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Semperopernball: Hopp erklärt Grund für Absage

Eigentlich hatte auch er am Freitag einen St.-Georgs-Orden erhalten sollen. Aber er wolle "nicht Zielscheibe von Hass werden", sagt der Unternehmer nun.

Der Unternehmer Dietmar Hopp wird nicht zum Opernball kommen.
Der Unternehmer Dietmar Hopp wird nicht zum Opernball kommen. © Uwe Anspach/dpa

Update, Dienstag 08:45 Uhr: Unternehmer Dietmar Hopp erklärt seine Beweggründe, die Teilnahme und Preisverleihung beim Ball abzusagen. Durch die Vergabe des St.-Georgs-Orden an den ägyptischen Machthaber Abd al-Fattah Al-Sisi habe sich ein dunkler Schatten über den Opernball gelegt. Eine SZ-Anfrage zu seinen Konsequenzen nach der Ordensverleihung habe er folgendermaßen beantwortet: "Natürlich war Herr Hopp sehr verwundert über diese Ehrung, außerhalb der Veranstaltung, und hatte überlegt, auf die Auszeichnung zu verzichten." Nachdem der Ballverein aber die Verleihung als Fehler bezeichnet und sich entschuldigt habe, wollte er seine Auszeichnung entgegennehmen.

Insbesondere die Anfeindungen gegen die Moderatorin Mareile Höppner, die "in den letzten Tagen einen unerträglichen Hass bis hin zu Bedrohungen erleben musste" habe ihn dazu bewogen, sowohl seine Teilnahme am Ball abzusagen als auch auf den St.-Georgs-Orden zu verzichten. "Ich habe um Verständnis für meine Entscheidung gebeten, da ich nicht möchte, dass ich oder meine Familie zur Zielscheibe von Hass und Bedrohung werden."

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Die Entwicklungen am Montag, 3. Februar:

Der Semperopernball-Verein hat die Verleihungen der St.-Georgs-Orden ersatzlos gestrichen. Das gab der Verein am Montagabend bekannt. Stattdessen wolle man beim Ball am Freitag mehr Kunst, Musik und Tanz anbieten. Vorausgegangen waren die Absagen von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, der für den Orden vorgesehen war, und Laudator Ulli Hoeneß.

"Trotz aller Kritik haben wir in den vergangenen Tagen enormen Zuspruch, Unterstützung und wertvolle Hinweise von vielen Seiten erhalten und das Konzept des 15. Semperopernballs überarbeitet", heißt es in der Meldung. Die Dresdner dürften sich "auf ein großartiges Fest mit internationalen Künstlern, spektakulären Darbietungen, tollen Debütanten und emotionalen Augenblicken in einer nahezu ausverkauften Semperoper, auf dem bestimmt wieder gut gefüllten Theaterplatz und vor den Bildschirmen freuen". 

Zu den Neuerungen gehöre, dass es beim Jubiläumsball "eine schnellere, mit überraschenden Momenten garnierte Programmabfolge mit noch mehr Kunst, Musik und Tanz" geben werde - "aber keine Preisverleihungen mehr". "Wir sind uns sicher, dass wir mit dem neuen Konzept die Herzen unserer Gäste und Fans noch besser erreichen und eine friedliche und wahrhaft wunderbare Ballnacht feiern werden", erklärt der Ballverein. 

Alle in Preisverleihungen eingebundene Persönlichkeiten seien mit der Vorgehensweise einverstanden. "Wie bereits angekündigt, wird der Ballverein mit seinen Freunden und Partnern über die Zukunft des Dresdner Opernballs sprechen. Dabei spielt auch die Frage der Ordensverleihungen eine Rolle." Aus Respekt vor den vielen Diskussionen der letzten Tage und um in Ruhe über künftige Entscheidungen nachdenken zu können, verzichten wir diesmal auf Preisverleihungen."

Die Absagen von Dietmar Hopp und Uli Hoeneß thematisiert die Meldung nicht. 

Update 17:15 Uhr: Die Debatte um die Übertragung des Semperopernballs im MDR-Programm hat am Montag den Rundfunkrat in Leipzig beschäftigt. In der Sitzung nutzten laut MDR einige Rundfunkrätinnen und -räte die Möglichkeit, Fragen zu den Ereignissen der vergangenen Woche zu stellen. Intendantin Karola Wille erklärte, nach der Preisverleihung an al-Sisi "habe man abgewogen, ob der Ball überhaupt übertragen werden soll". Aufgrund der Bedeutung des Balls für die Öffentlichkeit habe man entschieden, die Verleihung nicht zu zeigen. "Stattdessen soll es im Rahmen der Übertragung Beiträge zur politischen Situation in Ägypten geben." 

