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Dippoldiswalde

Kurzarbeit in Hotels im Osterzgebirge

Hotelbetreiber wollten sich auf das Ostergeschäft vorbereiten. Jetzt haben sie ganz andere Probleme, und die sind existenzbedrohend.

Erica Doghmani muss das Neuhermsdorfer Hotel Wettin schließen. Die Corona-Epidemie hat sie dazu gezwungen.
Erica Doghmani muss das Neuhermsdorfer Hotel Wettin schließen. Die Corona-Epidemie hat sie dazu gezwungen. © Egbert Kamprath

Schönstes Frühlingswetter herrscht am Donnerstag, eigentlich beste Bedingungen zum Wandern bei einem Urlaub im Osterzgebirge. Aber die Hotels hier sind weitgehend leer. Das Hotel Wettin in Neuhermsdorf mit 68 Betten hat komplett geschlossen. „Wegen der ganzen Stornierungen“, sagt Erica Doghmani, die Ehefrau des Inhabers. Auch für die Osterzeit haben schon viele Gäste abgesagt. Eigentlich war das Haus über die Feiertage ausgebucht. Erica Doghmani hat die Telefonleitung nach Hause umgeleitet, um für Gäste erreichbar zu bleiben. Die Familie beschäftigt drei fest angestellte Mitarbeiter und darüber hinaus Pauschalkräfte. Die sind jetzt alle zu Hause und die Unternehmer beschäftigen sich mit den Anträgen auf Kurzarbeit. „Es weiß ja auch keiner, wie lange die Krise jetzt dauert. Können wir im Mai wieder Gäste empfangen?“

Immer wieder Stornierungen

Ähnlich ist die Situation für das Hotel "Lockwitzgrund" im Altenberger Ortsteil Schellerhau. „Momentan ist ohnehin eine Übergangsphase vom Winter zum Frühling. Da ist es meistens ruhiger“, sagt Inhaber Wolfgang Mögel. Aber in diesem Jahr war ja mangels Schnee schon das Wintergeschäft sehr schlecht gelaufen. „Gott sei Dank hatten wir noch  die Bob- und Skeleton-WM“, sagt Mögel. Jetzt hatte er sich eigentlich darauf eingestellt, dass zu Ostern sein Haus mit 44 Hotelbetten und 60 Plätzen im Restaurant gut ausgelastet sein sollte. Aber daraus wird nichts. Immer wieder Stornierungen. Klassentreffen, Feierlichkeiten, Sportlertreffen, all solche Veranstaltungen fallen wegen der Ansteckungsgefahr aus.

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Mögel hat fünf Mitarbeiter, die er jetzt wohl in Kurzarbeit schicken wird. „Kündigungen will ich unbedingt vermeiden. Ich will meinen Mitarbeitern den Weg zum Arbeitsamt ersparen“, sagt er. Alle Gastronomen wissen ja auch, dass sie ihre Leute brauchen. Noch vor wenigen Wochen haben sie händeringend Köche und Kellner gesucht. Kommen die nach einer Entlassung wieder, wenn es nach der Coronakrise wieder aufwärts geht? Das ist das, was alle hoffen und keiner weiß.

Wirkliche Hilfe erwartet, keine Kredite

Was die Gastronomen vor allem umtreibt, ist die aktuelle Ungewissheit. Anfang der Woche kam die Ansage, sie müssten ganz schließen. Nun dürfen Gaststätten bis 18 Uhr öffnen. Das hilft aber nicht wirklich weiter, auch nicht dem Landhotel "Heidehof" in Dippoldiswalde. „Bei uns lief das Jahr sehr gut an. Wir hatten den besten Februar seit Jahren. Auch für das zweite Quartal waren wir mit Veranstaltungen, Geburtstagen und Hochzeiten gut ausgebucht. Der Volleyballverband hatte 30 Zimmer für vier Nächte gebucht“, erzählt Mitinhaber Uwe Pech. Nun kommt es aber durch die Coronakrise ganz anders. „Wir erleben eine Stornowelle“, sagt Pech. 

Seit dieser Woche sind die Mitarbeiter auf Kurzarbeit null gesetzt. Die Anträge dafür bei der Arbeitsagentur sind gestellt. Es gibt einen gewissen Zeitraum, den das Hotel überbrücken kann, aber irgendwann hört das auf. Dann ist es auf Hilfe angewiesen. Pech würde finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand erwarten, die über einen günstigen Kredit hinausgeht. „Der muss ja auch wieder zurückgezahlt werden, und wer weiß, wie es danach weitergeht.“

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Wolfgang Mögel wäre es lieber gewesen, die konsequente Ansage von Landrat Geisler hätte Bestand gehabt, nach der er sein Restaurant hätte schließen müssen. Jetzt gilt die Ansage der Landesregierung, dass er bis 18 Uhr öffnen darf. “Wenn wir einfach hätten zumachen müssen, hätte das versicherungstechnisch andere Möglichkeiten geboten“, vermutet er. Auch Erica Doghmani macht sich Gedanken, wie ihr Haus weiterbestehen soll. „Die Kosten laufen weiter, und das ohne Einnahmen. Da brauchen wir wirkliche Hilfe. Bisher gibt es nur Kreditangebote“, sagt sie.

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Mögel nutzt jetzt die Zeit, in der er sich nicht um Gäste zu kümmern hat, um Renovierungsarbeiten zu machen und das Haus schön vorzurichten für den Moment, wenn wieder Touristen ins Osterzgebirge kommen. Ähnlich wollen auch die Familien Pech und Liebscher im Heidehof versuchen, aus der Zwangspause noch das Beste zu machen. Und alle hoffen, dass die Corona-Unterbrechung möglichst kurz bleiben wird.  

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