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Hoyerswerda

Hoyerswerdaer Ärztin behandelt Mangyans

Dr. Silke Lindner startet in Kürze einen Hilfseinsatz für die Organisation German Doctors.

Mindoro auf den Philippinen wird von der Organisation German Doctors auch „Insel der Not“ genannt.
Mindoro auf den Philippinen wird von der Organisation German Doctors auch „Insel der Not“ genannt. © German Doctors

Als Hausärztin Dr. Silke Lindner aus Hoyerswerda begann, ihre Patienten darüber zu informieren, dass sie demnächst für einige Wochen nicht da sein wird, war die Reaktion unerwartet: „Ich bin überrascht, wie bewegt viele sind, berührt und auch begeistert.“ 

Silke Linder und ihr Mann Ulf haben im ersten Quartal des Jahres in ihrer Praxis im WK VI gut 2 200 Menschen behandelt. Das ist nicht eben wenig. Und man weiß ja, wie schwer es in der Stadt ist, einen Arzt zu finden, wenn man nicht schon einen hat. Anderswo ist es mit der medizinischen Versorgung aber dann doch um ein Vielfaches schlechter bestellt.

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Silke Lindner geht im August für die Hilfsorganisation German Doctors auf die philippinische Insel Mindoro. Diese hat zwar drei Nationalparks mit äußerst seltenen Tierarten, aber mit dem Gesundheitswesen ist es nicht weit her. „Auf Mindoro ist die basismedizinische Behandlung der vernachlässigten indigenen Bevölkerung wichtig“, formuliert German Doctors diplomatisch vorsichtig. Es geht um die Volksgruppe der Mangyans, eine Gesellschaft acht verschiedener Stämme. Die Menschen wohnen buchstäblich in Dschungeldörfern. Über 15 Jahre betreibt German Doctors dort nun ein System, das zwar Rollende Klinik heißt, aber doch eher einem ärztlichen Hausbesuch gleicht. „Da warten dann Leute auf dem Dorfplatz“, beschreibt das die Hoyerswerdaer Ärztin.

„Jeder Mensch hat das Recht auf medizinische Versorgung - unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion, politischen Meinung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen.“ Dieses Bekenntnis, angelehnt an Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, steht am Anfang eines kleines Hefters, den Silke Lindner für ihre Patienten zur Information vorbereitet hat. Ihre diesbezügliche Überzeugung hat tiefe Wurzeln. Wie sie erzählt, waren Urwald-Doktor Albert Schweitzer mit seinem Spital im afrikanischen Lambarene sowie Mutter Teresa mit ihrem Wirken in Indien schon während ihrer Kindheit große Vorbilder, die sie inspirierten. Einerseits erfüllt die Medizinerin sich nun also so eine Art Jugendtraum.

Andererseits sagt sie, sie habe ein wenig die Furcht, dass ihre Leidenschaft für den Beruf verloren gehen könnte: „Es gibt Momente, da fühle ich mich vom System missbraucht.“ Silke Lindner erlebt wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitssystem eine zunehmende Ökonomisierung mit Finanz-Deckelung, immer schärferen Kontrollen und Regressforderungen. Wenn Krankenkassen stets und ständig Rechtfertigungen verlangen und es zumindest so scheint, als seien Kennziffern wichtiger als konkrete Patienten-Schicksale, lässt das nicht nur Silke Lindner hadern. Generell, findet sie jedoch, sei selbst in Hoyerswerda medizinische Versorgung auf hohem Niveau gesichert: „Hier bekommt man in der Regel die Medizin, die man braucht, ohne viel Demut und Dankbarkeit.“ Dort, wo sie jetzt helfen will, ist das ganz und gar nicht so. Dauermedikamente wie Blutdrucksenker zu verschreiben oder gegen Diabetes Insulin zu verordnen – ausgeschlossen. 

Silke Lindner weiß, dass sie Dinge sehen wird, die hier keine oder kaum eine Rolle spielen: unterernährte Kinder, schwere Tuberkulose- oder Krätzefälle. Sie ist in Kursen auf die Spezifika ihres Einsatzes auf den Philippinen vorbereitet worden, der nicht nur unbezahlt ist, sondern für den sie auch einen Großteil der Kosten trägt. Denn die Arbeit von German Doctors basiert auf Spenden und diese werden vorwiegend für Medikamente, Programme gegen Unterernährung sowie für die medizinische Ausbildung Einheimischer benötigt - nicht nur auf den Philippinen, sondern zum Beispiel auch im afrikanischen Sierra Leone oder in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Viele Patienten von Silke Lindner haben inzwischen nach dem Spendenkonto von German Doctors gefragt. Die Ärztin ist ihnen dafür dankbar, denn: „Schon kleine Beiträge ab fünf Euro können Leben retten und zur Genesung beitragen.“ Dankbar ist die Medizinerin aber auch ihrem Mann. Denn Dr. Ulf Lindner übernimmt während ihrer Abwesenheit die Betreuung ihrer Patienten.

Spendenkonto: German Doctors, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE26 5502 0500 4000 8000 20, Zahlungsanlass: Hilfe weltweit

Dr. Silke Lindner wird von August bis Oktober im Einsatz sein. 
Dr. Silke Lindner wird von August bis Oktober im Einsatz sein.  © privat

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