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Hoppla: Janet Yellen sorgt für Verwirrung

Auch für die neue Chefin der US-Notenbank gilt: Ihre Worte liegen auf der Goldwaage. Aber schon bei ihrem ersten Auftritt entglitt ihr ein fataler Halbsatz.

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© Reuters

Washington. Es scheint alles nach Plan zu laufen für Janet Yellen. Ihre Auftakt-Zinssitzung als neue Chefin der US-Notenbank bewältigt die 67-Jährige souverän. Die erste Erklärung zur Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) unter ihrer Ägide besorgt weder Experten noch Börsenhändler. Auch bei ihrer Pressekonferenz geht zunächst alles gut. Doch dann versetzt sie mit einem lapidaren Halbsatz plötzlich Anleger in Aufregung.

Auf wiederholte Nachfrage, wie lange es nach dem geplanten Ende der Konjunkturspritzen im Herbst dauern könnte, bis die Fed auch die Leitzinsen erhöht, gerät Yellen ins Schlingern. „Vielleicht ungefähr sechs Monate oder so“, entfährt es ihr. Für die hellhörigen Märkte ist auf einmal alles, was Yellen sonst noch sagt, egal. Sie hören quasi nur die Botschaft: Die Zinsen könnten schon Mitte 2015 steigen. Bisher waren Analysten davon ausgegangen, dass eine Anhebung frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres kommen wird. Ein kleiner, aber sehr feiner Unterschied. Prompt reagierten die Finanzmärkte mit leichtem Minus.

Yellen scheint schnell zu merken, was ihr da passiert ist. Immer wieder betont sie anschließend, dass mit schnellen Zinserhöhungen auf längere Sicht nicht zu rechnen sei. Dafür sei der US-Jobmarkt zu schwach und die Inflation zu gering. Die Botschaft lautet: Vertraut uns, wir wissen, was wir tun. Sie beobachte allein zehn verschiedene Arbeitsmarktindikatoren, erklärt die Volkswirtin und zählt sie geduldig auf. Das konkrete Ziel einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent ließ sie gar aus der Erklärung der Fed streichen. Obwohl die Quote mit 6,7 Prozent in die Nähe rutschte, ist die Lage auf dem Jobmarkt laut Yellen viel zu fragil für eine straffere Geldpolitik.

Doch warum hat sich Yellen überhaupt zu der Aussage verleiten lassen? Sollte sie ein Signal an die Märkte sein? Das wäre aber wohl eleganter gegangen. Yellen ist zu lange bei der Fed, um nicht zu wissen, dass auch Halbsätze amerikanischer Notenbankchefs ganze Volkswirtschaften in die Misere stürzen können. Ein Anfängerfehler, meinte Paul Edelstein vom Beratungsunternehmen IHS Global Insight. Auch ihre Vorgänger Ben Bernanke und Alan Greenspan leisteten sich am Anfang ihrer Amtszeiten den einen oder anderen Fauxpas. Die Märkte haben es überlebt. (dpa)