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Hotelbesitzer mit Gießerei-Patent

Unternehmer Ralf Tanneberger hat das Hotel Augustusberg gekauft. Erst forschte er, jetzt greift er nach den Sternen.

Von Heike Sabel

Er entwickelt Energiekontrollsysteme für Gießereien und Stahlwerke, ist erfolgreich als Unternehmer in Radebeul. Er hat ein weltweites Patent für die Induktion an Schmelzöfen. Vor vielen Jahren war er mal in Gohrisch zur Kur und Gast im Bad Gottleubaer Hotel Augustusberg. Jetzt gehört es ihm. Gesucht hat es Ralf Tanneberger nicht. Es hat sich so ergeben. Persönliche und geschäftliche Verbindungen führten dazu, dass sich der 48-Jährige jetzt einer neuen Herausforderung stellt.

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Sie war 23 Jahre Gastronomin, führte erst mit ihrem Mann das Hotel, nach dessen Tod dann allein. Es war nicht einfach, trotzdem wollte sie nicht verkaufen. Noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Dann nutzte sie die Gelegenheit trotzdem. Heute ist Birgit Ihle mit ihrer Entscheidung und dem neuen Eigentümer sehr zufrieden – und froh, die Chance genutzt zu haben.

Sie kennt viele Kollegen, die vergeblich versuchen, einen Käufer für ihr Objekt zu finden. Am Ende gab es sogar mehrere Interessenten. Tanneberger spricht von Glück, dass er das bekannte, gutlaufende Haus, das sich in Top-Zustand befindende, kaufen durfte. Dennoch wird es Änderungen geben. Die verzierten und bemalten Lampen über den Tischen, an denen man sich schnell den Kopf stößt, werden verschwinden. Die ersten Exemplare der roten Lampen im Industriedesign hängen schon. Für manchen auf den ersten Blick vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Doch wenn erst der rot karierte Teppich liegt, passen die Lampen dazu. Modernes Berghütten-Ambiente nennt es der aus dem Spreewald stammende Tanneberger. Er hat viel vor. Er will den Innenbereich verändern, die Terrasse vergrößern, ein Panoramacafé einrichten und die Küche bekommt einen Anbau und damit mehr Platz. Knapp eine Million Euro will Tanneberger in den nächsten Jahren investieren.

Birgit Ihle hat das Hotel von ihrem Haus aus täglich vor Augen. Ab und zu hilft sie. Zum Beispiel, wenn jemand krank ist. Dann macht sie Frühstück für die Hotelgäste. Am Empfang, dort wo sie viele Jahre die Gäste begrüßte, sitzt dann oft Jens Oertel, der neue Hotelleiter. Mit ihm hat Tanneberger auch einen erfahrenen Mann geholt. Oertel führte neun Jahre die Geschäfte im Geisinger Berghotel Schellhas. Chefkoch Lindner kommt vom Hohnsteiner Ambiente-Hotel und hat sich kurzfristig für Tanneberger entschieden, weil ihn das Konzept überzeugte. Mit Oertel und Lindner hat Tanneberger zwei Branchenfachleute an Bord. Tanneberger zeigt das Hotel, das nun seines ist. An den Wänden hängen historische Fotos und Zeichnungen des Hauses. 1898 wurde das Hotel eröffnet, schon 18 Jahre zuvor gab es ein einfaches Blockhaus. In den Gängen stehen bemalte Bauernschränke, in den Zimmern stehen Flachbildfernseher. Moderne und Tradition. Damit will Tanneberger die Stammgäste halten und neue dazugewinnen. Dresdner und junge Leute vor allem. Tanneberger spricht von seinem Hotel als Geheimtipp. Doch er will als Balkon des Osterzgebirges so bekannt werden wie die Bastei. Dann ist es vielleicht mit der Ruhe vorbei. Doch schon jetzt ist die Terrasse an schönen Tagen voll und drinnen an Feiertagen und am Wochenende ohne Bestellung kaum ein freier Tisch zu bekommen.

Birgit Ihle ist das Hotel auch nach dem Verkauf nicht egal, sie hängt noch immer daran. „Ich freue mich, dass er viel tun will.“ Tanneberger will perspektivisch einen Stern zulegen. Mit Küchenchef Lindner hat er bereits einen Mann im Haus, der mit vier Sternen Erfahrung hat. „Das kriegen wir hin“, sagt Tanneberger. Birgit Ihle wird die Erste sein, die ihm gratuliert.