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Hotel Bergwirtschaft will größer werden

Ein Anbau soll weitere Hotelzimmer an den Wilden Mann bringen. Aber noch ist die Grundstücksfrage nicht geklärt.

© André Wirsig

Von Kathrin Kupka-Hahn

Größer und schöner soll es werden, dazu noch barrierefrei und behindertengerecht – das Hotel Bergwirtschaft am Wilden Mann in der Großenhainer Straße 243. Möglich werden soll das durch einen Anbau, in dem bis zu 100 zusätzliche Zimmer entstehen. So sollen sich vor allem Seh-, Hör- und Gehbehinderte ohne Hilfe zurechtfinden. Dadurch könnte aus der Bergwirtschaft eine Herberge für Behinderte, ein sogenanntes Inklusionshotel, werden. „Das Vorhaben ist bei Politik und Sozialministerium gern gesehen. Schließlich wäre es das erste Hotel für Menschen mit Behinderung in Dresden“, sagt Rolf-Dieter Sauer, der Eigentümer des Hotels.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Seit gut eineinhalb Jahren plant der 63-Jährige an dem Projekt. Allerdings fehlt dem Geschäftsmann noch das Grundstück dafür. Sauer liebäugelt deshalb schon seit einiger Zeit mit dem benachbarten Anwesen, auf dem die Trinkl-Villa steht. Das 1885 im Stil italienischer Landsitze errichtete Gebäude soll Teil des neuen Hotelkonzeptes werden. Die Räume im Erdgeschoss der Villa möchte der Hotelbesitzer als exklusive Salons für anspruchsvolle Tagungs- und Restaurantgäste nutzen. Das Obergeschoss soll Hochzeitsgesellschaften zum Heiraten und Feiern vorbehalten sein.

Auf dem restlichen Teil des Anwesens ist ein Hotelanbau mit großer Tiefgarage geplant. „Dadurch wird sich auch unsere Parkplatzsituation verbessern“, so Sauer. Problematisch erwies sich bei seinen Planungen jedoch die Einbeziehung der Remise. Das ehemalige Wirtschaftsgebäude steht als Ensemble mit der Villa unter Denkmalschutz und muss erhalten bleiben. Sauer will dafür eine Lösung finden.

Doch bevor er weiter planen und Bauanträge stellen kann, muss ihm erst einmal das Nachbargrundstück gehören. „Die Verträge für den Kauf müssen nur noch unterschrieben werden“, sagt er. Aber sein Nachbar Thilo Eichler, dem das Anwesen mit der Trinkl-Villa gehört, dementiert das. Zwar habe er vor einiger Zeit ein Vertragsangebot von Sauer erhalten, diesem aber nicht zugestimmt. „Es ist noch vieles offen“, so Eichler. Auch sei der Verkauf des Anwesens für ihn aktuell kein Thema. Jedoch räumt er ein: „Grundsätzlich bin ich für alles offen.“ Platzt nun der Traum vom Inklusionshotel am Wilden Mann? Es wäre nicht das erste Mal, dass einer von Sauers Plänen scheitert.

In Pirna hatte der Unternehmer 2010 ein ähnliches Projekt geplant. Er wollte hier ein Vier-Sterne-Hotel errichten – in Verbindung mit dem ehemaligen Kulturhaus „Tanne“. Das sollte mit einem Gastronomiekonzept wiederbelebt werden. Für das Hotel war ein Anbau mit Tiefgarage geplant. Bei den Pirnaern und der Stadtverwaltung kam das Konzept zunächst gut an. „Es klang schlüssig“, sagt der Pirnaer Rathaussprecher Thomas Gockel.

Vorhaben in Pirna endet mit Klagen

Deshalb wollte die Stadt Sauer die „Tanne“ auch verkaufen. Doch dann seien aber Probleme beim Kauf der benachbarten Grundstücke aufgetreten. Einige davon hätte Sauer für sein Vorhaben gebraucht, so Gockel. Jedoch wollte das Ehepaar Papproth, Eigentümer des benachbarten Gebäudes Tischerplatz 11, nicht an den Investor verkaufen, weshalb das Vorhaben 2012 scheiterte.

Sauer ließ sich das jedoch nicht gefallen und verklagte das Ehepaar. Es soll den Verkauf mündlich in Aussicht gestellt haben, so der Vorwurf. Daraufhin habe Sauer entsprechend weitergeplant und investiert. „Wir haben nie gesagt, dass wir verkaufen“, sagt Frau Papproth auf Nachfrage der SZ. Das Ehepaar sei nach dem Bekanntwerden der Problematik in Pirna regelrecht an den Pranger gestellt worden. „Deshalb ist für uns das Thema gegessen. Über Herrn Sauer geben wir keinen Kommentar ab.“

Auch die Stadt Pirna muss nun mit einer Klage von Rolf-Dieter Sauer rechnen. „Diese wurde uns bereits angekündigt“, so Rathaussprecher Gockel. Sauer wirft der Stadt vor, ihn in Sachen „Tanne“ getäuscht zu haben. Zudem fordert er noch rund 500 000 Euro für seine bereits getätigten Investitionen an dem Gebäude.

Ähnliche Erfahrungen hat auch die Stadt Neuruppin mit Sauer machen müssen. Dort hatte der Unternehmer Mitte der 2000er-Jahre mit mehreren Investoren den Bau eines Gesundheitszentrums mit Hotel geplant, zerstritt sich jedoch mit seinen Geschäftspartnern. Mehrere Verfahren beschäftigten daraufhin die Gerichte. So wurde Sauer im November 2012 wegen versuchten Betruges vom Landgericht Neuruppin angeklagt. Letztlich fällten die Richter am 4. Dezember 2012 die Entscheidung, dass das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldbuße von 20 000 Euro eingestellt wird, wenn Sauer die Summe zahlt.