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Bautzen

Honig vom Hoteldach

Das Best Western in Bautzen hat aufgestockt: Es beherbergt jetzt auch Bienen. Die gehören einem erfahrenen Imker, der sich gern auf das Experiment einließ.

Roland Barthel bei seinen Bienenvölkern auf dem Best Western Plus Hotel in Bautzen. Einmal die Woche schaut der Imker hier nach dem Rechten.
Roland Barthel bei seinen Bienenvölkern auf dem Best Western Plus Hotel in Bautzen. Einmal die Woche schaut der Imker hier nach dem Rechten. © Miriam Schönbach

Bautzen. Mit dem Rauch aus dem Smoker besänftigt Roland Bartel seine Bienen. Die kleinen Summer merken, dass ein Gewitter in der Luft hängt. Doch noch strahlt über dem Best Western in Bautzen der strahlend blaue Himmel an diesem Morgen. Der Blick reicht weit ins Oberlausitzer Bergland und ins Seenland. Doch für die Aussicht hat der Imker derzeit keine Augen. Stattdessen kümmert er sich um die neuen Mitarbeiter des Bautzener Hotels. Seit Ende April wohnen die fleißigen Mitarbeiterinnen zur Untermiete in ihrem neuen Domizil über den Dächern der Stadt.

Roland Barthel holt Wabe für Wabe aus den Kisten. Zwei Bienenvölker stehen inzwischen auf dem Hoteldach. Er sucht Königinnenzellen. „Um das Schwärmen zu verhindern, muss ich regelmäßig einmal pro Woche nach diesen Weiselzellen schauen und sie herausbrechen“, sagt der 63-Jährige und zeigt an den Rand einer Wabe. Er entfernt das kunstvolle Konstrukt. Ohne diesen Handgriff würde die alte Königin mit einem Teil des Schwarms aus ihrem Zuhause ausziehen und die restlichen Arbeiterinnen würden die junge Nachfolgerin heranziehen.

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Genügend Grün in der Umgebung

Aus sicherem Abstand beobachtet Sandro Reichel die Handgriffe. Die Liebe zum Bienenhonig, aber auch das Bienensterben, ließ den Hotelchef auf die Suche nach einem Imker für das Best Western gehen. „Ich dachte mir, rund um das Hotel ist doch genügend Grün“, sagt er. Und auf das Experiment ließ sich Roland Barthel, Vorsitzender des Imkervereins „Unteres Spreetal Bautzen“, sehr gern ein.

Wieder nimmt er einen Rahmen zur Hand. Einige Bienen suchen das Weite, andere schwirren um die Kräuterbeete vor ihrer „Bettenburg“ herum. Die lila-blühenden Salvien sind besonders beliebt bei den kleinen Gelb-Schwarz-Gestreiften, andere fliegen in die Ferne. Die Honigproduzentinnen sammeln in einem Radius von bis zu drei Kilometern den Nektar. An diesem Morgen können sie sich aber vielleicht den einen oder anderen Weg sparen. Am Fuße des Reichenturms ist Grünmarkt, die Gärtnereien haben volle Paletten mit unzähligen Sommerblühern dabei.

Noch einmal beruhigt Roland Barthel seine summenden Mitarbeiterinnen mit ein wenig Rauch aus dem Smoker. „Mich reizen neue Erfahrungen. Ich möchte auch meine Imkerkollegen ermutigen, mal was Neues auszuprobieren“, sagt der Berufsschullehrer. Mit elf Jahren entdeckt er in Dobra bei Stolpen die Leidenschaft für die Bienen. Von seinem Urgroßvater liegt das notwendige Zubehör noch auf dem Dachboden des Elternhauses, ein Nachbar steht ihm mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die Geheimnisse der Imkerei geht. „Ich war einfach fasziniert“, sagt der Bautzener. Außer auf dem Hoteldach hat er seine Bienen im Garten und auf dem Mönchswalder Berg stehen. Sein Stadthonig wird allerdings eine ganz andere Note als seine anderen goldenen Versionen haben.

Ziel von Roland Barthel und Sandro Reichel ist es, diese Leckerei vom Hoteldach auch an die Hotelgäste zu verkaufen. „Das wäre sicher ein gutes Mitbringsel aus Bautzen“, sagt der Hoteldirektor, während Roland Bartel seinen Kontrollgang beendet. „Wir müssen schauen, wie die Bienen auf die Wärme jetzt reagieren“, sagt er. Spätestens in einer Woche wird er wieder nach seinen Sammlerinnen schauen. Zwischendurch haben einige Hotelmitarbeiter Blick auf ihre fleißigen Kolleginnen – über den Dächern der Stadt Bautzen.

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