Merken
PLUS Plus

Homosexualität in der Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar

Treffs und Beratungsstellen fehlen im Umland. Geheiratet und gelebt wird hier trotzdem.

Homosexualität ist außerhalb der großen Ballungszentren immer noch großteils eine reine Privatsache. Allerdings deuten einige Zeichen auf einen Trend hin, dass auch im Umland Homosexuelle zunehmend eine Lobby haben. Seit 2007 die Begründung einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft in die Zuständigkeit der Standesämter fiel, gaben sich in Altenberg drei gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort, davon zwei männliche. In Dippoldiswalde wurden bisher zwei Lebenspartnerschaften für jeweils zwei Frauen beurkundet, in Glashütte eine für ein männliches Paar. In Freital fanden sich elf gleichgeschlechtliche Paare auf dem Standesamt ein, neun männliche und zwei weibliche. Fünf davon in den letzten zwei Jahren. Auch Wilsdruff meldet zuletzt jährlich mindestens eine Eingetragene Lebenspartnerschaft. In Bannewitz gab es 2014 bereits zwei gleichgeschlechtliche Paare, die sich trauen ließen.

„Bei uns wird zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft kein Unterschied gemacht, die Zeremonien finden in denselben Räumen statt“, konstatiert Freitals juristischer Referent Helmut Weichlein. Dennoch unterliegen beide, rein rechtlich, immer noch beträchtlichen Unterschieden. So dürfen Homosexuelle den Namen des Partners nicht annehmen. Bei Trennung oder Tod des Gatten ändert sich der Personenstand nicht in „geschieden“ oder „verwitwet“. Gleichgesetzt ist die Lebenspartnerschaft der Ehe dennoch in vielen Punkten gleichgestellt, unter anderem im Sozialversicherungs- und Erbrecht.

Anzeige
Am 23. Januar 2022 hebt sich der Vorhang zu Mozarts »Die Zauberflöte«
Am 23. Januar 2022 hebt sich der Vorhang zu Mozarts »Die Zauberflöte«

Mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist nun auch wieder die »Die Zauberflöte« in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger in der Semperoper zu erleben.

Nachholbedarf besteht im Umland besonders bei der öffentlichen Wahrnehmbarkeit Homosexueller. So gibt es zwischen Altenberg und Dippoldiswalde keine Beratungsstelle, auch Treffpunkte sind praktisch nicht vorhanden. Das gilt auch fürs gesamte Freitaler Umland. Ein erster Schritt dahin, dies zu ändern, wurde vor drei Jahren in Pirna gewagt, wo in diesem Jahr bereits zum dritten Mal eine öffentliche Parade anlässlich des Christopher-Street-Days stattfand.

Beim Dresdner Gerede e. V. kennt man das Problem. Den Verein erreichen jedes Jahr 500 Anfragen aus ganz Sachsen, so Sprecherin Anne Liebeck. Sachsenweit gebe es lediglich drei Beratungsstellen für Homo-, Bi- und Transsexuelle. Und das, obwohl Schätzungen zufolge fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung nicht heterosexuell seien. „Homosexualität kommt keinesfalls nur in der Stadt vor. Eventuell haben es Betroffene dort aber aufgrund der Anonymität etwas leichter, sich zu outen“, so Liebeck. (jan)