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Goldschmied schließt Geschäft in Niesky

Damit vergrößert sich der Leerstand in der Horkaer Straße nachdem bereits ein Schlüsseldienst ausgezogen ist. Aber es gibt auch Hoffnung.

Goldschmiedemeister Lutz Hüter gibt seinen Laden in der Horkaer Straße zum 20. März auf. Seinem Handwerk bleibt er aber in Görlitz treu.
Goldschmiedemeister Lutz Hüter gibt seinen Laden in der Horkaer Straße zum 20. März auf. Seinem Handwerk bleibt er aber in Görlitz treu. © André Schulze

Die Nieskyer sind ihm ans Herz gewachsen, sagt uneingeschränkt Ralf Hüter. Dennoch hat er sich entschlossen, sein Geschäft für Uhren und Schmuck zum 20. März zu schließen. "Zum einen sind das private Gründe, die mich zu diesem Schritt veranlassen, zum anderen geschäftliche, die sich im rückläufigen Umsatz zeigen", sagt der gelernte Goldschmied.

Vor allem das Kaufverhalten hat sich in den zurückliegenden Jahren stark verändert. "Viele Kunden suchen sich heute ihren Schmuck, ihre Uhren im Internet aus  und bestellen gleich dort", ist Hüter seine Erfahrung. Zudem haben Schmuckartikel nicht mehr den Stellenwert in der Gesellschaft wie noch vor Jahrzehnten. Was er für Niesky festgestellt hat, dass die Kundenfrequenz für sein Geschäft nach wie vor akzeptabel ist, "die Leute aber weniger Geld ausgeben". Auch der Trend, dass das Handy die Armbanduhr zunehmend ablöst, wirkt sich bei Ralf Hüter negativ im Umsatz aus.  

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Schöne Jahre in Niesky erlebt

Aber er will nicht nur jammern, betont der Goldschmied. "Mit meinem Vater zusammen haben wir auch viele schöne Jahre in Niesky erlebt", blickt Ralf Hüter zurück. 1982 hat Vater Lutz Hüter das Geschäft in der Horkaer Straße eröffnet. Damit zählt es mit zu den am längsten bestehenden Einrichtungen in der Geschäftsstraße. Dass die Görlitzer Goldschmiedefamilie ausgerechnet in Niesky einen Laden eröffnete, hatte pragmatische Gründe. "In Görlitz hatte mein Vater keine Gewerbegenehmigung bekommen. Also fragte er bei der Stadt Niesky an und die erlaubte ihm die Geschäftseröffnung. So sind wir nach Niesky gekommen", erzählt Ralf Hüter.

Als junger Mann ist er bei seinem Vater in die Lehre gegangen und arbeitete einige Jahrzehnte an der Seite seines Lehrmeisters. Als Lutz Hüter, heute 80 Jahre, in Rente ging, übernahm Sohn Ralf 2006 das Geschäft in Niesky. Als ein Juwelier sieht sich Ralf Hüter nicht. "Die verkaufen nur. Ich erledige Reparaturen und nehme Neuanfertigungen vor."   

Mit diesen Arbeiten verdient er hauptsächlich sein Geld. Das wird er auch künftig tun, versichert der 50-Jährige. Er wird weiter als Goldschmied tätig sein, nicht mehr selbstständig, sondern als Angestellter. In einem Schmuckgeschäft auf der Jakobstraße in Görlitz. 

Geschäft läuft in Ödernitz weiter

Einer, der der Horkaer Straße bereits Ende Januar den Rücken gekehrt hat, ist Jürgen Schulze. Bekannt war sein Geschäft für Schuhreparaturen, Schlüsseldienst und Schleifarbeiten aller Art. Neben dem Laden der Bäckerei Freudenberg bot Schulze seine Dienstleistungen an. Jetzt ist er 65 Jahre alt, Rentner und möchte kein Selbstständiger mehr sein, sagt der Ödernitzer. Hinzu kamen Probleme mit dem Vermieter, so dass sich Jürgen Schulze entschloss, sein Geschäft in der Horkaer Straße aufzugeben.  

Seine Kunden möchte er dennoch nicht im Regen stehen lassen, versichert der Handwerker. Er ist dabei, sein Geschäft in seinem Haus in Ödernitz fortzuführen. "Und zwar als Nebenerwerb, aber mit der gesamten Angebotsbreite wie in Niesky auch", sagt er. Gegenwärtig ist er noch am Einrichten und Maschinen aufstellen. Wenn alles gut läuft, könnte das bis Monatsende erledigt sein. "Ich habe ja nicht nur Privatkunden, auch Betriebe und Einrichtungen, die gern weiter meine Dienste in Anspruch nehmen möchten." 

Leerstand erhöht sich weiter

Was aus den Räumen wird, das können weder Jürgen Schulze noch Ralf Hüter sagen. Das sei jetzt Sache der Vermieter. Fakt ist, dass nun zwei weitere Läden in der Horkaer  Straße leer stehen. Sie reihen sich ein in die beiden Gewerbeeinheiten im ehemaligen Reisebüro Domschke, der geschlossenen Drogerie. Auch für das ehemalige Blumengeschäft ist noch kein Nachfolger gefunden ebenso nicht für das Dessousgeschäft. Das aufgegebene Modegeschäft "Leger" wird heute von der Comenius-Buchhandlung mit genutzt als Ausstellungsraum zur Horkaer Straße hin.   

Es gibt aber auch Hoffnung für die Horkaer Straße. Finanzdienstleister Christoph Schulze hat in den ehemaligen Fahrschulräumen ein Außenbüro seiner Görlitzer Agentur der Deutschen Vermögensberatung eingerichtet. "Ich habe viele Kunden in Niesky und Umgebung. Für sie ist es praktischer, wenn sie bloß nach Niesky kommen müssen", sagt der Vermögensberater zu diesem Schritt.  

Neue Pläne für die Geschäftstraße

Seit zwei Wochen gibt es das Büro und an zwei Tagen die Woche ist geöffnet. In dieses holte er sich noch einen Geschäftspartner aus Kreba-Neudorf. Das Transportunternehmen Bikeshuttle zeigt hier seine Präsenz. Geschäftsführer Sven Schuster sagt, dass der Firmensitz weiter in Kreba ist, aber man auch in Niesky für sich werben möchte.

Christoph Schulze möchte die "Horkaer Straße weiter attraktiver gestalten". Sein Büro ist nur der erste Schritt. Dafür hat er das Geschäftshaus von Spielwarenhändler Hartmut Schleuder gekauft. "Wir planen auch dieses Geschäft wieder zu beleben", deutet er an. Über Konkretes will er zu gegebener Zeit berichten.   

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