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Hüterin der Gemütlichkeit

Karin Hofmann, die Wirtin der Radeberger Gaststätte Forsthaus, steht seit 40 Jahren hinter der Theke.

Viele Geschenke gab es zum 40-jährigen Dienstjubiläum der Radeberger Forsthaus-Wirtin Karin Hoffmann.
Viele Geschenke gab es zum 40-jährigen Dienstjubiläum der Radeberger Forsthaus-Wirtin Karin Hoffmann. © Matthias Schumann

Radeberg. Wenn man so will, hat die in der Radeberger Forststraße gelegene Gaststätte „Forsthaus“ in der Stadt sicher so etwas wie Kultstatus.

Viele Bewohner kennen sie, haben schon mal was von ihr gehört oder suchen diese Lokalität regelmäßig auf. Das Forsthaus ist eine Gaststätte ohne viel Schickimicki. Vielmehr legt Gastwirtin Karin Hofmann großen Wert auf das, was man unter einer gediegenen Gemütlichkeit versteht „Die schätzen meine Gäste sehr“. erzählt Karin Hofmann.

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Die kleine, zierliche Frau feierte am gestrigen Freitag ein besonderes Jubiläum. Eines, das für Kontinuität steht und das in der heutigen Zeit in der Gastronomieszene schon einen gewissen Seltenheitswert hat: Seit 40 Jahren betreibt die 74-jährige Radebergerin ihre Gaststätte. Steht sie seit mehr als einem halben Leben hinter der Theke. Ein besonderes Dienstjubiläum.

Bierkutscher kamen mit Gespann vorbei

Natürlich kamen da am Freitag etliche Gäste, um ihr zu gratulieren. Glückwünsche und eine Urkunde gab es auch von der ansässigen Radeberger Exportbrauerei, die Bierkutscher schauten mit ihrem Gespann vorbei. Und immer wieder war zu hören, zu sehen, wie sehr man Wirtin Karin Hofmann schätzt. Die die rustikal-eingerichtete Gaststätte seit vielen Jahren mit ihrer 38-jährigen Tochter Kristin betreibt. Angesichts eines solchen Jubiläums drängt sich vor allem eine Frage auf: Hat sie noch Erinnerungen an ihren ersten Arbeitstag, an den 19. Juli 1979? Ein verlegenes Lächeln, sie schüttelt den Kopf, nein, ist einfach zu lange her.

74 Jahre ist die Wirtin alt. Wer so lange wie sie, eine solche Gaststätte betreibt, steht, das darf man sicher mit Fug und Recht sagen, mitten im Leben. Sie hat in dieser Zeit eine Menge unterschiedlicher Menschen kennengelernt, hat von viel Leid aber auch von viel Freude erfahren. Könnte sie sicher die oder andere Anekdote zum Besten geben. Wie war das denn damals, zur Vorwendezeit, mit dem jungen sowjetischen KGB-Offizier, der gelegentlich bei ihr ein Bierchen trank? Oh nein, sie rollt mit den Augen. Nicht schon wieder diese Geschichte von Wladimir Putin. Das sei doch schon so lange her. Stimmt. Aber irgendwie wabert diese Geschichte des heutigen Kreml-Chefs bei einem solchen außergewöhnlichen Jubiläum natürlich immer mit in den Erinnerungen. Wollte sie eigentlich die Gaststätte ihres Vaters übernehmen? Wenn man in einer Gastwirtfamilie aufwachse, so die bodenständige Frau, sei der berufliche Weg im Prinzip schon vorgezeichnet. Und mal ganz ehrlich, es fällt auch nicht einfach, sich gegen familiäre Traditionen zu wehren. Karin Hofmann betreibt die Gaststätte nunmehr in der vierten Generation.

Stolz aufs Lebenswerk

1910 kauften ihre Großeltern das Haus. Unten ist die Gaststube, oben befinden sich die Wohnräume. Fast anderthalb Jahrhunderte Gastronomie im gleichen Haus, das ist auch in einer Bierstadt wie Radeberg nicht unbedingt selbstverständlich. Hofmanns bauten das Haus nach der Wende zweimal um, der eigenwillige Charme dieser am Stadtrand gelegenen Gaststätte blieb erhalten. Karin Hofmann ist froh, dass sie von ihrer Tochter Kirstin unterstützt wird. Die 38-Jährige erzählt, dass die Gäste die Behaglichkeit, das Aufgehobensein in dieser Gaststätte schätzten. Neben dem Gastraum gibt es noch einen kleinen Saal. Dort finden Familienfeiern statt, für etliche Vereine der Stadt ist das Forsthaus ein beliebter Anlaufpunkt. Etliche Radeberger pflegen hier ihre Stammtischrunden. Es gibt gutbürgerliche Küche, und wenn Gäste lukullische Sonderwünsche haben, „versuchen wir nach Möglichkeit darauf auch einzugehen“, so Tochter Kristin. An fünf Tagen in der Woche hat das Forsthaus geöffnet, daran wird sich nichts ändern. Bleibt Zeit für Urlaub? Die 74-jährige Karin Hofmann schmunzelt: „Ja, ist gelegentlich auch mal drin.“

Ans Aufhören denkt die Gastwirtin jedenfalls nicht. Und wenn irgendwann mal die Kraft nachlassen sollte, sie den Eindruck hat, dass es genug ist und sie sich in den Ruhestand verabschieden möchte, kann sie dies in aller Ruhe und Gelassenheit tun. Denn die Nachfolge ist ja geregelt. Tochter Kristin wird die Gaststätte übernehmen. Somit wäre die Zukunft des Forsthaus geklärt. Tradition verpflichtet ja schließlich.

Gastwirtin Karin Hofmann weiß das nur zu gut, denn die Radeberger Forsthaus-Gastronomie ist schließlich ein Lebenswerk, eines, auf das sie mit Stolz zurückblicken kann.

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