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Hühner bleiben im Gatter

Schau. Die Vogelgrippe macht es Vereinenschwer, die Erfolgeihrer Zucht zu zeigen.

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Von Jürgen Birkhahn

Die Weihnachtsgans haben die Besucher der Geflügel-ausstellung in Altsattel vergebens gesucht. Weil die Region noch zum Sperrbezirk der Vogelgrippe gehört, mussten die Organisatoren der Tombola mit ihrer Tradition brechen und in diesem Jahr einen großen Hasen als Hauptpreis verlosen.

„In Lommatzsch gilt noch die Stallpflicht. Deshalb dürfen wir kein Geflügel verlosen oder verkaufen“, sagt Johannes Beer, der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Lommatzsch und Umgebung. Doch damit nicht genug, der Verein hat in diesem Jahr noch eine weitere Einschränkung: „Wir dürfen kein Wassergeflügel zeigen.“ Das sei ebenfalls eine Auswirkung der Vogelgrippe. Die Vereinsmitglieder sehen dies mit Sorge. Zum einen sind sie froh, dass sie überhaupt wieder eine Ausstellung gestalten können (im vergangenen Jahr musste sie abgesagt werden). Zum anderen befürchten sie, dass einige Mitglieder ihre Züchtertätigkeit aufgeben.

Interesse lässt nach

„Ein paar haben schon angekündigt, dass sie aufhören wollen“, sagt Beer. Das würde den Mitgliederschwund im Verein verstärken. Aber auch ohne die Hühnerpest geht die Zahl der Aussteller und Tiere zurück. Geflügelzucht findet heute nicht mehr das Interesse, wie noch vor Jahren. „Über 100 waren wir mal, jetzt sind wir noch 49“, sagt Beers Sohn Uwe. Die Familie des Vereinsvorsitzenden ist ein Beispiel dafür, wie sich die Tierliebe auf die nächsten Generationen überträgt. Das klappt nicht überall, so ist der Lommatzscher Zuchtverein mit seinem Altersdurchschnitt im Vorruhestand angekommen.

Zu den Ältesten im Verein gehört Helmut Eulitz. Der 85-Jährige widmet sich intensiv der Taubenzucht, setzt vor allem auf eine naturnahe Haltung. Er ist froh, das die Tauben von der Regelung zur Vogelgrippe ausgenommen sind. „Sonst würden vielleicht noch mehr Leute mit der Zucht aufhören“, so der Senior.

Auch er bedauert, dass es an jungen Leuten im Verein fehlt. „Die haben heute mehr Freizeitangebote als früher“, sagt Johannes Beer. Das wird eben auch in der Mitgliederzahl des Lommatzscher Vereins deutlich. Lediglich vier Jugendliche gibt es im Verein. Maik Hilgenfeld ist der Erfolgreichste von ihnen. Am Wochenende ist der 17-Jährige Jugendvereinsmeister geworden. 376 Punkte bekam er für seine Deutsche Modeneser Schietti in schwarz. Der Gymnasiast hat sich mit der Züchterei von Tauben von seinem Vater anstecken lassen. Die Taubenzucht gehört zur Familie und lässt durchaus noch Zeit für andere Interessen, meint er. „Es ist schon zu schaffen“, kommentiert Maik den Aufwand für die Tierhaltung. Bester Lohn für den Fleiß sind die Erfolge bei Ausstellungen. Daran hat er schon öfter teilgenommen.

Während Maik den Besuchern stolz seine Tauben präsentiert, drücken sich ein paar Kinder an der Schauvoliere mit den Lockentauben und weißen Seidenhühnern die Nase platt. Auch in den anderen Käfigen ist Bewegung. Hühner und Tauben gurren laut. Es scheint, als wollten sie den Zuschauern zurufen: Kommt her, wir sind die Schönsten. Denn wenn die Besucher der Geflügelausstellung in Lommatzsch vor den Käfigen stehen, setzen sich die Hühner in Pose, als wären sie ein Modell vor der Kamera.

Tierarzt muss untersuchen

Das beeindruckt auch die Preisrichter, die über 20 Mal die Note Vorzüglich vergeben. Ein Ergebnis, welches die Züchter zufrieden macht. Über 1000 Tiere haben sie in der ehemaligen Gemüsezentrale in Altsattel ausgestellt. In besseren Zeiten waren es 500 mehr, erklärt Beer. Das sei aber mittlerweile auch eine Frage des Geldes. Tiere, die zur Ausstellung kommen, müssen vom Tierarzt untersucht werden. Wer mehrere Tiere zeigen will, komme da mit 50 Euro nicht weg.

Bisher konnten die Züchter einen Teil der Kosten mit dem Verkauf während der Ausstellung wieder reinholen. Das ist nun nicht möglich.