

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Von Jörg Stock

Grade hat Holger Baumann etwas Ruhe vor den Holzmachern. Erst im nächsten Frühjahr, wenn die Vorräte durch den Ofen verschwunden sind, rechnet der Grillenburger Revierförster mit einem neuen Ansturm. „Dann werden sie in Massen kommen“, glaubt er. Doch wer seine Motorsäge mitbringt, nicht aber den Beweis, dass er sich damit auch auskennt, dem bleibt nur die Axt.

Seit kurzem müssen Privatleute, die sich im Staatsforst selber Feuerholz zurecht sägen, einen Befähigungsnachweis für den Umgang mit der Motorsäge haben. Das bestätigt Andreas Geschu in der Spechtshausener Außenstelle des Forstbezirks Bärenfels. Dabei handelt es sich um eine betriebsinterne Festlegung, die dem Arbeitsschutz dienen soll. „Die Motorsäge ist ein gefährliches Werkzeug“, sagt der Forstmann. Vergangenes Jahr habe die Berufsgenossenschaft wieder sechs tödliche Unfälle registriert. Zwar nicht im hiesigen Forst. Doch leichtere Verletzungen, sagt Geschu, kämen auch hier vor.

Damit die Holzheizer weiter sägen dürfen, bieten die Förster Lehrgänge an. Etwa achtzig Prozent der so genannten Selbstwerber im Forstbezirk, schätzt Geschu, müssten auf die Schulbank. Angst, dass die Kurse überrannt werden, hat er indes nicht. Neben dem Schmiedeberger Waldschulheim Wahlsmühle stünde auch die Forstliche Ausbildungsstätte in Grillenburg für die Sägerschule bereit.

In der Tat ist das Interesse am Angebot der Förster bisher mager. Für den ersten Lehrgang, der am 21. Juli in der Wahlsmühle starten sollte, hat Lehrgangsleiter Helmut Herzog bislang nur einen Teilnehmer. Der Forstwirtschaftsmeister, seit 20 Jahren auch mit Sägeausbildung befasst, wundert sich. „Wahrscheinlich wissen die Leute noch gar nichts von der neuen Regelung.“ Auch die Kosten, schätzt er, spielen wohl eine Rolle. „Da wird mancher noch überlegen.“ Für den Zwei-Tages-Kursus „Arbeiten mit der Motorkettensäge in der Brennholzwerbung“ berechnet der Forstbezirk gut 185 Euro pro Nase. Kein Pappenstiel, das weiß auch Andreas Geschu. Doch letztlich sei es eine Investition in die eigene Sicherheit. Viele, die schon freiwillig im Kurs waren, sagt er, hätten danach von gut angelegtem Geld gesprochen.

Im besagten Kursus lernt der Teilnehmer zunächst die Arbeitsschutzvorkehrungen kennen, sodann die Funktionsweise der Motorsäge und verschiedene Schnitttechniken. Die werden auch praktisch erprobt. Gerade bei umgeworfenen Bäumen, sagt Ausbilder Helmut Herzog, ist die richtige Taktik entscheidend. In seiner langen Berufserfahrung sind die rabiaten Werkzeuge zwar sicherer geworden. „Ein Baum unter Spannung ist aber immer noch genauso gefährlich, wie vor zwanzig Jahren.“