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Meißen

Hotels leiden unter Stornierungen

Die Buchungen bleiben aus. Immer attraktive Ausflugsangebote brechen weg. Vor allem auf der Elbe.

Auch in der Pension Heil in Meißen bleiben die Zimmer leer. Viele Buchungen wurden von den Kunden storniert. Der Ausfall ist groß.
Auch in der Pension Heil in Meißen bleiben die Zimmer leer. Viele Buchungen wurden von den Kunden storniert. Der Ausfall ist groß. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das Buchungsfach im Maileingang bleibt leer. Niemand möchte bis Ende Mai im Hotel Goldenes Fass in Meißen unterkommen. Man könne die Gäste schließlich nicht zwingen, sagt Chefin Lisa Lochschmidt. Ihnen ergeht es nicht anders als den Mitarbeitern in der Tourismusbranche vor Ort. Das Verständnis ist da. Die Besucher müssen sich um ihren Job, kleine Kinder und ältere Angehörige kümmern.

In diesem Sinne führt die Rezeption des familiären Meißner Hotels rechts der Elbe die Gespräche mit den Kunden. Es gehe darum, einen Mittelweg zu finden, sich wechselseitig entgegenzukommen, sagt Lisa Lochschmidt. Rechtlich gesehen könnte die volle Stornierungsgebühr kassiert werden. Menschlich jedoch werde ein Kompromiss gesucht. Vielleicht lässt sich die Reise auf einen späteren Termin verschieben? Möglicherweise kann im zweiten Halbjahr nachgeholt werden, was derzeit aus objektiven Gründen einfach nicht zu leisten ist?

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Keine Absagen gibt es nach Angaben der Hotelchefin momentan bei Familienfeiern wie Geburtstagen oder Hochzeitsjubiläen. Hier werde offenbar noch abgewartet. Die Chefin des Goldenen Löwen auf der linken Meißner Elbseite, Astrid Metzig, bestätigt den Eindruck ihrer Kollegin. Alle Gruppenreisen – dazu gehörten Firmen, Seminare, Tagungen, und Touristen – seien für März und April storniert worden, teilt die Hotelleiterin auf SZ-Anfrage am Montagvormittag mit. Rund 30 Prozent der Individualtouristen hätten abgesagt. Zum Teil am Tag der Anreise oder einen Tag vorher. Der Großteil der Stornierungen konzentriere sich auf März und April. Für später liegende Termine gebe es noch Hoffnung. Die Umsatzeinbußen belaufen sich für das Haus bereits jetzt auf 30.000 Euro.

Das nächste schwere Jahr

Herausstechend ist: Gäste aus Frankreich, Österreich, Russland und Asien stornieren besonders häufig. Aber auch alle Gruppen aus Deutschland. Der Goldene Löwe schließe am Montag eines seiner Hotels und betreibe nur ein Haus, bis die Buchungssituation sich ändere. Man hoffe auf eine unkomplizierte und praktikable Regel beim Kurzarbeitergeld, sagt Astrid Metzig.

Die Aussagen der Meißner Hotelchefin fügen sich in ein allgemeines Bild ein. Für Touristen macht der Aufenthalt im Elbland nicht zuletzt keinen Sinn mehr, weil immer mehr touristische Angebote wegfallen. So hätte es nicht schlimmer kommen können für die Weiße Flotte. Erst zwei Niedrigwasser-Jahre mit viel zu wenigen Fahrgästen und am Ende einer finanziellen Schieflage, die 2019 fast das Aus für die Ausflugsschiffe bedeutet hätte. Dann Corona. 

Die Schiffe liegen seit Montag an der Kette – auf unbestimmte Zeit. Karin Hildebrand, die Geschäftsführerin der Sächsischen Dampfschifffahrt musste trotz Frühlingssonne und perfektem Elbepegel reagieren. Ihre Entscheidung: Wenigstens bis zum 31. März legt kein Schiff mehr ab.

Schon am Wochenende waren Einschränkungen an Bord zu spüren. Zwar fanden alle Fahrten in Dresden planmäßig statt, doch es durften maximal 99 Passagiere an Bord. 500 passen auf die Salonschiffe, die unterwegs sind, alleine 170 ganz oben auf das Sonnendeck. Die Fahrgäste haben die Einschränkung akzeptiert, „viele waren auch froh, ein Stück weit Normalität erleben zu dürfen“, berichtete Hildebrand.

Seit Montagmittag ist es vorbei mit dem Schifffahrtsvergnügen. Die Mitarbeiter in den Büros nahe der Frauenkirche bekamen Homeoffice verordnet, die Schiffsmannschaften feiern Überstunden ab oder arbeiten auf der Werft. Und die Kollegen der zwei Flotten-Töchter Elbezeit und Crashice, die für die Gastronomie auf den Schiffen, im Zoo und im Flughafen zuständig sind bzw. Personal vermitteln, haben deutlich weniger zu tun oder kämpfen mit Veranstaltungsabsagen.

„Das kann man nicht an den Mitarbeitern auslassen“, gibt sich Karin Hildebrand kämpferisch. Sie will alle Kollegen an Bord halten und hofft auf Unterstützung. Mit den Banken muss die Dampfer-Chefin sprechen, die noch Kreditrückzahlungen erwarten. Sie hat nachgefragt, welche finanzielle Hilfe es von staatlicher Seite für Unternehmen wie die Flotte gibt und wartet auf Antwort. 

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Und sie will noch nicht einplanen, dass auch die Dampferparade am 1. Mai, eines der wichtigsten Flottenereignisse des Jahres, nicht stattfinden kann. Sie hat die Sorge, dass Negativmeldungen wie die vorläufige Absage aller Fahrten auf die Stimmung drücken könnten. „Zwei Jahre haben wir gerödelt, gemacht und getan“, erinnert sie an die schwierigen Niedrigwasserjahre, „und dann kommt so ein Virus und macht wieder alles zunichte.“

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