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Hrensko hat jetzt seine eigene Polizeistation

Rund um Hrensko können sich Touristen und Einwohner fortan sicherer fühlen. Dank „Schengen“ wurde die Polizeipräsenz deutlich verstärkt.

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Von Anneke Hudalla

Für die Schanzes war jenes Wochenende im September eines von den ganz schwarzen. Mit Kind und Kegel waren sie am Morgen von Nentmannsdorf aufgebrochen, zu einer Wanderung in der Böhmischen Schweiz. An der Straße von Hrensko (Herrnskretschen) nach Decin (Tetschen) stellten sie ihr Auto ab. Doch als sie einige Stunden später wieder zu ihrem Wagen zurückkehrten, war das Auto aufgebrochen. „Das war schon ein Schock“, erinnert sich Ute Schanze. „Doch schlimm war dabei nicht nur der Schaden am Auto“, sagt sie. „Ziemlich nervenaufreibend war die ganze Prozedur mit der tschechischen Polizei.“

Nicht nur, dass es fast eine Stunde dauerte, bis die Polizeibeamten am Tatort eintrafen. „Dann musste mein Mann wegen des Protokolls auch noch mit den Polizisten mitfahren und war erst gegen elf Uhr abends wieder zu Hause“, erinnert sich Ute Schanze. Der Grund für den enormen Zeitaufwand lag darin, dass die zuständige Polizeieinheit in Ludvikovice (Losdorf), einem kleinen Ort zwischen Decin und Ceska Kamenice (Böhmisch Kamnitz) saß. Heute wäre eine Anzeige wie die der Schanzes in höchstens einer Stunde erledigt. Denn letzte Woche hat die Polizei ihren Dienstsitz nach Hrensko verlegt. Und „schuld“ daran ist das von vielen noch immer als „Sicherheitsrisiko“ gescholtene Schengener Abkommen.

Unausgepackte Umzugskisten

„Im Tschechischen gibt es ein Sprichwort, das heißt: Lieber abgebrannt als umgezogen.“ Oberleutnant Miroslav Ouzky zeigt lachend auf die Umzugskisten, die noch immer im Gang vor seinem Büro stehen. Schreibtische, Computer und vor allem Akten, Akten, Akten haben „seine“ Männer in der letzten Woche von Ludvikovice nach Hrensko verfrachtet – in jenes torartige Gebäude, in dem Beamte der Grenzpolizei noch bis zum 21. Dezember Pässe kontrollierten. Seit Tschechien dem Schengener Abkommen beigetreten ist, sind die Grenztruppen verschwunden. Dafür haben nun Miroslav Ouzky und seine Leute ein Auge darauf, wer über Hrensko ein- und ausreist. „Unsere Einheit hier gehört nicht zur Grenz- sondern zur Staatspolizei“, erklärt Ouzky. „Unsere Hauptaufgabe besteht deshalb eigentlich in der allgemeinen Verbrechensbekämpfung.“ Doch im Zuge des Schengen-Beitritts wurde die tschechische Polizei erheblich umstrukturiert: „Ich habe durch Schengen nicht nur zehn neue Polizisten, sondern auch neue Aufgaben bekommen“, sagt Ouzky. „Mit zwanzig Mann sind wir jetzt doppelt so viele wie früher – und neben Autodiebstählen, Einbrüchen und Prügeleien steht jetzt eben auch die stichprobenartige Kontrolle von Ausweispapieren auf unserem Programm.“

Gesucht: 5000 Polizisten

Für zehn Gemeinden im Umkreis von Hrensko ist die Polizeieinheit zuständig. Besonders viel zu tun hatten Ouzkys Männer seit dem Umzug noch nicht. Dabei suchen manche tschechische Medien seit dem Schengen-Beitritt geradezu fieberhaft nach Beweisen dafür, dass der Wegfall der Grenzen für Tschechien ein Mehr an Kriminalität und illegaler Migration mit sich gebracht hat. Zwar haben sämtliche tschechischen Behörden wiederholt versichert, die Zahl der gestohlenen Autos und Einbrüche sei seit Dezember nicht gestiegen. Und die insgesamt elf Personen, die Ende Januar bei der ersten gesamt-tschechischen Razzia ohne gültiges Schengen-Visum aufgegriffen wurden, zeugen ebenfalls davon, dass nicht wirklich ein Anlass zur Panik besteht. Die „Mlada Fronta Dnes“ berichtete vor Kurzem trotzdem darüber, dass polnische Banden in den Skiorten des Riesengebirges ungehindert jede Menge Autos stehlen – wobei die tschechische Polizei dem kriminellen Treiben aufgrund des gravierenden Mangels an Polizeibeamten nichts entgegenzusetzen habe. Tatsächlich fehlen der tschechischen Polizei mindestens 5000 Leute, um den Idealzustand von 47000 Beamten zu erreichen. Und dieser Mangel verursacht zwischen den Gemeinden geradezu einen Wettbewerb darum, wer wie viele Polizisten „abbekommt“. „Der Bürgermeister von Hrensko hat sich gefreut, dass wir hierher umgezogen sind“, sagt Miroslav Ouzky. „Aber die Menschen in Ludvikovice sind jetzt natürlich beunruhigt, weil wir sie nicht mehr beschützen.“

Feilen am Image

Auf die Dauer, dessen ist sich auch das Prager Innenministerium bewusst, führt kein Weg an mehr Polizeibeamten vorbei. Am ersten Februar wurde deshalb eine Art Werbekampagne gestartet, die mit Fernsehspots und Plakaten neue Polizisten gewinnen soll.

„Das Hauptproblem ist das Image der Polizei“, sagt Miroslav Ouzky. „Viele Menschen denken beim Stichwort Polizei immer nur an Strafzettel und Repressionen.“ Auch auf Ouzkys Dienstfahrzeug steht deshalb seit Neuestem ein Slogan, der den Ruf der Polizei verbessern soll: „Wir schützen und helfen“, heißt es da. Dieses Versprechen gilt nun auch für sächsische Touristen in Hrensko.