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Hoteliers wünschen sich schnelles Netz

Landkreis und Kommunen sind an dem Thema dran, konkret geplant ist jedoch nichts. Die Unternehmer helfen sich selbst.

Von Antje Steglich

Nein, von einer guten Internetanbindung kann man hier, in Diesbar-Seußlitz wahrlich nicht sprechen. ISDN ist vielerorts noch Standard. Für Gastronomen und Hoteliers ist das ein echtes Drama. Denn der moderne Gast erwartet ganz selbstverständlich einen schnellen und wenn möglich noch kostenlosen Zugang ins weltweite Datennetz. Im Landgasthof und Hotel Zum Roß hat man sich deshalb längst selbst geholfen. „Ich habe einen eigenen WLAN-Zugang. Damit sind wir relativ gut aufgestellt“, sagt Roß-Chefin Gabriele Dörner. Dafür hat der Familienbetrieb in eine Schüssel mit direktem Zugang zum Satelliten investiert. Der Gast muss sich nur noch den Zugangscode geben lassen und kann dann bequem und schnell surfen. Ganz ähnlich funktioniert das im Hotel Moritz. Über sogenannte Hotspots können die Gäste mit dem richtigen Code ins Internet. Damit das einigermaßen schnell geht, wurden in jeder Ecke Verstärker installiert. „Der Zugang wird von hundert Prozent unserer Gäste genutzt. Wenn ein Geschäftsmann das hier nicht bekommen würde, würde er auf dem Absatz wieder kehrt machen“, erklärt Hotelchefin Karin Großmann die großen Anstrengungen des Familienunternehmens. „Es könnte aber gern noch etwas schneller sein.“

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Den langsamen Internetanschluss beklagt auch die Inhaberin der Pension Hof Lange in Lorenzkirch. „Ich habe zwar einen Internetanschluss, der ist aber sehr langsam“, sagt Ingrid Lange. Da die meisten ihrer Radtouristen nur eine Nacht blieben, spielte das Thema zwar bisher nicht so eine große Rolle. Grundsätzlich würde sie sich aber einen schnelleren Zugang wünschen. Wann das im ländlichen Raum flächendeckend Realität sein wird, steht allerdings in den Sternen.

Ausbau fällt Rotstift zum Opfer

Immer mal wieder gab es Initiativen einzelner Kommunen oder Regionen-Zusammenschlüsse wie dem Elbe-Röder-Dreieck. Und nun startete der Freistaat die „Digitale Offensive“. Mit der Aussicht auf Fördermittel stellte auch der Landkreis in seinen ersten Entwurf des Haushaltes 300 000 Euro für den Breitbandausbau ein. Im Rahmen der Diskussion über die Erhöhung der Kreisumlage flog der Posten aber ganz schnell wieder raus. „Das ist schade und ärgert mich auch ein bisschen“, sagt dazu der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). Zwar versteht er seine Kollegen, die beispielsweise in der Nähe von Dresden nicht solche Probleme haben und dafür nicht mitbezahlen wollen. Seine Gemeinde habe aber eben noch großen Nachholbedarf. Auf der Tourist-Information in Diesbar-Seußlitz und auf dem Schulzentrum Nünchritz hat die Gemeinde schon Antennen für das CityNet der NU Informationssysteme GmbH Riesa aufstellen lassen, um eine schnelle Anbindung zu gewährleisten. Davon profitiere aber nur die nähere Umgebung.

„Jetzt müssen wir uns erst einmal anschauen, was das Förderprogramm des Freistaates hergibt und dann entscheiden, ob wir weiter aktiv werden“, so Gerd Barthold, „was ich aber definitiv nicht machen werde, ist Leerrohre zu fördern.“ Stattdessen will der Bürgermeister auch noch einmal die Möglichkeiten von LTE – der Mobilfunkstandard Long Term Evolution – ausloten. Erst kürzlich sei dafür ein neuer Mast bei Leckwitz aufgestellt worden. Auf diesen Standard baut auch sein Amtskollege aus Zeithain. Ralf Hänsel (parteilos) hat klar gemacht, dass die Kommune nicht in den Breitbandausbau investieren werde. Er setzt darauf, dass sich der Markt durch die rasante technische Entwicklung und der großen Nachfrage von selbst reguliert.