Über die zukünftige Übertragung des Balls soll laut Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi später entschieden werden. Der Vertrag gelte erst einmal nur für dieses Jahr. Die Kosten der Übertragung sollen sich auf rund 530.000 Euro belaufen. 

Update 16:35 Uhr: Thomas Löser, Dresdner Abgeordneter für die Grünen, fordert den Rücktritt von Ballchef Hans-Joachim Frey. In einer Pressemitteilung erklärt er, die Preisverleihung an al-Sisi und den Unternehmer Hans J. Naumann sei "ein weiterer unrühmlicher Höhepunkt in der Auswahl der Preisträger des so genannten 'Sankt-Georgs-Ordens'." Frey rücke die Veranstaltung und Dresden "ein weiteres Mal in ein zweifelhaftes Licht". 

"Er nutzt den Ball, um Geschäftsbeziehungen mit autoritären Regimen anzubahnen", sagt Löser. Deshalb solle Hans-Joachim Frey als Vereinsvorsitzender zurücktreten. Er kritisiert auch, dass das Auswahlgremium, welches die Personen für die Preisverleihung vorschlage, "bewusst intransparent gehalten" werde. "Die späte lauwarm vorgetragene Entschuldigung von Herrn Frey zeigt, dass er entweder die politische Dimension nicht versteht oder diese ihm egal ist", so Löser. Beides sei in seiner Funktion nicht akzeptabel.

Löser spricht auch die Hasskommentare gegen Mareile Höppner an, die "entschieden abzulehnen" seien. "Sie zeigen aber umso mehr, in welche Schieflage der Ball bereits jetzt gekommen ist."

Update 14.30 Uhr: Auch Uli Hoeneß hat seine Teilnahme am Semperopernball nach SZ-Informationen abgesagt. 

Die Absage von Dietmar Hopp:

Er war der erste verkündete Preisträger des St.-Georgs-Ordens, noch vor der Kontroverse um die Auszeichnung des ägyptischen Machthabers al-Sisi. Und auch danach - und nach der Entschuldigung des Ballchefs Hans-Joachim-Frey - hatte SAP-Gründer Dietmar Hopp sich noch entschieden, den Preis am Freitag in der Dresdner Semperoper entgegenzunehmen. 

Nun hat er seine Meinung offenbar geändert. Nach Informationen der Bild-Zeitung hat Hopp seine Ballteilnahme und auch die Auszeichnung am Sonntagabend abgesagt. Grund seien die Anfeindungen gegen Mareile Höppner. Die MDR-Moderatorin hatte nach der Absage von Judith Rakers zusammen mit Roland Kaiser durch den Abend führen sollen, am Samstag wurde bekannt, dass auch sie sich von dieser Aufgabe zurückzieht. 

Bild.de berichtet: "Hopp teilte seine Entscheidung am Sonntag in einem Brief Opernball-Chef Hans-Joachim Frey persönlich mit." Auf SZ-Anfrage hat der Ballverein die Absage Hopps bestätigt. 

Dietmar Hopp ist Mitbegründer des Software-Konzerns SAP und einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands. Nach seiner Absage ist nur noch ein Träger des St.-Georgs-Ordens übrig, der Chemnitzer Unternehmer Hans J. Naumann. Der Deutsch-Amerikaner steht wegen rassistischer Äußerungen in einem Interview in der Kritik.

Damit dürfte es nun gar keine öffentliche Verleihung auf dem Ball geben: Naumann soll die Auszeichnung auf einer separaten Veranstaltung für VIP-Gäste im Hotel Taschenbergpalais Kempinski überreicht bekommen.

In eigener Sache

DDV-Mediengruppe distanziert sich von Semperopernball-Preisträger: Der künstlerische Leiter des Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, hat am 26. Januar den ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fatah Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs ausgezeichnet.

Die DDV-Mediengruppe ist seit vielen Jahren offizieller Medienpartner des Dresdner Semperopernballs. Ziel dieses Engagements war und ist es, ein Dresdner Event mit nationaler Ausstrahlung für Sachsen aufzubauen und zu befördern. Umfang und Art dieses Engagements werden regelmäßig neu bewertet.

Die DDV-Mediengruppe hat keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Balls.

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