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Pirna

Hilfe am Krisentelefon

Die Angst kommt oft abends und nachts. Deshalb bieten die Johanniter ab Montag rund um die Uhr seelischen Beistand an - vor allem zum Reden.

Thomas Raben ist einer der Helfer, die ab Montag am Krisentelefon der Johanniter sitzen.
Thomas Raben ist einer der Helfer, die ab Montag am Krisentelefon der Johanniter sitzen. © Sophie Koch

Hotlines gibt es inzwischen viele. Die meisten, um zu informieren, wo bekomme ich welche Hilfe, wer ist wofür zuständig, welche aktuellen Regelungen und Verordnungen gibt es. Die Johanniter-Hotline will sich um das seelische Wohl der Menschen in diesen Krisenzeiten kümmern. Deshalb ist ihre Hotline ab 6. April zunächst sieben Tage die Woche rund um die Uhr besetzt. Erfahrungsgemäß kommen die Ängste abends, wenn alles andere zur Ruhe kommt, sagt Stephan Kays. Er leitet das Kriseninterventionsteam, das inzwischen zu den Johannitern gehört. "Abends und nachts sind andere Hotlines in der Regel nicht erreichbar. Deshalb wollen wir das anbieten", sagt er. Die Rettungsleitstelle anzurufen, ist auch jederzeit möglich, habe jedoch immer eine gewisse Hemmschwelle.

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Das Krisentelefon ist Teil der psychosozialen Notfallversorgung und wurde extra für den steigenden Bedarf während der derzeitigen Pandemie organisiert. Es ist ein unspektakulärer Arbeitsplatz in der Heidenauer Akkon-Johanniterzentrale. Hier, wo die Johanniter in einem ehemaligen Autohaus ihre sächsische Zentrale mit verschiedenen Diensten eingerichtet haben und wo am 23. April ein Tag der offenen Tür stattfinden sollte, der nun wie alles andere verschoben ist.

Gemeinsam den nächsten Schritt beraten

Das Team der Beraterinnen und Berater besteht aus Fachkräften mit entsprechender Qualifikation, die ehrenamtlich tätig sind. Die Beratung erfolgt kostenlos. Derzeit gehören zu dem Team 14 Helfer. Knapp ein Drittel davon sind Berufsretter, also zum Beispiel Sanitäter, im Katastrophenschutz, bei der Feuerwehr. Andere arbeiten als Elektriker, Lehrer oder in Verwaltungen. Gebraucht werden, nicht nur jetzt, weitere Helfer. Sie sind bei Unfällen, Katastrophen und eben wie jetzt in besonderen Krisen für andere da.

In seelischen Krisensituationen ist ein vertrauensvolles Gespräch der erste Schritt zur Lösung der bestehenden Herausforderung für die Beteiligten, sagt Kays. Das kann nach einem plötzlichen Tod eines nahen Menschen genau so sein wie bei der aktuellen Konfrontation mit Verlustängsten verschiedener Art. Der nächste Schritt wird gemeinsam beraten. Seien es weitere Gespräche, sei es dass ein Rettungswagen rausfährt. "Es geht darum, dass sich Menschen in seelischer Notlage an jemanden wenden können."

Die Aufgabe der Helfer ist jetzt keine andere als sonst: Menschen helfen, wieder Fuß zu fassen, die nächsten Schritte, die in einer solchen Ausnahmesituation zu gehen sind, machen zu können. Bisher besagen die Erfahrungen, dass etwa 70 Prozent der Menschen diesen Prozess meistern. Etwa 20 Prozent schaffen es mit einem Gespräch am Telefon, und etwa zehn Prozent der Betroffenen brauchen längerfristige Hilfe. Wie es in der aktuellen Corona-Krise und danach aussieht, kann im Moment keiner sagen. Eine vergleichbare Situation gab es noch nicht. Bisherige Krisen waren in der Regel zeitlich viel kürzer und nie waren bisher so viele Menschen gleichzeitig betroffen.

Rund um die Uhr besetzt

Je nachdem wie das Krisentelefon angenommen wird, ist eine zeitliche Anpassung möglich. Stellt sich heraus, dass es zu bestimmten Zeiten nicht gebraucht wird, werden die ehrenamtlichen Helfer anders eingesetzt. Auch mit ihren Kräften und Möglichkeiten muss gehaushaltet werden.

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Die Hotline ist ab 6. April rund um die Uhr unter 03529 5274337 erreichbar. In dringenden Notfällen ist die Rettungsleitstelle über die 112 die richtige Adresse. Für Betroffene aus Dresden ist zudem das Dresdner Krisentelefon/Telefon des Vertrauens täglich von 17 bis 23 Uhr zum Ortstarif unter 0351 8041616 erreichbar.

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