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Homosexuelle nach Mobbing aus Zeltlager gebracht

Vier junge Männer sind jetzt privat untergekommen, nachdem sie an der Bremer Straße zur Zielscheibe wurden.

„Wir mussten dringend etwas unternehmen“, sagt Ronald Zenker, als er von der schnellen Hilfsaktion erzählt. Im Hauruckverfahren haben der 42-Jährige und sein Christopher-Street-Day-Verein (CSD) vier junge Homosexuelle aus den beiden Dresdner Notlagern herausgeholt.

Drei von ihnen hatten in der Zeltstadt gelebt, einer in der Turnhalle an der Nöthnitzer Straße. Die Männer zwischen 19 und 25 Jahren sahen sich großen Problemen mit ihren Mitbewohnern ausgesetzt.

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„Sie waren total verschüchtert und verängstigt“, sagt Zenker. „Sie hatten gedacht, sie sind hier nach ihrer Flucht in Sicherheit.“ Unter anderem sollen sie von Landsleuten gemobbt, bedroht und mit Steinen beworfen worden sein. „Man merkt sehr deutlich, dass bei den Syrern im Lager kaum Toleranz gegenüber Homosexuellen da ist“, so Zenker.

Am vorvergangenen Sonntag sei der Hilferuf der jungen Männer über eine Dolmetscherin des Netzwerks „Dresden für Alle“ eingegangen, so Zenker. Netzwerksprecher Eric Hattke hatte daraufhin CDU-Innenstaatssekretär Michael Wilhelm angerufen und um Hilfe gebeten. „Er hat sofort reagiert und dafür gesorgt, dass es eine Ausnahmegenehmigung für die vier Flüchtlinge gibt, die Lager zu verlassen“, sagt Hattke. Am Montagabend seien die vier jungen Homosexuellen privat in eine Touristenunterkunft gebracht worden. Die Adresse wird aus Schutzgründen geheim gehalten.

Der CSD-Verein will sich nun um die Männer kümmern. „Wir besorgen Essen und Trinken und geben ihnen erste soziale Kontakte in der Stadt“, sagt Vereinschef Zenker. „Es gibt bereits homosexuelle Syrer in Dresden, die seit einem Jahr hier sind.“ Sie können Orientierung in der Stadt geben. Seit Sonnabend besuchen die vier jungen Männer auch einen Deutsch-Kurs.

Landesdirektion und Innenministerium haben offenbar zugestimmt, dass die Syrer ein beschleunigtes Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhalten. „Der Erste hat schon heute seinen Termin, die anderen drei folgen in den nächsten Tagen“, sagt Zenker. Anschließend sollen sie mithilfe des Sozialamts in einer Wohngemeinschaft untergebracht werden, damit sie zusammenbleiben können. Das Quartett solle schnellstmöglich integriert werden. (SZ/two)