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Hort-Notstand in Radibor

Weil im neuen Schuljahr Plätze fehlen, müssen Gemeinde und Träger schnell reagieren – und eine schwierige Entscheidung treffen.

Andrea Hennig vom katholischen Kinderhaus, Bürgermeisterin Madeleine Rentsch und Annett Fahland von der Awo Bautzen (v.l.) hoffen, durch Nutzung eines Mehrzweckraumes in der Radiborer Slavia den Notstand in den beiden Horten beseitigen zu können.
Andrea Hennig vom katholischen Kinderhaus, Bürgermeisterin Madeleine Rentsch und Annett Fahland von der Awo Bautzen (v.l.) hoffen, durch Nutzung eines Mehrzweckraumes in der Radiborer Slavia den Notstand in den beiden Horten beseitigen zu können. © SZ/Uwe Soeder

Radibor. Die ersten Tage im Amt hatte sich Radibors neue Bürgermeisterin Madeleine Rentsch (Wählervereinigung "Heimatfreunde Milkel") vermutlich weniger turbulent vorgestellt. Was sie noch nicht wusste, als sie am 1. Mai ihr neues Büro im Gemeindeamt bezog: Die beiden Horte im Ort werden mit Beginn des neuen Schuljahres ihre Kapazitätsgrenzen deutlich überschreiten.

Sechs Hortplätze werden im katholischen Kinderhaus fehlen, sogar acht im Hort der Arbeiterwohlfahrt (Awo). "Das sind nicht ein oder zwei, das sind 14 fehlende Hortplätze. Und das sind alles gemeindeeigene Kinder", sagt Madeleine Rentsch mit Nachdruck.

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Sie erklärt: Das katholische Kinderhaus ist mit seinen reichlich 30 Plätzen vollends ausgereizt. Der Hort der Awo ist bereits in Räume der sorbischen Grundschule ausgelagert, weil der Kindergarten voll ist. "81 Plätze ist dort Oberkante. Mehr geht nicht", sagt Rentsch.

Der Hort soll zeitweise erweitert werden

Um kurzfristig auf den Engpass zu reagieren, sieht sie nur eine Lösung. Die liegt wenige Meter neben dem sorbischen Schulkomplex in der Sport- und Mehrzweckhalle Slavia. Dort gibt es einen etwa 50 Quadratmeter großen Mehrzweckraum mit Küche und Toiletten. Genutzt wird er von Vereinen, von der Musikschule und der Schule. Madeleine Rentsch sagt: "Dieser Raum ist die letzte Möglichkeit, um in den wenigen Wochen bis zum Schulstart eine Lösung für den Hortplatz-Notstand zu finden."

Und das will sie unbedingt. Zwar hätten Eltern keinen rechtlichen Anspruch auf einen Hortplatz. Aber als berufstätige Frau und Mutter sieht Madeleine Rentsch einen zwingenden Zusammenhang zwischen Wohnort, Schulbesuch und Hortbetreuung. Als Bürgermeisterin sieht sie sich in der Pflicht, mindestens jedem Kind aus der Gemeinde Radibor die Betreuung in einem Hort der Gemeinde zu ermöglichen.

Zahlreiche Abstimmungen laufen

Der Mehrzweckraum ist ein erster Schritt in diese Richtung. 20 Betreuungsplätze könnten dort eingerichtet werden. Gesichert ist das noch nicht. Die Awo, die den zusätzlichen Hortbereich betreiben soll, braucht dafür eine erweiterte Betriebserlaubnis. Das Jugendamt muss zustimmen, das Gesundheitsamt auch. Das katholische Kinderhaus muss klären, welche Kinder in der neuen Gruppe untergebracht werden. Das geschehe in enger Absprache zwischen Eltern und Betreuungseinrichtungen.

Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und den Trägern laufe gut und konstruktiv, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Auch Madeleine Rentsch bestätigt, dass alle Beteiligten auf eine Lösung hinwirken. Im Hinblick auf die Vereine, die den Mehrzweckraum vielleicht schon bald nicht mehr nutzen können, fügt sie hinzu: "Es wird auf alle Fragen eine Antwort geben - vielleicht aber eine, die nicht für alle gleichermaßen zufriedenstellend ist."

Arbeitsgruppe soll Konzept erstellen

Und - auch das ist bereits absehbar - sie wird auch nicht dauerhaft gültig sein. Zwei, maximal drei Jahre wird die Betriebserlaubnis gelten. Für die Zeit nach Ablauf dieser Frist will Madeleine Rentsch ein klares Konzept erarbeiten. Am 15. Juli wird eine Arbeitsgruppe gegründet, an der sich die Schul- und Kitaleitungen, ein Mitglied des Elternbeirats und vier Gemeinderäte beteiligen. "Diese AG ist schon lange überfällig", sagt Rentsch.

Die Frage, die die Arbeitsgruppe beantworten muss, steht fest: Soll es in Radibor einen neuen Hort geben? Für einen Hortneubau, sagt Madeleine Rentsch, sei die Gemeinde finanziell zu schwach. Und auch ausgestattet müsste ein größerer Hort erst werden - vor allem mit Personal.

Spracherhalt als Qualitätsmerkmal

Die andere Lösung sieht Rentsch darin, die Aufnahme gemeindefremder Kinder konsequenter abzulehnen. "Wir müssen jetzt klare Linie zeigen", sagt sie und betont den besonderen Fokus des Schulzentrums auf die  sorbische Sprache. "Wir sind eine Gemeinde im sorbischen Siedlungsgebiet. Sprache hat bei uns Priorität, und wir müssen den Kindern unserer Gemeinde zuallererst den Zugang dazu ermöglichen. Wenn es dann noch Kapazitäten gibt, müssen wir über die Aufnahme von Kindern aus Randgemeinden fallbezogen entscheiden und auch hier den Fokus auf das sprachliche Interesse legen."

Noch ist das alles nur ein Abstecken von Optionen. Über die wird die Arbeitsgruppe in den kommenden Monaten beraten. Mit "zündenden Ideen, Kompromissbereitschaft, starken Nerven und Mut", hofft Madeleine Rentsch. Im September soll die Arbeitsgruppe erste Ergebnisse präsentieren.

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