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Hugo Werner Stiftung will Behinderten helfen

Zur Erinnerung an die Lebensleistung des Sebnitzer Blumenfabrikanten Hugo Werner hat die Enkelin Rosemarie Kemke eine Stiftung gegründet. Mit ihr soll Behinderten geholfen werden. Noch steckt die Idee in den Kinderschuhen und die Realisierung wird schwerer als gedacht.

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Von Anja Weber

Aufgeben werden Burkhard und Rosemarie Kemke nicht. Die Hugo Werner Stiftung ist ihr großes Lebensziel. So soll der Name des bekannten Sebnitzer Blumenfabrikanten auch nach dem Tod der beiden fortleben.

Aber was steckt hinter der Idee? Den Sebnitzern ist bislang nur das Türschild am Haus von Hugo Werner auf der Schillerstraße aufgefallen sowie die Mohnblumen auf Papier in den Fenstern der ersten Etage. Doch was tut sich dahinter? Noch nicht viel, zum Leidwesen der beiden Bewohner. Und eigentlich müssten sie auch die Strapazen gar nicht auf sich nehmen.

Das Leben hat ihnen nicht nur positives beschert. „Manchmal überkommen mich schon Zweifel, ob wir alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben“, sagt Rosemarie Kemke. Doch ihr Mann Burkhard, beide haben übrigens erst am 26. Juni dieses Jahres geheiratet, treibt sie vorwärts, macht ihr immer wieder Mut. Daran ist eigentlich nichts ungewöhnliches, bei den Kemkes ist es das schon. Er ist seit 1978 querschnittsgelähmt. Die Folge eines Verkehrsunfalls. Damals war er noch Korvettenkapitän bei der Marine der Bundeswehr und vorwiegend in Kiel stationiert. „Der Fahrer flüchtete. Ich musste lange um den Kostenersatz kämpfen und bekam kein Geld. Später hat die Bundeswehr die Leistungen übernommen, weil ich für meinen Abschluss für das Staatsexamen Jura beurlaubt war“, erzählt Burkhard Kemke kurz.

Erinnerungen gebenKraft für künftiges

Geblieben sind die Erinnerungen an die Zeit bei der Marine. Einige Fotos hat er behalten. Zurück bleiben aber nicht nur diese Andenken. Der schlimme Unfall ist es offenbar, der den Mann dazu bringt, unbedingt etwas für Behinderte zu tun.

„Mir ist nach dem Unfall bewusst geworden, dass Behinderte Hilfe brauchen. Die gesunde Gesellschaft nimmt auf sie keine Rücksicht“, steht für ihn fest. Sein Enthusiasmus ist bewundernswert. Burkhard Kemke ist nicht nur querschnittsgelähmt, er muss auch täglich ans Sauerstoffgerät und sieht zudem immer schlechter. Mit seiner Frau will er zum einen das Projekt verwirklichen. Zum anderen wird mit der Stiftung das Lebenswerk Hugo Werners erhalten. Denn die Stiftung hat sich besonders die Unterstützung der Arbeit des Weißen Rings verschrieben, ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten. In diesem Geist werden vorhandene Immobilien in Forst und eben auch das Haus auf der Schillerstraße in Sebnitz genutzt, um gespendete Rollstühle, Behindertenbetten, Treppenlifte und ähnliche Hilfsmittel aufzuarbeiten, zu lagern und an Bedürftige leihweise abzugeben. Ein weiterer Zweck der Stiftung ist die Pflege des Andenkens und der Grabstätte der Eheleute Hugo und Emma Werner. Außerdem sollen aus der Stiftung einmal Zuwendungen zur Förderung gemeinnütziger Zwecke der Kirche, des Denkmalschutzes, der Jugendarbeit und für künstlerische Arbeiten von öffentlicher Bedeutung fließen. Geplant ist zudem, das Hinterhaus als Ferienhaus zu sanieren. „Die Familien müssen hier nur die Betriebskosten bezahlen, können sich drei Wochen erholen. Einzige Bedingung ist aber, dass der Familienvater eine Woche lang unsere Geräte mit repariert“, sagt Burkhard Kemke. Noch ist das aber alles eine Vision. Die Stiftung ist noch nicht eingetragen. Und auch das Haus ist noch nicht saniert. Es fehlt das notwendige Kapital. „Ich hätte gedacht, dass uns bei der Verwirklichung unserer Idee von staatlicher Seite mehr unter die Arme gegriffen wird“, hoffte der Mann vergebens auf Hilfe.

Auf seine Schreiben an öffentliche Einrichtungen, an Bund und Land stieß er überall nur auf Ablehnung. Aber eben dieser Widerstand zwingt die Kemkes zum weitermachen. Aus diesem Grund werden sich die beiden im Frühjahr nächsten Jahres auf eine weite Reise machen, um Geld zu sammeln. Burkhard Klemke wird Vorträge halten, über seine Zeit bei der Marine und für die Idee der Stiftung werben. Stationen sind unter anderem Sylt, Westerland, Flensburg. Weiter geht es bis nach Basel und dann zurück über München, Nürnberg, Berlin und Sebnitz.

Eine Radierung alsGeschenk für Spender

Etwa ein dreiviertel Jahr werden sie mit einem speziell umgebauten VW-Bus unterwegs sein. Dann hoffen sie, genügend Geld zusammen zu haben, um ihre Idee umsetzen zu können. Dass das Projekt künftig noch an Bedeutung gewinnt, daran zweifelt Burkhard Kemke nicht. „Angesichts unseres Sozialsystems wird es künftig immer weniger Behinderte geben, die Geld zur Unterstützung bekommen. Deshalb ist eine solche Stiftung wichtig.“ Als Dank für eine hohe Spende für die Stiftung bekommt derjenige eine Radierung „Der fallende Reiter“ von Professor Peter Nagel, Kunstpreisträger der Stadt Kiel im Wert von 150 Euro, ebenso Personen die Außerordentliches für bedürftige Behinderte geleistet haben.